Das Leib-Garde-Husaren-Regiment repräsentierte eine der prestigeträchtigsten Kavallerieeinheiten der preußisch-deutschen Armee und verkörperte die militärische Pracht des Kaiserreichs in seiner Blütezeit. Dieses vollständige Uniformensemble eines Gefreiten der 2. Eskadron aus der Zeit um 1910 dokumentiert nicht nur die außergewöhnliche handwerkliche Qualität militärischer Ausstattung jener Epoche, sondern auch die komplexe Hierarchie und Tradition der kaiserlichen Leibgarde.
Das Regiment wurde am 21. Februar 1815 aus der Garde-Husaren-Eskadron des Leichten Garde-Kavallerie-Regiments und drei Eskadronen der Ostpreußischen National-Kavallerie-Regiments gegründet. Ursprünglich in Berlin stationiert, verlegte die Einheit 1829 nach Potsdam, wo sie in der eigens errichteten Leibgarde-Husaren-Kaserne an der Berliner Straße untergebracht wurde. Den besonderen Status als Leibgarde erhielt das Regiment am 19. Juni 1888, als Kaiser Wilhelm II. die Funktion des Regimentschefs übernahm. Das Regiment bestand aus vier Eskadronen und gehörte zum Gardekorps, während des Ersten Weltkriegs zur Garde-Kavallerie-Division.
Die Uniform des Leibgarde-Husaren-Regiments unterschied sich markant von anderen preußischen Husarenregimentern. Während die beiden Leib-Husaren-Regimenter den Totenkopf als Abzeichen trugen, schmückte das Leibgarde-Husaren-Regiment den vergoldeten Gardestern. Die Attila, die Paradejacke, war hochrot mit gelber Verschnürung gefertigt, während der Dolman, die Dienstjacke, sich durch dunkelblaues Tuch mit gelber Verschnürung und schwarzem Pelzbesatz an Kragen, Aufschlägen und Knopfleiste auszeichnete. Das Regiment behielt die Pelisse bei, eine pelzbesetzte Jacke, die für die meisten preußischen Husaren 1853 abgeschafft, aber für die Garde-Kavallerie-Einheiten wieder eingeführt worden war.
Die Pelzmütze für Mannschaftsdienstgrade bestand aus schwarzem Robbenfell oder Bärenfell, während Offiziere bis 1912 Otterfell und danach Opossumfell trugen. Diese Kopfbedeckung mit ihren prächtigen Beschlägen, dem hochgewölbten vergoldeten Gardestern und dem preußischen Feldzeichen aus weißer Seidenkordel mit schwarzer Samtfüllung bildete das repräsentativste Element der Paradeuniform. Ergänzt wurde sie durch die besondere Paradefangschnur des Leibgarde-Husaren und den weißen Paradestutz.
Der Rang eines Gefreiten stellte die einzige Beförderungsstufe dar, die ein eingezogener Soldat in der preußischen Armee erreichen konnte, mit Ausnahme des Obergefreiten bei der Artillerie. Die Beförderung erforderte die Empfehlung des Kompaniechefs und die Bestätigung durch den Regimentskommandeur. Der Gefreite diente als Stellvertreter des Unteroffiziers und trug als Rangabzeichen die charakteristischen Gefreitenknöpfe am Kragen. Das vorliegende Ensemble zeigt diese Gefreitenknöpfe am Kragen der Attila sowie die Schulterlitzen mit Knöpfen der 2. Eskadron.
Besonders bemerkenswert sind die funktionalen Abzeichen auf dem rechten Arm der Attila: ein Winkel für gutes Lanzenfechten sowie das handgestickte Ärmelabzeichen für Winker auf rotem Tuch. Diese Auszeichnungen dokumentieren die militärischen Fähigkeiten des Trägers und die spezialisierte Ausbildung innerhalb der Kavallerie.
Die Bewaffnung bestand aus dem Kavalleriedegen KD 89, der ab 1889 bis nach dem Ersten Weltkrieg als Standardwaffe für die gesamte deutsche Kavallerie diente. Als Eigentumsstück gefertigt, zeigt die Klinge beidseitig Ätzungen: auf der Vorderseite die Kartusche mit der Aufschrift "Leib Garde Hus. Regt.", auf der Rückseite eine Reiterszene, den Gardestern und Waffenzier. Die schwarz lackierte Stahlscheide mit starrem Ring vervollständigte diese repräsentative Waffe.
Zur vollständigen Ausstattung gehörte die Säbeltasche aus rotem Saffianleder mit gelber Wolllitze, das weiße Paradebandolier aus Lackleder mit dem Kartuschkasten aus schwarzem Lackleder, versehen mit dem aufgelegten goldenen Gardestern, sowie die Husarenschärpe mit schwarzen Durchzügen und schwarzen Knebeln. Der Potsdamer Uniformhersteller H. Ahlers, Inh. Arthur Ahlers, Brandenburgerstr. 44 fertigte die Tellermütze, wie der Herstelleraufdruck dokumentiert. Der Kammerstempel im Dolman trägt die Jahreszahl 1908, was die Datierung des Ensembles in die Zeit um 1910 bestätigt.
Das Regiment nahm an den Deutschen Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870-71 sowie am Ersten Weltkrieg teil. Die prächtigen Paradeuniformen mit Pelzmützen wurden bei Paraden und zu Beginn des Ersten Weltkriegs getragen, später jedoch durch feldgraue Uniformen und Stahlhelme ersetzt. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne wurde das Leib-Garde-Husaren-Regiment demobilisiert und im Januar 1919 gemäß dem Versailler Vertrag aufgelöst. Die Traditionen des Regiments führte in der Reichswehr die 6. Schwadron des 5. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Potsdam fort, wie General Hans von Seeckt am 24. August 1921 verfügte.