Baden und Oldenburg Feldbinde für Offiziere im Dragoner Rgt. 19 bzw. Baden Pionier Bataillon Nr. 14

Das Feldbindenschloß Buntmetall versilbert mit Kaiserkrone über Chiffre "WII", an ca. 100 cm langem Silbergespinstbinde mit 2 grauen Durchzügen, dunkelblau unterfüttert, 2 Schieber. Zustand 2.
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750,00

Baden und Oldenburg Feldbinde für Offiziere im Dragoner Rgt. 19 bzw. Baden Pionier Bataillon Nr. 14

Die vorliegende Feldbinde für Offiziere repräsentiert ein charakteristisches Ausrüstungsstück der kaiserlich-deutschen Armee während der wilhelminischen Ära und des Ersten Weltkriegs. Diese spezielle Feldbinde war für Offiziere des Dragoner-Regiments Nr. 19 (Baden) sowie des Badischen Pionier-Bataillons Nr. 14 bestimmt und verkörpert die komplexe Uniformtradition der deutschen Bundesstaaten innerhalb des Kaiserreichs.

Das Dragoner-Regiment Nr. 19, auch bekannt als 2. Badisches Dragoner-Regiment, wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert gegründet und war im Großherzogtum Baden stationiert. Nach der Reichsgründung 1871 wurde es als Teil des XIV. (Badischen) Armeekorps in die Strukturen der kaiserlichen Armee integriert. Das Regiment war in Bruchsal stationiert und trug stolz die Tradition der badischen Kavallerie. Die Einheit nahm an den deutschen Einigungskriegen teil und spielte während des Ersten Weltkriegs eine bedeutende Rolle an verschiedenen Fronten.

Das Badische Pionier-Bataillon Nr. 14 gehörte ebenfalls zum XIV. Armeekorps und war für technische und ingenieurtechnische Aufgaben innerhalb der badischen Truppen verantwortlich. Diese Pioniereinheiten waren essentiell für den Bau von Befestigungen, Brücken und anderen militärischen Infrastrukturen. Die Pioniertruppen genossen hohes Ansehen und ihre Offiziere trugen entsprechend distinktive Uniformbestandteile.

Die Feldbinde selbst war ein wesentlicher Bestandteil der Offiziersuniform im deutschen Kaiserreich. Sie diente nicht nur als dekoratives Element, sondern auch als Rangabzeichen und Identifikationsmerkmal. Die Feldbinde wurde diagonal über der Brust getragen und war ein Privileg der Offiziere. Im Gegensatz zur Portepee, die am Säbel getragen wurde, war die Feldbinde ein eigenständiges Ausrüstungsstück.

Das Feldbindenschloss aus versilbertem Buntmetall zeigt die Kaiserkrone über der Chiffre “WII”, was für Kaiser Wilhelm II. steht, der von 1888 bis 1918 regierte. Diese Chiffre war charakteristisch für die zweite Hälfte der wilhelminischen Ära und erschien auf zahlreichen militärischen Ausrüstungsgegenständen. Die Kaiserkrone als Symbol der obersten militärischen Autorität betonte die Loyalität der Offiziere gegenüber dem Kaiser als Oberstem Kriegsherrn.

Die Silbergespinstbinde mit einer Länge von etwa 100 Zentimetern entspricht den regulären Maßen für Offiziersfeldbinden dieser Periode. Das Silbergespinst war typisch für höhere Ränge und unterschied sich deutlich von den einfacheren Binden der Unteroffiziere. Die zwei grauen Durchzüge sind besonders bemerkenswert, da sie auf die spezifische Zuordnung zu badischen Einheiten hinweisen. Die Farbkombinationen der Feldbinden folgten strengen Regeln und waren in den verschiedenen Adjustierungsvorschriften der Bundesstaaten genau festgelegt.

Die dunkelblaue Unterfütterung war charakteristisch für bestimmte Waffengattungen und Bundesstaaten. Die Farbgebung hatte symbolische Bedeutung und ermöglichte die Identifikation der Truppenzugehörigkeit. Baden und Oldenburg teilten sich bestimmte Uniformtraditionen, was durch die Bezeichnung in der Objektbeschreibung angedeutet wird. Dies war nicht ungewöhnlich, da kleinere deutsche Staaten oft bei der Uniformierung kooperierten oder ähnliche Vorschriften übernahmen.

Die zwei Schieber an der Feldbinde dienten der praktischen Verstellung und ermöglichten eine individuelle Anpassung an den Träger. Diese technischen Details waren in den Adjustierungsvorschriften genau spezifiziert und mussten von den beauftragten Militäreffektenfabriken exakt eingehalten werden.

Die Feldbinde wurde gemäß den kaiserlichen Vorschriften in verschiedenen Situationen getragen. Während der Paradeuniform war sie obligatorisch, bei Felddienstübungen jedoch oft optional. Die genauen Tragevorschriften waren in den Adjustierungsvorschriften der jeweiligen Armeekorps festgelegt und unterschieden sich teilweise zwischen den Bundesstaaten.

Die Herstellung solcher Feldbinden erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenfabriken, die oft über Jahrzehnte hinweg für bestimmte Regimenter tätig waren. Die Qualität der Verarbeitung und die Verwendung echter Silberfäden machten diese Stücke zu wertvollen Ausrüstungsgegenständen, die von den Offizieren selbst finanziert werden mussten.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im November 1918 verloren diese Feldbinden ihre offizielle Funktion. Die Reichswehr der Weimarer Republik führte vereinfachte Uniformen ein, und die prächtigen Ausrüstungsstücke der Kaiserzeit wurden zu historischen Erinnerungsstücken. Heute sind solche Feldbinden wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte und werden von Sammlern und Museen als Dokumente einer vergangenen Epoche geschätzt.