III. Reich - Der Deutsche Automobil Club ( DDAC ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 400 km Zuverlässigkeitsfahrt 4.8.1935 Der Deutsche Automobilclub Gau 18 Mitte - Der Alte Dessauer 1676-1747 "

Buntmetall getönt, 40 mm, Hersteller : A.Wollram Jr. Dessau, Zustand 2.
334890
160,00

III. Reich - Der Deutsche Automobil Club ( DDAC ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 400 km Zuverlässigkeitsfahrt 4.8.1935 Der Deutsche Automobilclub Gau 18 Mitte - Der Alte Dessauer 1676-1747 "

Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des deutschen Automobilsports während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die 400 km Zuverlässigkeitsfahrt vom 4. August 1935, organisiert vom Deutschen Automobil Club (DDAC) im Gau 18 Mitte, vereinte sportliche Ambitionen mit der Propaganda des Dritten Reiches.

Der DDAC entstand 1933 durch die Gleichschaltung aller deutschen Automobilverbände unter nationalsozialistischer Führung. Unter der Leitung des Korpsführers Adolf Hühnlein, der gleichzeitig das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) befehligte, wurde der DDAC zu einem wichtigen Instrument der NS-Verkehrspolitik. Die Organisation hatte die Aufgabe, den Motorsport zu fördern, die technische Entwicklung des Kraftfahrwesens voranzutreiben und die Bevölkerung für das Automobil zu begeistern.

Zuverlässigkeitsfahrten waren in den 1930er Jahren populäre Veranstaltungen, die sowohl die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge als auch die Fähigkeiten der Fahrer unter Beweis stellen sollten. Anders als reine Geschwindigkeitsrennen erforderten diese Wettbewerbe Ausdauer, technisches Verständnis und präzise Navigation über längere Distanzen. Die 400 Kilometer-Strecke stellte für die damaligen Fahrzeuge und Straßenverhältnisse eine erhebliche Herausforderung dar.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zum “Alten Dessauer” (1676-1747), eigentlich Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau. Dieser preußische Generalfeldmarschall war eine der bedeutendsten Militärpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts und reformierte grundlegend das preußische Heerwesen. Die Einbeziehung seiner Person in diese Sportveranstaltung war typisch für die nationalsozialistische Praxis, historische Figuren für propagandistische Zwecke zu instrumentalisieren und eine vermeintliche Kontinuität deutscher “Größe” zu konstruieren.

Die Plakette wurde vom Hersteller A. Wollram Jr. aus Dessau gefertigt, was eine direkte örtliche Verbindung zum historischen Namensgeber herstellt. Dessau war im Dritten Reich ein wichtiger Standort der Luftfahrtindustrie und beherbergte unter anderem die Junkers-Werke. Die lokale Bezugnahme auf den Alten Dessauer diente der regionalen Identitätsstiftung innerhalb der NS-Gaustruktur.

Die Gau-Struktur war die regionale Verwaltungsgliederung der NSDAP, die auch auf Organisationen wie den DDAC übertragen wurde. Gau 18 Mitte umfasste Teile Mitteldeutschlands, wobei die genaue territoriale Zuordnung im Laufe der Zeit Veränderungen unterlag. Diese Regionalisierung ermöglichte es dem Regime, flächendeckend Veranstaltungen zu organisieren und die Bevölkerung zu mobilisieren.

Solche nichttragbaren Plaketten wurden als Erinnerungs- und Dokumentationsstücke ausgegeben, nicht als militärische Auszeichnungen. Sie dokumentieren die Teilnahme an einer spezifischen Veranstaltung und waren für Teilnehmer oft begehrte Sammlerstücke. Die Verwendung von getöntem Buntmetall war in dieser Zeit üblich und ermöglichte eine kostengünstige Produktion bei ansprechender Optik.

Der August 1935 fällt in eine Phase intensiver motorisierungspolitischer Aktivitäten des NS-Regimes. Mit dem Bau der Reichsautobahnen, der Förderung des Volkswagens und spektakulären Erfolgen deutscher Rennwagen bei internationalen Wettbewerben sollte Deutschland als moderne Autonation präsentiert werden. Motorsportveranstaltungen dienten dabei sowohl der technischen Erprobung als auch der Massenmobilisierung.

Heute sind solche Plaketten wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und Organisationsstrukturen des Dritten Reiches gewähren. Sie zeigen, wie Sport, Technik und Propaganda miteinander verwoben wurden und wie das Regime versuchte, alle Lebensbereiche zu durchdringen und für seine Zwecke zu instrumentalisieren.