Knötel Uniformtafel "Bosniaken-Regiment" 1792,

Zustand 2.
456490
15,00

Knötel Uniformtafel "Bosniaken-Regiment" 1792,

Die Knötel Uniformtafel des Bosniaken-Regiments von 1792 repräsentiert ein bedeutendes Dokument der militärischen Uniformkunde und dokumentiert eine der faszinierendsten Einheiten der habsburgischen Armee im späten 18. Jahrhundert.

Richard Knötel (1857-1914) war einer der renommiertesten deutschen Uniformmaler und Militärhistoriker seiner Zeit. Zusammen mit seinem Vater Carl Knötel schuf er das monumentale Werk “Uniformenkunde”, das zwischen 1890 und 1921 erschien und bis heute als Standardwerk für die Erforschung historischer Militäruniformen gilt. Die Knötel-Tafeln zeichnen sich durch ihre außergewöhnliche historische Genauigkeit und künstlerische Qualität aus, basierend auf intensiven Archivstudien und der Auswertung zeitgenössischer Quellen.

Das Bosniaken-Regiment oder auch “Bosnisch-Herzegowinisches Infanterie-Regiment” war eine besondere Formation innerhalb der kaiserlich-königlichen Armee Österreichs. Nach der österreichischen Okkupation Bosniens und der Herzegowina im Jahr 1878 wurden diese Truppen offiziell etabliert, doch ihre Wurzeln reichen weiter zurück. Bereits im 18. Jahrhundert existierten Bosniaken-Einheiten in habsburgischen Diensten, die sich durch ihre charakteristische Uniform und Bewaffnung auszeichneten.

Im Jahr 1792, dem auf der Tafel angegebenen Datum, befand sich Europa am Vorabend der Revolutionskriege. Das Habsburgerreich unter Kaiser Franz II. stand vor großen militärischen Herausforderungen. Die Armee wurde reorganisiert und modernisiert, wobei verschiedene ethnische Gruppen des Vielvölkerstaates in speziellen Regimentern dienten. Die Bosniaken waren für ihren Mut, ihre Reitkunst und ihre exotische Erscheinung bekannt.

Die Uniform der Bosniaken des späten 18. Jahrhunderts unterschied sich deutlich von den standardisierten Uniformen der regulären Infanterie. Sie zeigten starke orientalische Einflüsse, die die kulturelle Herkunft dieser Soldaten widerspiegelten. Typische Elemente umfassten weite Hosen, verzierte Jacken, oft mit Schnurverzierungen (Verschnürungen), und charakteristische Kopfbedeckungen. Diese Uniformierung entsprach der habsburgischen Tradition, den verschiedenen nationalen Kontingenten ihre kulturelle Identität zu bewahren, was sowohl der Moral der Truppen diente als auch den repräsentativen Charakter der kaiserlichen Armee unterstrich.

Uniformtafeln wie diese von Knötel erfüllten mehrere wichtige Funktionen. Sie dienten als Referenzdokumente für Militärverwaltung und Schneidereien, als Lehrmaterial für Offiziersschulen und als historische Dokumentation für spätere Generationen. Die Produktion solcher Tafeln erforderte umfangreiche Recherchen in militärischen Archives, die Konsultation von Uniformreglementen und oft die Untersuchung erhaltener Uniformstücke in Sammlungen.

Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das möglicherweise leichte Gebrauchsspuren aufweist, aber seine historische und künstlerische Integrität bewahrt hat. Solche Uniformtafeln wurden auf hochwertigem Papier gedruckt oder als Chromolithographien hergestellt, wobei die Farbgebung besondere Aufmerksamkeit erhielt, um die historischen Uniformfarben möglichst authentisch wiederzugeben.

Die Bedeutung solcher Dokumente für die militärhistorische Forschung kann nicht überschätzt werden. In einer Zeit, in der nur wenige originale Uniformen aus dem 18. Jahrhundert erhalten geblieben sind, bieten die Knötel-Tafeln unschätzbare Informationen über Schnitt, Farbe, Ausrüstung und Bewaffnung historischer Militäreinheiten. Sie ermöglichen es modernen Forschern, Museen und Reenactment-Gruppen, ein akkurates Bild der militärischen Erscheinung vergangener Epochen zu rekonstruieren.

Das Bosniaken-Regiment steht exemplarisch für die multiethnische Struktur der habsburgischen Streitkräfte, die Soldaten aus allen Teilen des Reiches vereinte – von den Niederlanden bis nach Galizien, von Tirol bis nach Kroatien. Diese Vielfalt wurde als Stärke betrachtet und in der Uniformierung sichtbar gemacht, wobei jedes Regiment seine distinktive Erscheinung behielt.

Für Sammler und Militärhistoriker repräsentieren Knötel-Tafeln heute begehrte Objekte, die nicht nur ästhetischen Wert besitzen, sondern auch wichtige historische Zeugnisse darstellen. Sie verbinden künstlerische Qualität mit wissenschaftlicher Genauigkeit und bewahren das Wissen über eine Epoche, in der die Uniform nicht nur funktionale Kleidung, sondern Ausdruck von Tradition, Ehre und nationaler Identität war.