Reichspost / Postschutz /Gemeinde & Staatsforst/ Reichsnährstand Schirmmützenadler für die Schirmmütze
Der Schirmmützenadler für die Reichspost, den Postschutz, Gemeinde- und Staatsforstverwaltungen sowie den Reichsnährstand stellt ein charakteristisches Beispiel für die standardisierten Hoheitszeichen dar, die während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) für verschiedene staatliche und halbstaatliche Organisationen im Deutschen Reich verwendet wurden.
Diese Adlerinsignien wurden auf der Schirmmütze, der charakteristischen Kopfbedeckung deutscher Beamter und Angestellter im öffentlichen Dienst, getragen. Das hier beschriebene Exemplar in großer Ausführung mit hoher Prägung aus Buntmetall repräsentiert die typische Herstellungsweise dieser Abzeichen. Die Verwendung von Buntmetall (meist Zinklegierungen oder Tombak) war während der gesamten Periode üblich, wobei gegen Kriegsende zunehmend Materialknappheit zu vereinfachten Ausführungen führte.
Die Reichspost war eine der größten staatlichen Organisationen des Deutschen Reiches und beschäftigte Hunderttausende von Mitarbeitern. Nach der Machtübernahme 1933 wurden die Uniformen und Abzeichen schrittweise an die neuen staatlichen Vorgaben angepasst. Der Postschutz war eine paramilitärische Formation innerhalb der Reichspost, die für die Sicherung von Posteinrichtungen, den Schutz von Werttransporten und die Aufrechterhaltung der Kommunikationsinfrastruktur zuständig war. Besonders während des Zweiten Weltkrieges kam dem Postschutz eine wichtige Rolle zu.
Die Gemeinde- und Staatsforstverwaltungen waren für die Bewirtschaftung der ausgedehnten deutschen Wälder verantwortlich. Forstbeamte trugen traditionell Uniformen mit charakteristischen grünen Farbtönen und verwendeten entsprechende Rangabzeichen und Hoheitszeichen. Die Forstwirtschaft hatte im nationalsozialistischen Deutschland einen hohen Stellenwert, da sie sowohl wirtschaftlich als auch ideologisch im Rahmen der “Blut-und-Boden”-Ideologie bedeutsam war.
Der Reichsnährstand wurde 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz geschaffen und vereinte alle in der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung und dem Lebensmittelhandel tätigen Personen und Betriebe in einer Zwangsorganisation. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der gleichzeitig Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft war, sollte der Reichsnährstand die landwirtschaftliche Produktion steuern und die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Auch hier trugen höhere Funktionäre und Beamte Uniformen mit entsprechenden Abzeichen.
Die Gestaltung des Adlers folgte den nach 1935 standardisierten Vorgaben für Hoheitszeichen. Der Adler wurde mit ausgebreiteten Schwingen dargestellt, die Fänge hielten einen Eichenlaubkranz mit dem Hakenkreuz. Diese Darstellungsform unterschied sich deutlich vom Parteiadler der NSDAP, bei dem der Adler auf einem Hakenkreuz in einem Kranz stand. Die staatlichen Adler, wie sie bei Reichspost, Forstverwaltungen und Reichsnährstand verwendet wurden, zeigten den Adler mit dem Hakenkreuz in den Fängen.
Die technische Ausführung mit Splintbefestigung auf der Rückseite war typisch für diese Abzeichen. Die Splinte wurden durch Ösen auf der Mütze gesteckt und dann umgebogen, um das Abzeichen zu fixieren. Das erwähnte seitliche Loch am Flügel diente dazu, das Abzeichen zusätzlich mit einem Faden zu sichern, was besonders bei hochwertigen Mützen üblich war, um ein Verlieren oder Stehlen des Abzeichens zu verhindern.
Die Herstellung dieser Adler erfolgte durch verschiedene spezialisierte Firmen, die oft auch Orden und Ehrenzeichen produzierten. Zu den bekannten Herstellern gehörten Firmen wie Assmann & Söhne aus Lüdenscheid oder die Firma C.E. Juncker aus Berlin. Die Qualität variierte je nach Hersteller und Zeitpunkt der Produktion erheblich. Frühe Stücke aus der Vorkriegszeit zeigen in der Regel eine deutlich bessere Verarbeitung und feinere Details als Stücke aus der Kriegszeit.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden alle nationalsozialistischen Symbole durch die Alliierten verboten. Die Verwendung, Zurschaustellung und der Handel mit solchen Objekten unterlagen und unterliegen in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen. Heute haben solche Objekte ausschließlich militärhistorischen und musealen Wert und dokumentieren ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.
Für Sammler und Historiker sind solche Adlerinsignien wichtige Studienmaterialien, die Einblick in die Organisation, Hierarchie und Materialkultur der verschiedenen staatlichen Organisationen des Dritten Reiches geben. Die Zustandsbewertung “3” deutet auf einen gebrauchten Zustand mit sichtbaren Alterungs- und Abnutzungsspuren hin, was für originale Stücke durchaus typisch ist.