Prägungen Brandenburg-Preussens, betreffend dessen Afrikanische Besitzungen und Aussenhandel 1681-1810,
Die numismatische Publikation "Prägungen Brandenburg-Preußens, betreffend dessen Afrikanische Besitzungen und Aussenhandel 1681-1810" von Adolph Meyer, die 1885 im renommierten Verlag Mittler & Sohn Berlin erschien, dokumentiert ein faszinierendes, jedoch weitgehend vergessenes Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte. Diese 27-seitige Broschüre mit drei beigefügten Tafeln befasst sich mit den Münzprägungen, die im Zusammenhang mit den brandenburgisch-preußischen Unternehmungen in Afrika entstanden.
Die Geschichte Brandenburg-Preußens in Afrika beginnt mit der Gründung der Brandenburgisch-Africanischen Compagnie im Jahr 1682 durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Nach dem Vorbild der erfolgreichen niederländischen und englischen Handelskompanien strebte Brandenburg-Preußen danach, am lukrativen atlantischen Handel teilzuhaben. Im Jahr 1683 errichtete die Kompanie das Fort Groß Friedrichsburg an der Goldküste im heutigen Ghana, das zum Zentrum der brandenburgischen Aktivitäten in Westafrika wurde.
Die numismatischen Zeugnisse dieser Epoche sind von besonderer historischer Bedeutung, da sie die wirtschaftlichen Ambitionen eines deutschen Territorialstaates im Zeitalter des Merkantilismus dokumentieren. Die Münzprägungen dienten nicht nur als Zahlungsmittel im afrikanischen Handel, sondern auch als Ausdruck territorialer Ansprüche und staatlicher Souveränität. Die in Meyers Werk dokumentierten Prägungen umfassen verschiedene Nominale und Typen, die speziell für den Handel an der afrikanischen Küste konzipiert wurden.
Der Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, bei dem diese Publikation erschien, war im 19. Jahrhundert der führende militärwissenschaftliche und historische Verlag im Deutschen Reich. Das 1789 gegründete Verlagshaus war offizieller Verleger der preußischen Armee und publizierte zahlreiche bedeutende Werke zur Militärgeschichte, Numismatik und Heraldik. Die Veröffentlichung von Meyers Werk in diesem angesehenen Verlag unterstreicht die wissenschaftliche Bedeutung der Thematik.
Die zeitliche Spanne von 1681 bis 1810, die der Titel nennt, umfasst die gesamte Periode der brandenburgisch-preußischen Afrikaaktivitäten. Nach anfänglichen Erfolgen geriet die Brandenburgisch-Africanische Compagnie zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Konkurrenz der etablierten europäischen Seemächte, logistische Probleme und die geografische Distanz zum Mutterland erschwerten profitable Geschäfte. Im Jahr 1717 verkaufte König Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig", die brandenburgischen Besitzungen in Afrika an die Niederländische Westindien-Kompanie.
Meyers Publikation aus dem Jahr 1885 entstand in einer Zeit verstärkten deutschen Interesses an kolonialen Unternehmungen. Nach der Reichsgründung 1871 und unter Reichskanzler Otto von Bismarck begann das Deutsche Reich ab 1884 mit dem systematischen Erwerb von Kolonien in Afrika und der Südsee. In diesem Kontext gewannen historische Studien über frühere deutsche Kolonialbemühungen besondere Aktualität. Wissenschaftler und Sammler suchten nach historischen Präzedenzfällen und Legitimationen für die zeitgenössische Kolonialpolitik.
Die numismatische Erforschung der brandenburgisch-preußischen Afrikaprägungen war Teil einer breiteren wissenschaftlichen Bewegung im späten 19. Jahrhundert. Die Deutsche Numismatische Gesellschaft, 1851 gegründet, förderte systematische Studien zur Münzgeschichte. Publikationen wie die von Adolph Meyer trugen dazu bei, die oft fragmentarischen Quellen zur frühen deutschen Kolonialgeschichte zu erschließen und zu systematisieren.
Die drei Tafeln, die der Publikation beigefügt sind, stellen vermutlich Abbildungen der beschriebenen Münzen und Prägungen dar. Solche Illustrationen waren für numismatische Publikationen des 19. Jahrhunderts essentiell, da sie Sammlern und Forschern die Identifizierung und Klassifizierung der oft seltenen Stücke ermöglichten. Die Herstellung dieser Tafeln erfolgte typischerweise durch Lithographie oder Kupferstich.
Das Format von 26x17 cm entspricht dem damals üblichen Quartformat für wissenschaftliche Broschüren. Die broschierte Ausführung war kostengünstiger als eine Leinenausgabe und ermöglichte eine weitere Verbreitung in Sammler- und Gelehrtenkreisen. Der Erhaltungszustand "2-" mit dem Hinweis auf eine Neverklebung des Inneren deutet auf eine fachmännische Restaurierung hin, die den wissenschaftlichen Wert des Werkes für heutige Forscher und Sammler bewahrt.
Heute sind Exemplare von Meyers Werk bibliophile Raritäten, die sowohl für Numismatiker als auch für Kolonialhistoriker von Interesse sind. Sie dokumentieren nicht nur die materiellen Zeugnisse der brandenburgisch-preußischen Afrikapolitik, sondern auch den Stand der numismatischen Forschung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Publikation ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich mit der frühen deutschen Überseegeschichte, dem atlantischen Handel oder der Entwicklung der deutschen Numismatik beschäftigen.