Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für Mannschaften der Landgendarmerie

Fertigung um 1870, noch bis nach 1897 getragen. Schwerer Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der große Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern. Gewölbte Schuppenketten an kleinen Rosetten mit Eisenschrauben, beide Kokarden, die Reichskokarde erst ab 1897 getragen. Kreuzblatt mit abnehmbarer Spitze, der Hals mit Perlrand, runder Vorderschirm. Hinten mit Helmschiene. Innen mit gelaschtem Lederfutter. Größe 57. Zustand 2.


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€ 1.650,00

Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für Mannschaften der Landgendarmerie

Die preußische Pickelhaube Modell 1867/71 für Mannschaften der Landgendarmerie repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der Geschichte der deutschen Militäruniformen und der staatlichen Ordnungskräfte im späten 19. Jahrhundert. Dieses markante Helmmodell, gefertigt um 1870 und bis nach 1897 im Dienst, verkörpert sowohl die militärische Tradition Preußens als auch die zunehmende Professionalisierung der ländlichen Polizeikräfte.

Die Landgendarmerie hatte im Königreich Preußen eine zentrale Bedeutung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in ländlichen Gebieten. Nach den Reorganisationen der 1860er Jahre wurde diese Institution zu einer schlagkräftigen, militärisch organisierten Polizeitruppe ausgebaut. Die Gendarmen unterstanden dem Kriegsministerium und waren entsprechend uniformiert, wobei ihre Ausrüstung sich eng an militärischen Vorbildern orientierte.

Das Modell 1867/71 markiert eine wichtige Übergangsphase in der Entwicklung der preußischen Helme. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 und der Reichsgründung 1871 wurden Uniformvorschriften standardisiert und angepasst. Der schwere Lederhelm aus dieser Periode zeichnet sich durch seine robuste Konstruktion aus gepresstem und geformtem Leder aus, das sowohl Schutz als auch Repräsentation bot. Die Fertigung solcher Helme erforderte spezialisiertes handwerkliches Können, wobei das Leder in mehreren Schichten verarbeitet und in die charakteristische Form gepresst wurde.

Besonders bemerkenswert an diesem Helmtyp ist der große Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern an der Vorderseite. Diese Verzierung deutet auf eine besondere Stellung der Landgendarmerie hin, die trotz ihrer polizeilichen Funktion eine enge Verbindung zu den Gardeformationen aufwies. Der preußische Adler, das heraldische Symbol der Hohenzollern-Monarchie, symbolisierte die direkte königliche Autorität, unter der die Gendarmerie operierte. Der Gardestern verstärkte diese Verbindung zur militärischen Elite zusätzlich.

Die gewölbten Schuppenketten, die an kleinen Rosetten mit Eisenschrauben befestigt waren, dienten ursprünglich einem praktischen Zweck: Sie sollten den Helm am Kopf sichern und konnten bei Bedarf unter dem Kinn befestigt werden. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich jedoch zunehmend zu einem dekorativen Element. Die Rosetten selbst waren häufig mit Regimentszeichen oder anderen Kennzeichnungen versehen.

Ein besonders interessantes historisches Detail stellt das Vorhandensein beider Kokarden dar. Die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot wurde erst ab 1897 offiziell eingeführt und zusätzlich zur preußischen Kokarde in Schwarz-Weiß getragen. Dies markiert die zunehmende Integration der einzelstaatlichen Truppen in das Gesamtgefüge des Deutschen Kaiserreichs. Die preußische Kokarde behielt ihren Platz als Ausdruck der Landeszugehörigkeit, während die Reichskokarde die übergeordnete nationale Identität symbolisierte.

Das Kreuzblatt mit abnehmbarer Spitze ist ein charakteristisches Merkmal der Pickelhaube. Diese Spitze, oft als “Pickel” bezeichnet und namensgebend für den gesamten Helm, hatte sowohl dekorative als auch symbolische Bedeutung. Die Möglichkeit, sie abzunehmen, war praktisch für Transport und Lagerung. Der Hals der Spitze mit Perlrand zeigt die handwerkliche Detailarbeit, die in diese Ausrüstungsstücke investiert wurde.

Die Konstruktion mit rundem Vorderschirm und Helmschiene am Hinterkopf folgte bewährten funktionalen Prinzipien. Der Vorderschirm bot Schutz vor Sonne und Witterung sowie vor Hieben von oben, während die Helmschiene zur Stabilisierung und zur Befestigung von Beschlagteilen diente. Das innen gelaschte Lederfutter sorgte für Tragekomfort und Schweißabsorption während langer Dienstzeiten.

Die Größe 57 entspricht einem Kopfumfang von etwa 57 Zentimetern und war eine Standardgröße für erwachsene Männer dieser Zeit. Die Helme wurden in verschiedenen Größen gefertigt, um eine möglichst gute Passform für die Träger zu gewährleisten.

Die lange Tragezeit bis nach 1897 bezeugt die Qualität und Haltbarkeit dieser Helme. In einer Ära rapider technologischer und sozialer Veränderungen blieb die Pickelhaube ein konstantes Symbol preußischer Staatsmacht und militärischer Tradition. Erst mit der fortschreitenden Modernisierung der Bewaffnung und den Erfahrungen späterer Konflikte wurde dieses ikonische Kopfstück schließlich durch praktischere Modelle ersetzt.

Die Landgendarmerie selbst spielte eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung staatlicher Autorität auf dem Land, von der Verbrechensbekämpfung über die Überwachung von Wanderarbeitern bis zur Unterstützung bei der Steuereintreibung. Ihre militärische Ausbildung und Ausrüstung machte sie zu einer respekteinflößenden Präsenz in den ländlichen Gemeinden des Königreichs Preußen und später des Deutschen Kaiserreichs.