WHW - Gau 5 : Düsseldorf " Wir helfen durch Opfer "
Die vorliegende Türplakette aus Blech mit der Aufschrift “Wir helfen durch Opfer” repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Wohlfahrts- und Propagandaorganisation Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW), speziell aus dem Gau 5 Düsseldorf. Diese hohlgeprägte Plakette verkörpert die systematische Verbindung von sozialer Fürsorge und politischer Indoktrination im Dritten Reich zwischen 1933 und 1945.
Das Winterhilfswerk wurde im September 1933 unter der Schirmherrschaft von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gegründet und sollte offiziell bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen. In Wirklichkeit diente es als mächtiges Instrument zur Volksgemeinschaftspropaganda und zur Kontrolle der Bevölkerung. Die Organisation sammelte jährlich Millionen von Reichsmark durch verschiedene Aktionen, darunter Straßensammlungen, den Verkauf von Abzeichen und Plaketten sowie durch gesellschaftlichen Druck auf die Bevölkerung.
Der Gau Düsseldorf, auch als Gau 5 bezeichnet, war eine der administrativen Einheiten der NSDAP und umfasste das Gebiet um die rheinische Metropole Düsseldorf. Gauleiter dieses Bezirks war von 1930 bis 1945 Friedrich Karl Florian, der gleichzeitig als Landeshauptmann der Rheinprovinz fungierte. Der Gau Düsseldorf war ein wichtiges Industrie- und Wirtschaftszentrum des Deutschen Reiches, was ihm besondere Bedeutung für die Kriegswirtschaft und die Propagandaarbeit verlieh.
Türplaketten wie die vorliegende dienten mehreren Zwecken im System des WHW. Primär zeigten sie an, dass der Haushaltsbewohner seinen “Beitrag” zur Winterhilfe geleistet hatte. Sie fungierten als eine Art öffentlicher Nachweis der Teilnahme an der Volksgemeinschaft. Wer keine solche Plakette an seiner Tür anbrachte, machte sich verdächtig, nicht Teil der nationalsozialistischen Solidargemeinschaft zu sein, was zu gesellschaftlicher Ächtung oder sogar zu Repressalien führen konnte. Der Slogan “Wir helfen durch Opfer” war dabei programmatisch: Er verband die christliche Opferidee mit der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsideologie und suggerierte, dass jeder Deutsche zur Hilfe verpflichtet sei.
Die technische Ausführung als hohlgeprägtes Blechstück war typisch für die Massenproduktion solcher Propagandaartikel. Die Hohlprägung ermöglichte die kostengünstige Herstellung großer Stückzahlen bei gleichzeitig ansprechendem dreidimensionalen Erscheinungsbild. Verschiedene Firmen im gesamten Reich stellten solche Plaketten her, oft in regionalen Varianten mit unterschiedlichen Motiven und Aufschriften für die verschiedenen Gaue.
Das WHW organisierte jährlich von Oktober bis März groß angelegte Sammelaktionen. Die erste große Kampagne 1933/34 erbrachte bereits 358 Millionen Reichsmark. In den Folgejahren stiegen die Beträge kontinuierlich an. Die Teilnahme war offiziell “freiwillig”, faktisch jedoch bestand enormer sozialer und politischer Druck. Arbeitgeber sammelten oft direkt vom Lohn, und wer sich verweigerte, musste mit beruflichen Nachteilen rechnen. Blockwarte der NSDAP kontrollierten, wer spendete und wer nicht.
Neben den Türplaketten gab es ein umfangreiches System von Sammelabzeichen, die monatlich wechselten und verschiedene Themen aufgriffen: von historischen Persönlichkeiten über Märchenfiguren bis zu Tieren und Berufsständen. Diese Abzeichen sind heute begehrte Sammlerstücke und dokumentieren die systematische Durchdringung des Alltags mit nationalsozialistischer Propaganda.
Die gesammelten Gelder wurden offiziell für Kohle, Lebensmittel und Kleidung für Bedürftige verwendet. Tatsächlich flossen jedoch erhebliche Teile in die allgemeine Staatskasse und dienten der Kriegsvorbereitung. Die Organisation beschäftigte Tausende von Mitarbeitern und wurde zu einem der größten Wohlfahrtsverbände Europas, wenn auch mit totalitärem Charakter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle WHW-Materialien, einschließlich solcher Türplaketten, von den Alliierten als nationalsozialistische Propagandaartikel eingestuft. Ihre öffentliche zur Schaustellung ist in Deutschland heute im Rahmen der Aufarbeitung der NS-Zeit nur zu Bildungs- und Dokumentationszwecken erlaubt. Für Militärhistoriker und Sammler stellen diese Objekte wichtige Quellen zum Verständnis der Alltagspropaganda im Dritten Reich dar, dokumentieren sie doch die systematische Erfassung und Kontrolle der Bevölkerung bis in den privaten Bereich hinein.