Blechspielzeug - 8,8 Flak mit Protze, Lineol

, mit zwei Protzen, "Schiebe" - Protzenräder , gestempelt "Lineol", leichte Farbablätterung, einige Stellen mit Flugrost, kleine Einzelteile fehlen Zustand 2-
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750,00

Blechspielzeug - 8,8 Flak mit Protze, Lineol

Das beschriebene Objekt ist ein Blechspielzeug des deutschen Herstellers Lineol, das eine 8,8-cm-Flak (Flugabwehrkanone) mit Protzen darstellt. Dieses Spielzeug repräsentiert eines der bekanntesten und gefürchtetsten Waffensysteme des Zweiten Weltkriegs und steht exemplarisch für die militärische Spielzeugindustrie der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholz in Brandenburg an der Havel gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren und militärischem Spielzeug. Der Name “Lineol” leitete sich von “Lino-Elastikum” ab, einem speziellen Kompositmaterial aus Leinölkitt, Kaolin, Kreide und Leim, das besonders für Spielzfiguren verwendet wurde. Ab den 1930er Jahren erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um Blechspielzeug, zu dem auch militärische Fahrzeuge und Geschütze gehörten.

Die 8,8-cm-Flak 18/36/37, umgangssprachlich einfach “Acht-Acht” genannt, war eine deutsche Flugabwehrkanone, die ab 1928 von Krupp entwickelt wurde. Die erste Serienversion, die Flak 18, wurde ab 1933 produziert und stellte einen Meilenstein in der Waffentechnologie dar. Mit einer anfänglichen Mündungsgeschwindigkeit von etwa 820 m/s und einer maximalen Reichhöhe von über 8.000 Metern war sie ihrer Zeit voraus. Die verbesserten Versionen Flak 36 und 37 folgten in den späteren 1930er Jahren.

Die Protze, die in diesem Spielzeugset enthalten ist, bezeichnet ein zweirädriges Vordergeschirr oder einen Munitionswagen, der zur Zugmaschine und zum Transport der Geschütze diente. In der militärischen Praxis der Wehrmacht wurden die schweren Flakgeschütze entweder von Pferden oder zunehmend von motorisierten Zugmaschinen wie dem Sd.Kfz. 7 gezogen. Die Protze enthielt typischerweise Munition und Werkzeug und war ein unverzichtbarer Bestandteil der mobilen Artillerie.

Die Produktion von militärischem Spielzeug durch Firmen wie Lineol diente mehreren Zwecken. Einerseits befriedigte sie die kommerzielle Nachfrage nach zeitgenössischem Spielzeug, das die militärische Realität der Epoche widerspiegelte. Andererseits fügte sich diese Produktion in das Konzept der Wehrerziehung ein, das in der Zeit des Nationalsozialismus besondere Bedeutung erlangte. Kinder sollten schon früh mit militärischen Strukturen und Ausrüstungen vertraut gemacht werden.

Die technischen Details des Spielzeugs zeigen typische Merkmale der Lineol-Produktion: die Stempelung mit dem Firmennamen, die Verwendung von Blech für größere Fahrzeuge und Geschütze, sowie die charakteristische Bauweise mit beweglichen Rädern, hier als “Schiebe-Protzenräder” beschrieben. Der Erhaltungszustand mit leichten Farbabplatzungen und Flugrost sowie fehlenden Kleinteilen ist typisch für Spielzeug, das tatsächlich bespielt wurde und nicht nur als Sammlerstück verwahrt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischen Spielzeugs in Deutschland zunächst von den Alliierten verboten. Die Firma Lineol stellte unter sowjetischer Besatzung die Produktion weitgehend ein; Teile des Unternehmens wurden demontiert. In Westdeutschland erfolgte später eine Neugründung, doch die großen Tage der militärischen Spielzeugproduktion waren vorbei.

Heute sind Lineol-Produkte begehrte Sammlerstücke, die sowohl spielzeughistorisch als auch zeitgeschichtlich von Interesse sind. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeughersteller, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Sammler und Museen bewahren diese Objekte als Zeugnisse einer komplexen historischen Epoche.

Die 8,8-cm-Flak selbst wurde zu einer der vielseitigsten Waffen der Wehrmacht und fand neben ihrer ursprünglichen Rolle als Flugabwehrgeschütz auch hocheffektiven Einsatz als Panzerabwehrkanone. Ihre Wirksamkeit gegen alliierte Panzer, insbesondere in Nordafrika unter Erwin Rommel, machte sie legendär. Diese doppelte Verwendbarkeit spiegelte sich in der Entwicklung späterer Waffensysteme wider.