Das Volk in Waffen - Zweiter Band: Die Flotte,

Dachau, Der Gelbe Verlag, ohne Jahr (1913), Kartoniert, 47 + 88 Seiten, mit vielen Bildern, Kartoniert, Zustand 2-
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30,00

Das Volk in Waffen - Zweiter Band: Die Flotte,

Das Volk in Waffen - Zweiter Band: Die Flotte ist ein militärhistorisches Werk aus der Vorkriegszeit des Ersten Weltkriegs, erschienen 1913 beim Gelben Verlag in Dachau. Dieses zweibändige Werk dokumentiert den militärischen Zustand des Deutschen Kaiserreichs in einer entscheidenden Phase seiner Geschichte, wobei der zweite Band sich speziell der Kaiserlichen Marine widmet. Historischer Kontext und Entstehung Das Erscheinungsjahr 1913 markiert einen Höhepunkt der deutschen Flottenrüstung und der maritimen Machtprojektion unter Kaiser Wilhelm II. Die deutsche Flottenpolitik, maßgeblich geprägt von Großadmiral Alfred von Tirpitz und den Flottengesetzen von 1898 und 1900, hatte das Deutsche Reich in ein kostspieliges Wettrüsten mit Großbritannien geführt. Das Werk “Das Volk in Waffen” erschien in einer Zeit intensiver nationalistischer Propaganda und militärischer Begeisterung, die weite Teile der deutschen Gesellschaft erfasst hatte. Der Gelbe Verlag in Dachau gehörte zu jenen Verlagen, die populärwissenschaftliche und propagandistische Literatur zur Militarisierung der Gesellschaft produzierten. Solche Publikationen dienten der Mobilisierung der öffentlichen Meinung für die Aufrüstungspolitik und sollten die Bevölkerung mit den militärischen Institutionen des Kaiserreichs vertraut machen. Inhalt und Aufbau Das vorliegende Werk umfasst 47 und 88 Seiten in zwei Teilen und ist reichhaltig mit Bildmaterial illustriert. Diese fotografischen und grafischen Darstellungen waren typisch für militärische Populärliteratur der Wilhelminischen Ära und sollten die technische Überlegenheit und Modernität der deutschen Kriegsmarine demonstrieren. Die Bebilderung umfasste üblicherweise Fotografien von Linienschiffen, Kreuzern, Torpedobooten und der militärischen Ausbildung. Solche Publikationen behandelten typischerweise die Organisation der Flotte, ihre Schiffsklassen, die Ausbildung der Matrosen und Offiziere sowie die strategische Bedeutung der Seemacht für das Deutsche Reich. Der Titel “Das Volk in Waffen” spiegelt die zeitgenössische Ideologie wider, dass die gesamte Nation militärisch organisiert und bereit sein müsse. Die Flottenpolitik des Kaiserreichs Die deutsche Flottenrüstung war ein zentrales Element der Weltpolitik Wilhelms II. Das erste Flottengesetz von 1898 sah den Aufbau einer Flotte vor, die Deutschland zur zweitgrößten Seemacht nach Großbritannien machen sollte. Admiral von Tirpitz propagierte die Risikotheorie, wonach eine starke deutsche Flotte Großbritannien von einem Angriff abschrecken würde. Bis 1913 hatte die Kaiserliche Marine erheblich expandiert. Sie verfügte über moderne Dreadnought-Schlachtschiffe, darunter die Schiffe der Kaiser-Klasse und der König-Klasse. Die Flotte umfasste auch zahlreiche Kreuzer, Torpedoboote und U-Boote, die zu wichtigen Waffen im kommenden Weltkrieg werden sollten. Propaganda und Militarisierung Publikationen wie “Das Volk in Waffen” waren Teil einer umfassenden Propagandakampagne zur Unterstützung der Flottenrüstung. Der Deutsche Flottenverein, gegründet 1898, hatte über eine Million Mitglieder und betrieb intensive Öffentlichkeitsarbeit. Schulbücher, Zeitschriften, Postkarten und eben solche Broschüren verbreiteten die Botschaft der maritimen Größe Deutschlands. Die kartonierte Ausführung und der relativ günstige Produktionsstandard deuten darauf hin, dass das Werk für ein breites Publikum bestimmt war. Es sollte nicht nur militärische Fachkreise, sondern die gesamte Bevölkerung erreichen und für die Flottenpolitik begeistern. Sammlerwert und historische Bedeutung Heute sind solche Publikationen wichtige Quellen für die Erforschung der Mentalitätsgeschichte des Kaiserreichs. Sie dokumentieren die Militarisierung der Gesellschaft, die propagandistischen Methoden der Zeit und die visuelle Kultur des Wilhelminischen Deutschland. Der angegebene Zustand “2-” (gut bis sehr gut) macht dieses Exemplar zu einem wertvollen Sammlerstück. Für Militärhistoriker bieten diese Werke Einblicke in die Selbstdarstellung der Kaiserlichen Marine und die Art und Weise, wie militärische Macht der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Bildauswahl, die Sprache und die inhaltlichen Schwerpunkte spiegeln die Prioritäten und Ängste der Zeit wider. Schlussbemerkung Nur ein Jahr nach Erscheinen dieses Buches brach der Erste Weltkrieg aus, in dem die Kaiserliche Marine trotz enormer Investitionen eine begrenzte Rolle spielen sollte. Die Skagerrakschlacht von 1916 blieb die einzige große Seeschlacht, und die Hochseeflotte verbrachte den Großteil des Krieges in ihren Häfen. Die Hoffnungen und Erwartungen, die in Werken wie “Das Volk in Waffen” zum Ausdruck kamen, sollten sich als trügerisch erweisen. Dennoch bleibt diese Publikation ein faszinierendes Zeitdokument einer Epoche, in der Deutschland versuchte, seinen Platz als Weltmacht auch auf den Weltmeeren zu etablieren.