III. Reich Abzeichen für den Reichswerbe- und Opfertag des Reichsverband der Deutschen Jugendherbergen ( RV-DJH )
Das Abzeichen für den Reichswerbe- und Opfertag des Reichsverbands der Deutschen Jugendherbergen (RV-DJH) stellt ein interessantes Zeugnis der Jugendorganisationen im Dritten Reich dar. Dieses aus Blech gefertigte Abzeichen dokumentiert die zunehmende Gleichschaltung auch scheinbar unpolitischer Einrichtungen während der nationalsozialistischen Herrschaft zwischen 1933 und 1945.
Der Reichsverband Deutscher Jugendherbergen hatte seine Wurzeln in der Wandervogelbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Die erste Jugendherberge der Welt wurde 1909 von Richard Schirrmann in Altena gegründet. Die Idee verbreitete sich rasch, und bereits 1912 wurde der Verband gegründet, um jungen Menschen naturverbundenes Wandern und einfache Übernachtungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Bis 1933 hatte sich das Jugendherbergswesen zu einer bedeutenden sozialen Bewegung entwickelt, die Tausende von Herbergen in ganz Deutschland umfasste.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann die systematische Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Organisationen. Der Reichsverband der Deutschen Jugendherbergen blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Die ursprünglich unpolitische Organisation wurde zunehmend in die nationalsozialistische Jugendpolitik eingebunden und musste sich den Zielen des Regimes unterordnen. Die Hitler-Jugend (HJ) und der Bund Deutscher Mädel (BDM) wurden zu den Hauptnutzern der Jugendherbergen.
Die Reichswerbe- und Opfertage waren charakteristische Veranstaltungen des NS-Regimes, bei denen die Bevölkerung zur Spende aufgerufen wurde. Solche Sammlungen dienten offiziell sozialen oder kulturellen Zwecken, waren aber vor allem Instrumente der Propaganda und der Volkserziehung. Die Teilnehmer erhielten als Nachweis ihrer Spende kleine Abzeichen, die sie öffentlich tragen sollten. Diese Abzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Spendennachweis, als Propagandamittel und als soziale Kontrollmechanismen, da fehlende Abzeichen die Träger als nicht-teilnehmend kennzeichneten.
Das vorliegende Blechabzeichen wurde vermutlich in den 1930er Jahren hergestellt, als solche Sammlungsaktionen besonders häufig durchgeführt wurden. Die Verwendung von Blech als Material war typisch für diese Massenproduktionen. Die Abzeichen mussten kostengünstig herstellbar sein, da sie in großen Stückzahlen produziert und für kleine Spendenbeiträge ausgegeben wurden. Trotz ihres einfachen Materials waren viele dieser Abzeichen durchaus ansprechend gestaltet und sollten den Stolz der Träger auf ihre Teilnahme an der “Volksgemeinschaft” zum Ausdruck bringen.
Die Verbindung zwischen dem Jugendherbergswesen und den nationalsozialistischen Organisationen vertiefte sich im Laufe der 1930er Jahre kontinuierlich. Die Jugendherbergen wurden zu wichtigen Infrastruktureinrichtungen für die Fahrten und Lager der Hitler-Jugend. Die ursprünglichen pädagogischen Ideale der Wandervogelbewegung – Naturverbundenheit, Gemeinschaftserlebnis und Selbstständigkeit – wurden zunehmend mit nationalsozialistischer Ideologie überformt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste das deutsche Jugendherbergswesen neu aufgebaut werden. Die Entnazifizierung führte zu personellen und strukturellen Veränderungen, wobei versucht wurde, an die ursprünglichen, unpolitischen Ideale der Bewegung anzuknüpfen. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) wurde 1949 neu gegründet und entwickelte sich zu einer international anerkannten Organisation, die heute Millionen von jungen Menschen beherbergt.
Sammlerstücke wie dieses Abzeichen sind heute wichtige historische Dokumente. Sie bezeugen nicht nur die materielle Kultur des Dritten Reichs, sondern auch die allgegenwärtige Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Propaganda und Sammlungsaktionen. Der Erhaltungszustand “2-” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei über 80 Jahre alten Blechabzeichen bemerkenswert ist.
Für die militärhistorische und sozialgeschichtliche Forschung bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die Mechanismen der NS-Herrschaft. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, durch die Einbindung scheinbar harmloser Freizeitorganisationen seine Kontrolle über alle Lebensbereiche auszudehnen und die Bevölkerung an regelmäßige “Opfer” für die Gemeinschaft zu gewöhnen.