Oldenburg Rock für den „Finanzrath Buchholz“

Fertigung aus dem Jahr1893. Eleganter dunkelblau-schwarzer Gehrock mit rotem Stehkragen, am Kragen und den Ärmelaufschlägen aufwändige Gold- und Silberstickereien, eine Reihe mit sieben vergoldeten Knöpfen mit dem oldenburgischen Wappen. Innen mit schwarzem Seidenfutter, im Nackenbereich mit Etikett des Schneiders „Meentzen & Fassbender Bremen“, in der Brusttasche das Etikett “ Meentzen & Fassbender, Bremen Herr Finanzrath Buchholz … 1893“.
Nur leicht getragen, zwei kleine Mottenlöcher. Zustand 2.
Sehr selten.
445896
1.200,00

Oldenburg Rock für den „Finanzrath Buchholz“

Der vorliegende Frack für Finanzrat Buchholz aus dem Jahr 1893 repräsentiert die ausgeprägte Uniformkultur im Großherzogtum Oldenburg während der wilhelminischen Ära. Dieses Kleidungsstück verkörpert die komplexe Hierarchie des deutschen Beamtenwesens im späten 19. Jahrhundert und illustriert die Bedeutung, die sichtbaren Rangabzeichen in der kaiserlichen Verwaltung beigemessen wurde.

Das Großherzogtum Oldenburg war einer der kleineren deutschen Bundesstaaten, der jedoch eine lange Tradition eigener Verwaltungsstrukturen und Uniformvorschriften pflegte. Nach der Reichsgründung 1871 behielten die deutschen Einzelstaaten weitgehende Autonomie in ihrer inneren Verwaltung, einschließlich des Rechts, eigene Uniformen für Beamte festzulegen. Die Uniformierung von Zivilbeamten war im Deutschen Kaiserreich weit verbreitet und diente mehreren Zwecken: Sie machte den Rang und die Funktion des Trägers sofort erkennbar, betonte die Autorität des Staates und förderte das Korpsgeist innerhalb der Verwaltung.

Der Titel Finanzrat bezeichnete einen höheren Beamten in der Finanzverwaltung. In der preußischen und oldenburgischen Beamtenhierarchie gehörte dieser Rang zur Gruppe der Räte, die zwischen den einfachen Sekretären und den Oberräten angesiedelt waren. Finanzräte waren typischerweise mit der Überwachung von Steuern, öffentlichen Ausgaben und anderen fiskalischen Angelegenheiten betraut. Die Verleihung des Ratstitels war ein wichtiger Karriereschritt und mit entsprechenden Privilegien verbunden, einschließlich des Rechts, eine vorgeschriebene Uniform zu tragen.

Die Schneiderei Meentzen & Fassbender aus Bremen war ein renommiertes Haus für Uniformen und gehobene Herrenbekleidung. Bremen, als bedeutende Hansestadt und Handelszentrum, beherbergte mehrere erstklassige Schneider, die auf Uniformen für Militär- und Zivilbeamte spezialisiert waren. Das erhaltene Etikett mit der genauen Bezeichnung des Auftraggebers und dem Herstellungsjahr war übliche Praxis bei hochwertigen maßgeschneiderten Uniformen dieser Zeit.

Die Farbgebung des Rocks – dunkelblau-schwarz mit rotem Stehkragen – folgte den oldenburgischen Traditionen. Rot war häufig die Unterscheidungsfarbe für Verwaltungs- und Finanzbeamte, während das dunkle Blau oder Schwarz die Seriosität und Autorität der Position unterstrich. Die aufwändigen Gold- und Silberstickereien an Kragen und Ärmelaufschlägen waren Rangabzeichen, die nach präzisen Vorschriften gefertigt wurden. Diese Stickereien folgten meist floralen oder geometrischen Mustern und waren je nach Rang in ihrer Komplexität und ihrem Material abgestuft.

Die sieben vergoldeten Knöpfe mit dem oldenburgischen Wappen sind ein besonders bedeutsames Detail. Das oldenburgische Wappen zeigte traditionell die Balken der Grafen von Oldenburg. Die Verwendung des Landeswappens auf den Uniformknöpfen war ein klares Zeichen der Zugehörigkeit zum oldenburgischen Staatsdienst und verlieh dem Träger offizielle Autorität. Die Anzahl und Anordnung der Knöpfe waren ebenfalls reglementiert und kennzeichneten den spezifischen Rang und die Funktion.

Das schwarze Seidenfutter spricht für die hohe Qualität der Anfertigung. Seide war ein kostbares Material, das nur bei Uniformen für höhere Ränge verwendet wurde. Die aufwändige Verarbeitung und die edlen Materialien machten solche Uniformen zu erheblichen Investitionen für die Beamten, die sie oft aus eigener Tasche bezahlen mussten, obwohl sie zum Tragen verpflichtet waren.

Der ausgezeichnete Erhaltungszustand mit nur geringen Tragespuren und zwei kleinen Mottenlöchern deutet darauf hin, dass der Rock wahrscheinlich nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. Zivilbeamte trugen ihre Galauniformen typischerweise bei offiziellen Empfängen, Zeremonien, Audienzen beim Großherzog oder anderen staatsoffiziellen Anlässen. Für den täglichen Dienst waren schlichtere Dienstanzüge üblich.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Ausrufung der Weimarer Republik verloren solche Uniformen ihre offizielle Funktion. Das Großherzogtum Oldenburg wurde zum Freistaat Oldenburg, und die alte Beamtenuniformen wurden nicht mehr getragen. Viele dieser Kleidungsstücke wurden daher entsorgt oder zu anderen Zwecken umgearbeitet, was den Erhalt eines solchen Stücks in nahezu originalem Zustand besonders bemerkenswert macht.

Heute sind solche Zivilbeamtenuniformen aus der Kaiserzeit erheblich seltener als militärische Uniformen, da sie in geringerer Stückzahl hergestellt wurden und weniger häufig bewahrt wurden. Sie sind wichtige Zeugnisse der Verwaltungsgeschichte und der Repräsentationskultur des Deutschen Kaiserreichs und bieten Einblicke in die soziale Ordnung und die Selbstdarstellung der staatlichen Autorität im späten 19. Jahrhundert.