Nationalsozialistischer Rechtswahrerbund (NSRB)
Nationalsozialistischer Rechtswahrerbund (NSRB) - Mitgliedsabzeichen
Der Nationalsozialistische Rechtswahrerbund (NSRB) wurde am 13. April 1936 als eine der vielen Berufsgliederungen der NSDAP gegründet und stellte die Standesorganisation für alle im Rechtswesen tätigen Nationalsozialisten dar. Der NSRB entstand aus dem bereits 1928 gegründeten Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ), der unter der Führung von Hans Frank stand, welcher später als Generalgouverneur von Polen traurige Berühmtheit erlangen sollte.
Die Hauptaufgabe des NSRB bestand darin, das deutsche Rechtswesen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu durchdringen und umzugestalten. Die Organisation forderte die Abkehr vom traditionellen, auf römisch-rechtlichen Grundlagen basierenden Rechtssystem und propagierte stattdessen ein sogenanntes “völkisches Recht”, das auf der NS-Rassenideologie und dem Führerprinzip aufbaute. Mitglieder waren Rechtsanwälte, Richter, Staatsanwälte, Notare und andere Juristen, die ihre berufliche Tätigkeit mit den Zielen der NSDAP in Einklang bringen wollten oder mussten.
Das hier beschriebene Mitgliedsabzeichen wurde von der Firma Klotz u. Kienast hergestellt, einem der zahlreichen Hersteller von NS-Abzeichen und Ordenswaren während der Zeit des Dritten Reiches. Diese Firma produzierte verschiedene Partei- und Organisationsabzeichen und gehörte zu den autorisierten Herstellern, die nach strengen Vorgaben der NSDAP arbeiteten.
Das NSRB-Abzeichen zeigt typischerweise das charakteristische Symbol der Organisation: ein nach rechts gerichtetes Schwert, welches durch einen Eichenkranz gesteckt ist, darüber ein Hakenkreuz. Diese Symbolik sollte die Verbindung von Recht (Schwert), deutscher Tradition (Eichenkranz) und nationalsozialistischer Weltanschauung (Hakenkreuz) darstellen. Das Abzeichen wurde an einer langen Nadel getragen, üblicherweise am Revers der Zivilkleidung oder an der Uniform.
Die Mitgliedschaft im NSRB war für Juristen faktisch obligatorisch, wollten sie ihre berufliche Karriere im Dritten Reich fortsetzen. Bis 1942 hatte die Organisation etwa 80.000 Mitglieder, was nahezu die gesamte deutsche Juristenschaft umfasste. Der NSRB spielte eine wesentliche Rolle bei der Gleichschaltung des deutschen Rechtswesens und der Durchsetzung der NS-Rassengesetze, einschließlich der Nürnberger Gesetze von 1935 und der juristischen Legitimierung der Verfolgung von Juden, politischen Gegnern und anderen vom Regime als “unerwünscht” eingestuften Personen.
Die Führung des NSRB lag zunächst bei Hans Frank, später übernahm Dr. Friedrich Grimm und schließlich ab 1942 Otto Thierack die Leitung. Die Organisation gab die Zeitschrift “Deutsches Recht” heraus, in der die nationalsozialistische Rechtsauffassung propagiert wurde. Der NSRB organisierte Schulungen, Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen, bei denen die ideologische Ausrichtung der Juristen im Sinne des Nationalsozialismus vorangetrieben wurde.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der NSRB zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 aufgelöst und für verboten erklärt. Die Mitgliedschaft im NSRB spielte in den Entnazifizierungsverfahren eine Rolle, wobei berücksichtigt wurde, dass die Mitgliedschaft für Juristen faktisch zwingend war und daher nicht automatisch als Beweis für eine überzeugte nationalsozialistische Gesinnung gewertet wurde.
Heute sind Abzeichen und Insignien des NSRB Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Rechtsgeschichte. Sie dokumentieren die Perversion des Rechtssystems unter der nationalsozialistischen Diktatur, in der Recht nicht mehr dem Schutz des Einzelnen und der Gerechtigkeit diente, sondern zum Instrument der Unterdrückung und Verfolgung wurde. Das Sammeln solcher Objekte ist in Deutschland legal, sofern dies zu dokumentarischen, wissenschaftlichen oder ähnlichen Zwecken geschieht und keine Verherrlichung des Nationalsozialismus damit verbunden ist.
Die Erhaltung und wissenschaftliche Aufarbeitung solcher Artefakte ist wichtig für die historische Forschung und die Erinnerungskultur, um zukünftige Generationen über die Mechanismen totalitärer Systeme aufzuklären und zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.