Reichsministerium für besetzte Ostgebiete "RMBO", braune Fellmütze für Beamte des Mittleren Dienst im Osteinsatz

um 1943. Braunes Tuch mit Schafsfell, Hoheitsadler für Beamte im Osteinsatz, maschinell vernäht, umlaufend mit einer Silberkordel, innen mit steingrauem Futter, Kammertempel mit RB-Nr.,  Größe 56. Getragen, Zustand 2.
460497
1.850,00

Reichsministerium für besetzte Ostgebiete "RMBO", braune Fellmütze für Beamte des Mittleren Dienst im Osteinsatz

Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMbO) stellte eine der zentralen Verwaltungsinstanzen des nationalsozialistischen Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs dar. Gegründet am 17. Juli 1941, kurz nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa, war dieses Ministerium unter der Leitung von Alfred Rosenberg für die Zivilverwaltung der eroberten sowjetischen Gebiete zuständig.

Die braune Fellmütze für Beamte des mittleren Dienstes im Osteinsatz repräsentiert ein spezifisches Element der Dienstkleidung, die für die extremen klimatischen Bedingungen der Ostfront entwickelt wurde. Die Notwendigkeit spezieller Winterbekleidung wurde bereits im ersten Kriegswinter 1941/42 deutlich, als die deutsche Wehrmacht und Zivilverwaltung völlig unvorbereitet auf die sibirischen Temperaturen trafen, die bis zu -40 Grad Celsius erreichen konnten.

Die Organisationsstruktur des RMbO teilte die Beamten in verschiedene Dienstränge ein: den höheren, gehobenen und mittleren Dienst. Die Beamten des mittleren Dienstes bildeten das Rückgrat der administrativen Arbeit in den besetzten Gebieten und waren mit praktischen Verwaltungsaufgaben betraut. Ihre Uniformierung und Ausrüstung war entsprechend ihrer Dienststellung gestaltet und unterschied sich deutlich von der militärischen Kleidung der Wehrmacht.

Das charakteristische Merkmal dieser Fellmütze ist der Hoheitsadler für Beamte im Osteinsatz, der maschinell vernäht wurde. Dieser Adler unterschied sich in seiner Ausführung von militärischen Hoheitszeichen und kennzeichnete eindeutig die zivile Verwaltungszugehörigkeit. Die umlaufende Silberkordel war ein Rangabzeichen, das den mittleren Dienst kennzeichnete – höhere Ränge trugen häufig unterschiedliche oder zusätzliche Kennzeichnungen.

Die Materialwahl – braunes Tuch mit Schafsfell – entsprach den praktischen Erfordernissen des Osteinsatzes. Das Schafsfell bot hervorragenden Schutz gegen die extreme Kälte, während das braune Tuch der Standardfarbe für Zivilbeamte im Osteinsatz entsprach, im Gegensatz zu den feldgrauen oder grünen Uniformen der Wehrmacht. Das steingraue Innenfutter und der Kammerstempel mit RB-Nummer (Reichsbekleidungsnummer) belegen die offizielle Ausgabe durch deutsche Behörden.

Die Datierung “um 1943” fällt in eine Phase, in der die deutsche Besatzungsverwaltung bereits umfangreiche Erfahrungen mit den klimatischen Herausforderungen gesammelt hatte. Nach dem katastrophalen ersten Winter war die Beschaffung angemessener Winterbekleidung zu einer Priorität geworden. Die maschinelle Fertigung deutet auf eine standardisierte Produktion hin, die den großen Bedarf an solcher Spezialkleidung decken sollte.

Das RMbO verwaltete zur Zeit seiner größten Ausdehnung Territorien mit über 40 Millionen Einwohnern, aufgeteilt in Reichskommissariate wie Ostland und Ukraine. Die dort eingesetzten deutschen Beamten benötigten nicht nur funktionale Kleidung, sondern auch eindeutige Kennzeichnung ihrer Autorität und Zugehörigkeit. Die Uniform diente somit sowohl praktischen als auch repräsentativen Zwecken.

Die Größe 56 entspricht einer üblichen deutschen Kopfgröße und der Kammerstempel belegt die Registrierung und ordnungsgemäße Ausgabe. Solche Stempel waren üblich, um die Ausgabe von Ausrüstungsgegenständen zu dokumentieren und Missbrauch zu verhindern. Die Kennzeichnung als “getragen” zeigt, dass diese Mütze tatsächlich im Dienst verwendet wurde und nicht lediglich ein Lagerstück darstellt.

Nach dem Zusammenbruch der Ostfront 1944/45 und dem Ende des Krieges wurde das RMbO aufgelöst. Viele seiner Akten gingen verloren oder wurden vernichtet. Erhaltene Uniformstücke wie diese Fellmütze sind daher wichtige materielle Zeugnisse dieser historischen Epoche und dokumentieren die administrative Durchdringung der besetzten Gebiete durch das NS-Regime.