Deutsche Wehrmacht - Abzeichen für das Wehrmachtsgefolge

an langer Nadel, Hersteller: Entwurf Fec. Otto Placzek Berlin Ausf. C.E.Juncker Berlin, Zustand 2.
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100,00

Deutsche Wehrmacht - Abzeichen für das Wehrmachtsgefolge

Das Abzeichen für das Wehrmachtsgefolge stellt ein bedeutendes Auszeichnungsstück aus der Zeit des Dritten Reiches dar, das die komplexe Organisationsstruktur der deutschen Streitkräfte zwischen 1939 und 1945 widerspiegelt. Dieses Abzeichen wurde speziell für Zivilisten geschaffen, die in offizieller Funktion die Wehrmacht begleiteten, ohne selbst Soldaten zu sein.

Die rechtliche Grundlage für dieses Abzeichen bildete die Verordnung über das Wehrmachtsgefolge vom 18. August 1939, die kurz vor Kriegsausbruch erlassen wurde. Diese Verordnung definierte präzise, wer zum Wehrmachtsgefolge gehörte: Beamte, Angestellte und Arbeiter, die bei Truppenteilen, Dienststellen oder Einrichtungen der Wehrmacht tätig waren und diese im Felde begleiteten. Dazu zählten unter anderem Kriegsberichterstatter, technische Spezialisten, Verwaltungsbeamte, Dolmetscher und zivile Funktionsträger verschiedenster Art.

Das vorliegende Exemplar wurde von C.E. Juncker Berlin hergestellt, einer der renommiertesten Firmen für militärische Auszeichnungen im Dritten Reich. Die Firma Juncker, gegründet von Carl Ernst Juncker, war bekannt für ihre qualitativ hochwertige Verarbeitung und produzierte zahlreiche Orden und Ehrenzeichen. Der Entwurf stammt von Otto Placzek, einem Berliner Künstler und Designer, der verschiedene Abzeichen und Auszeichnungen für das NS-Regime gestaltete. Die Kennzeichnung “Fec.” (lateinisch: fecit = hat gemacht) war eine übliche Signatur des Entwerfers auf militärischen Auszeichnungen dieser Epoche.

Das Abzeichen selbst zeigt typischerweise das Hoheitsabzeichen der Wehrmacht – einen stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hält. Die charakteristische lange Nadel diente der sicheren Befestigung an der Zivilkleidung oder an speziellen Armbinden. Im Gegensatz zu militärischen Uniformabzeichen musste dieses Kennzeichen auf ziviler Kleidung getragen werden, weshalb die stabile Nadelkonstruktion von besonderer Bedeutung war.

Die Bedeutung des Abzeichens lag vor allem in seinem rechtlichen Schutz: Träger des Wehrmachtsgefolge-Abzeichens galten nach den Genfer Konventionen als Kombattanten und hatten im Falle einer Gefangennahme Anspruch auf den Status von Kriegsgefangenen. Dies war besonders für Kriegsberichterstatter, Ärzte und technisches Personal von vitaler Bedeutung. Gleichzeitig verpflichtete das Tragen des Abzeichens zur Einhaltung der militärischen Disziplin und unterwarf die Träger der Wehrmachtsjustiz.

Die Herstellung und Vergabe dieser Abzeichen unterlag strengen Kontrollen. Jedes Abzeichen wurde registriert und nur von autorisierten Herstellern produziert. Die Firma Juncker gehörte zu diesem exklusiven Kreis und war berechtigt, ihre Produkte mit dem Herstellercode zu kennzeichnen. Die hohe Qualität der Juncker-Produktion zeigt sich in der präzisen Prägung, der Verwendung hochwertiger Materialien und der sorgfältigen Oberflächenbehandlung.

Während des Krieges wuchs die Bedeutung des Wehrmachtsgefolges erheblich. Tausende Zivilisten begleiteten die deutschen Streitkräfte in allen Kriegsschauplätzen – von Norwegen bis Nordafrika, von Frankreich bis zur Ostfront. Sie erfüllten wichtige logistische, administrative und propagandistische Funktionen. Die Kriegsberichterstatter beispielsweise spielten eine zentrale Rolle in der NS-Propaganda und dokumentierten die Kriegsereignisse für die Heimatfront.

Nach 1945 wurde das Tragen solcher Abzeichen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 verboten, das die Verwendung nationalsozialistischer Symbole untersagte. Heute sind diese Abzeichen historische Sammlerstücke, die im Kontext militärhistorischer Forschung und Dokumentation von Bedeutung sind. Der Zustand 2 des vorliegenden Exemplars deutet auf eine gute Erhaltung mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein über 80 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist.

Für Sammler und Historiker sind besonders die Herstellermarkierungen von Interesse. Die Kombination aus Entwerfersignatur (Otto Placzek) und Herstellerbezeichnung (C.E. Juncker) macht solche Stücke zu wichtigen Studiendokumenten für die Erforschung der Produktionsgeschichte militärischer Auszeichnungen. Sie erlauben Rückschlüsse auf Herstellungszeiträume, Qualitätsstandards und die Organisation der Auszeichnungsindustrie im Dritten Reich.