NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " NSKK I/M53 Juli 1938 2. Ettlinger Gelände-Orientierungsfahrt rund um die Alb"
Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert ein bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK): die 2. Ettlinger Gelände-Orientierungsfahrt rund um die Alb im Juli 1938. Diese aus vergoldetem Feinzink gefertigte Plakette mit den Maßen 90 x 70 mm repräsentiert die typische Erinnerungskultur der nationalsozialistischen Kraftfahrorganisationen und deren Bestreben, ihre Aktivitäten durch materielle Auszeichnungen zu dokumentieren.
Das NSKK wurde 1931 zunächst als motorisierte Unterorganisation der SA gegründet und entwickelte sich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 zu einer eigenständigen Formation der NSDAP. Unter der Führung des Korpsführers Adolf Hühnlein wuchs das NSKK zu einer Massenorganisation heran, die 1939 etwa 500.000 Mitglieder zählte. Die Hauptaufgabe bestand in der vormilitärischen Kraftfahrausbildung und der Förderung des Motorsports im Deutschen Reich.
Die Bezeichnung “NSKK I/M53” auf der Plakette verweist auf die organisatorische Gliederung des Korps. Das NSKK war in Motorgruppen, Motorstaffeln und Motorstürme unterteilt, wobei die Buchstaben-Zahlen-Kombination die jeweilige Einheit identifizierte. Diese systematische Organisation ermöglichte eine flächendeckende Präsenz in allen Regionen des Deutschen Reiches.
Gelände-Orientierungsfahrten gehörten zu den zentralen Ausbildungs- und Propagandaveranstaltungen des NSKK. Sie dienten mehreren Zwecken gleichzeitig: der praktischen Schulung der Teilnehmer in Navigation und Geländefahren, der Demonstration motorisierter Leistungsfähigkeit und der Förderung des Gemeinschaftsgedankens innerhalb der Organisation. Die Fahrten wurden meist als Wettbewerbe ausgetragen, bei denen die Teilnehmer bestimmte Kontrollpunkte in vorgegebener Zeit erreichen mussten, während sie gleichzeitig ihre fahrerischen Fähigkeiten unter Beweis stellten.
Die Stadt Ettlingen in Baden-Württemberg, südlich von Karlsruhe gelegen, bot mit ihrer Nähe zur Schwäbischen Alb ideale Voraussetzungen für solche Geländefahrten. Die Region zeichnet sich durch abwechslungsreiches Terrain aus, das sowohl technisches Fahrkönnen als auch navigatorische Fähigkeiten erforderte. Die Tatsache, dass es sich um die zweite Veranstaltung dieser Art handelte, deutet darauf hin, dass die erste Austragung erfolgreich verlaufen war und eine Fortsetzung rechtfertigte.
Das Jahr 1938 markiert einen bedeutsamen Zeitpunkt in der Geschichte des NSKK und des nationalsozialistischen Deutschlands. In diesem Jahr erreichte die Aufrüstung und militärische Vorbereitung einen neuen Höhepunkt. Der “Anschluss” Österreichs im März 1938 und die Sudetenkrise im Herbst desselben Jahres zeigten die aggressive Expansionspolitik des Regimes. Die Aktivitäten des NSKK gewannen in diesem Kontext an Bedeutung, da die Organisation eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung der Bevölkerung auf einen künftigen Krieg spielte.
Die Teilnehmerplaketten selbst waren ein charakteristisches Element der NS-Organisationen. Sie dienten nicht nur als Erinnerungsstücke, sondern auch als Auszeichnungen, die den Trägerstolz und die Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft” dokumentieren sollten. Die Verwendung von vergoldetem Feinzink war typisch für solche Massenproduktionen: Das Material war kostengünstig, ließ sich gut bearbeiten und verlieh durch die Vergoldung dennoch einen repräsentativen Charakter.
Diese Plaketten waren als “nichttragbar” klassifiziert, was bedeutet, dass sie nicht zur Anbringung an Uniformen bestimmt waren, sondern als Tischaufsteller oder Wandschmuck dienten. Dies unterschied sie von tragbaren Abzeichen und Medaillen, die direkt an der Kleidung befestigt wurden. Die Größe von 90 x 70 mm machte sie zu deutlich sichtbaren Erinnerungsstücken, die in Wohnungen oder Geschäftsräumen ausgestellt werden konnten.
Die historische Bewertung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einerseits dokumentieren sie die Alltagskultur und Organisationsstrukturen des NS-Regimes, andererseits waren sie Teil eines Systems, das auf Indoktrination und die Vorbereitung eines Angriffskrieges ausgerichtet war. Das NSKK spielte eine wesentliche Rolle bei der Motorisierung der Wehrmacht und der Ausbildung von Kraftfahrern für militärische Zwecke.
Heute stellen solche Plaketten wichtige zeitgeschichtliche Dokumente dar, die Einblick in die Organisations- und Propagandastrukturen des Nationalsozialismus geben. Sie erinnern an eine Zeit, in der sportliche und technische Aktivitäten systematisch in den Dienst einer verbrecherischen Ideologie gestellt wurden.