Reichsarbeitsdienst (RAD) Badehose

Tuch aus Baumwolle, seitlich mit aufgenähtem RAD-Emblem für die Sportbekleidung. Innen mit RAD-Kammerstempel "1037 R.A.D.B.A.Br.", Herstellermarkierung "Wagner & Walther" und Größenangabe "III". Zustand 2.

Siehe " Sport and the Third Reich, history, uniforms, insignia, and awards, Volume I, by Newbrough"
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220,00

Reichsarbeitsdienst (RAD) Badehose

Die Reichsarbeitsdienst (RAD) Badehose repräsentiert einen besonderen Aspekt der uniformierten Sportbekleidung im nationalsozialistischen Deutschland. Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als staatliche Organisation etabliert und war für alle jungen Deutschen im Alter von 18 bis 25 Jahren verpflichtend.

Das vorliegende Objekt zeigt die charakteristische Gestaltung der RAD-Sportbekleidung. Die Badehose aus Baumwollgewebe trägt das seitlich aufgenähte RAD-Emblem, das speziell für Sportbekleidung vorgesehen war. Die innere Kennzeichnung mit dem Kammerstempel “1037 R.A.D.B.A.Br.” verweist auf eine spezifische RAD-Dienststelle, wobei die Abkürzung auf eine Einheit des Reichsarbeitsdienstes in der Verwaltungsstruktur hinweist.

Die Herstellermarkierung “Wagner & Walther” dokumentiert die private Fertigung durch einen der zahlreichen Zulieferer für RAD-Ausrüstung. Die Größenangabe “III” entspricht dem standardisierten Größensystem, das bei der Ausgabe von Dienstbekleidung verwendet wurde. Dieses System ermöglichte eine effiziente Verwaltung und Verteilung der Ausrüstung an die RAD-Angehörigen.

Der Reichsarbeitsdienst umfasste in seiner Hochphase etwa 350.000 junge Männer und Frauen, die in Arbeitslagern untergebracht waren. Die Organisation war streng hierarchisch strukturiert und militärisch organisiert, obwohl sie formal keine Wehrformation darstellte. Die Dienstzeit betrug zunächst sechs Monate und wurde später auf verschiedene Zeiträume angepasst.

Sport und körperliche Ertüchtigung spielten im RAD eine zentrale Rolle. Die Organisation folgte der nationalsozialistischen Ideologie der Volksgemeinschaft und der körperlichen Leistungsfähigkeit. Täglich waren mehrere Stunden für sportliche Aktivitäten vorgesehen, darunter Geländeläufe, Schwimmen, Leichtathletik und Mannschaftssportarten. Die Badehose war daher ein essentieller Bestandteil der persönlichen Ausrüstung jedes RAD-Mannes.

Die Kennzeichnung der Sportbekleidung mit dem RAD-Emblem diente mehreren Zwecken: Sie dokumentierte die organisatorische Zugehörigkeit, verhinderte Verwechslungen mit ziviler Kleidung und unterstrich den gemeinschaftlichen Charakter der Organisation. Das Emblem zeigte typischerweise das stilisierte Spatenblatt, das zentrale Symbol des RAD, das sowohl die Arbeits- als auch die Wehrhaftigkeit symbolisierte.

Die Beschaffung und Verwaltung der RAD-Ausrüstung unterlag strengen Vorschriften. Jeder Dienstleistende erhielt bei seinem Eintritt eine vollständige Grundausstattung, zu der neben der Arbeits- und Dienstbekleidung auch Sportkleidung gehörte. Die Badehose war Teil dieser standardisierten Ausstattung und musste nach festgelegten Spezifikationen gefertigt werden.

Die Qualität der Fertigung variierte je nach Herstellungsjahr und Produktionsstätte. Während in den frühen Jahren des RAD noch hochwertige Materialien verwendet wurden, führten die Kriegsjahre ab 1939 zunehmend zu Materialengpässen und einer Verschlechterung der Qualität. Baumwolle wurde knapper, und Ersatzmaterialien mussten verwendet werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Reichsarbeitsdienst durch die Alliierten aufgelöst. Die Kontrollratsdirektive Nr. 23 vom 17. Dezember 1945 verbot ausdrücklich die Organisation und alle ihre Strukturen. Uniformen und Ausrüstungsgegenstände wurden größtenteils vernichtet oder in Besatzungszonen konfisziert.

Heute sind authentische RAD-Sportbekleidungsstücke wie diese Badehose seltene Zeugnisse der Alltagskultur im nationalsozialistischen Deutschland. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch staatliche Organisationen und die Bedeutung, die körperlicher Ertüchtigung und Gemeinschaftserziehung beigemessen wurde. Für die historische Forschung bieten solche Objekte wichtige Einblicke in die materielle Kultur und die Organisationsstrukturen des Reichsarbeitsdienstes.