Spanienkreuz in Silber

Fertigung von Otto Schickle. Buntmetall versilbert, mit dunkler Patina.
Diese unmarkierten Stücke von Otto Schickle wurden nach Entzug der LDO-Lizenz 1941 von anderen Firmen vertrieben.
439699
3.000,00

Spanienkreuz in Silber

Das Spanienkreuz in Silber gehört zu den bedeutendsten deutschen Auszeichnungen des 20. Jahrhunderts und steht in direktem Zusammenhang mit dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). Diese Auszeichnung wurde am 14. April 1939 durch Adolf Hitler gestiftet, um die Angehörigen der Legion Condor und anderer deutscher Freiwilligenverbände zu ehren, die auf Seiten der nationalistischen Truppen unter General Francisco Franco kämpften.

Die Legion Condor war eine deutsche Militäreinheit, die aus Angehörigen der Luftwaffe, der Kriegsmarine und des Heeres bestand. Zwischen 1936 und 1939 dienten schätzungsweise 19.000 deutsche Soldaten in Spanien, wobei sich zu jedem Zeitpunkt etwa 5.000 Mann im Einsatz befanden. Der Einsatz diente nicht nur der Unterstützung Francos, sondern auch als Erprobungsfeld für neue Waffen, Taktiken und Ausrüstung der noch jungen Wehrmacht.

Das Spanienkreuz wurde in drei Stufen verliehen: in Bronze, Silber und Gold, wobei es von der Goldstufe auch Varianten mit Brillanten und mit Schwertern gab. Das Spanienkreuz in Silber wurde an Angehörige verliehen, die sich durch besondere Verdienste ausgezeichnet hatten oder mehrfach an Kampfhandlungen teilgenommen hatten. Die Bronzestufe erhielten Angehörige für die allgemeine Teilnahme am Spanienkonflikt.

Die Herstellung der Spanienkreuze wurde zunächst von mehreren durch die LDO (Leistungsgemeinschaft der Deutschen Ordenshersteller) lizenzierten Firmen durchgeführt. Die LDO wurde 1940 gegründet, um die Qualität und Standardisierung von Orden und Ehrenzeichen zu gewährleisten. Zu den autorisierten Herstellern gehörte auch die Firma Otto Schickle aus Pforzheim, einem traditionellen Zentrum der deutschen Schmuck- und Orden-Industrie.

Das vorliegende Exemplar stammt aus der Fertigung von Otto Schickle und weist einige bemerkenswerte Charakteristika auf. Es besteht aus versilbertem Buntmetall und zeigt eine dunkle Patina, die für das Alter und die Materialbeschaffenheit typisch ist. Besonders interessant ist der Umstand, dass dieses Stück unmarkiert ist. Dies hängt mit einem bedeutenden Ereignis in der Geschichte der deutschen Ordensherstellung zusammen: Otto Schickle verlor 1941 seine LDO-Lizenz.

Nach dem Entzug der Lizenz durften Stücke von Otto Schickle offiziell nicht mehr unter seinem Namen vertrieben werden. Daher wurden diese unmarkierten Exemplare von anderen Firmen in den Handel gebracht. Dies war in der damaligen Zeit keine ungewöhnliche Praxis, führt heute jedoch zu interessanten Fragen der Zuordnung und Authentifizierung. Sammler und Experten können solche Stücke oft anhand von Herstellungsmerkmalen, Materialqualität und stilistischen Details identifizieren.

Die technische Ausführung des Spanienkreuzes folgte einem festgelegten Design: ein schwarzes Kreuz mit Schwertern zwischen den Armen, im Zentrum das Hakenkreuz, umgeben von einem Kranz. Auf der Rückseite befand sich typischerweise eine Nadel zur Befestigung an der Uniform. Das Kreuz wurde normalerweise an der linken Brustseite getragen.

Die historische Bedeutung des Spanienkreuzes ist ambivalent. Einerseits dokumentiert es die deutsche Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg, einem Konflikt, der als Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg gilt. Die in Spanien erprobten Taktiken, insbesondere die Luftkriegsführung, wurden später im Zweiten Weltkrieg angewandt. Die Bombardierung von Guernica am 26. April 1937 durch die Legion Condor wurde zum Symbol für den modernen Luftkrieg gegen Zivilisten.

Andererseits sind solche Objekte wichtige historische Quellen für die Militärgeschichte und die Geschichte der Auszeichnungen. Sie ermöglichen Einblicke in Herstellungstechniken, Materialverwendung, administrative Prozesse und die Wertschätzung militärischer Leistungen in der damaligen Zeit.

Heute sind Spanienkreuze begehrte Sammlerobjekte, wobei ihre Authentizität sorgfältig geprüft werden muss, da zahlreiche Nachkriegsfälschungen existieren. Exemplare von bekannten Herstellern wie Otto Schickle, auch die unmarkierten Varianten, werden besonders geschätzt, da sie dokumentierte Produktionsgeschichten aufweisen.

Das Spanienkreuz in Silber bleibt ein bedeutendes Zeugnis einer konfliktreichen Epoche der europäischen Geschichte und der deutschen Militärgeschichte im Besonderen.