III. Reich Zigaretten Sammelbilderalbum - Album für Chlorodont - Sammelbilder

Ausgabe II: Außereuropäische Säugetiere Bild 1-120, Herausgeber Leo-Werke G.m.b.H., Dresden-N-6, 90 Seiten, komplett mit 283 Bildern, Schutzkarton mit Aufdruck "1 Tierbilder-Album Ausgabe II, Außereuropäische Säugetiere". Karton beschädigt. Sammelalbum Zustand 2+ und Karton Zustand 2-.
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III. Reich Zigaretten Sammelbilderalbum - Album für Chlorodont - Sammelbilder

Das vorliegende Chlorodont-Sammelbilderalbum aus der Zeit des Dritten Reiches repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der deutschen Werbe- und Alltagskultur der 1930er und frühen 1940er Jahre. Herausgegeben von den Leo-Werken G.m.b.H. in Dresden-N-6, handelt es sich bei diesem Album um die zweite Ausgabe einer Serie, die sich außereuropäischen Säugetieren widmet und insgesamt 120 verschiedene Sammelbild-Motive umfasst.

Historischer Kontext der Sammelbilder-Industrie

Die Tradition der Sammelbilder oder Sammelkarten reicht in Deutschland bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Unternehmen erkannten früh das Marketingpotenzial solcher Beigaben, die Kundenbindung und Markentreue förderten. Die Leo-Werke, bekannt für ihre Zahnpflegeprodukte unter dem Markennamen Chlorodont, waren in dieser Hinsicht Pioniere. Chlorodont, eine der führenden Zahnpastamarken im deutschsprachigen Raum, wurde bereits seit den 1890er Jahren hergestellt.

Während der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945 erreichte die Sammelbilder-Industrie ihren Höhepunkt. Verschiedene Unternehmen, darunter auch Zigarettenhersteller wie Reemtsma und die Cigaretten-Bilderdienst, produzierten Millionen von Sammelbildern zu den unterschiedlichsten Themen. Diese reichten von Sport und Natur über Technik bis hin zu explizit propagandistischen Inhalten.

Das Chlorodont-Album und seine Besonderheiten

Das hier beschriebene Album zeichnet sich durch seinen naturkundlichen Bildungsanspruch aus. Mit 283 Bildern, die auf 90 Seiten verteilt sind, bot es eine umfassende Darstellung außereuropäischer Säugetiere. Diese thematische Ausrichtung war typisch für viele Sammelalbenserien der Zeit, die einen pädagogischen Wert neben dem Sammelreiz boten. Solche Alben dienten oft als erstes Nachschlagewerk für Kinder und Jugendliche.

Die Produktion solcher Alben erfolgte in hoher Qualität mit chromolithographischen Druckverfahren, die farbenfrohe und detaillierte Darstellungen ermöglichten. Die Leo-Werke verteilten die einzelnen Sammelbilder als Beigabe zu ihren Zahnpflegeprodukten, was Kunden dazu animierte, regelmäßig Chlorodont-Produkte zu erwerben, um ihre Sammlungen zu vervollständigen.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung

In der wirtschaftlich angespannten Zeit der 1930er Jahre boten Sammelbilder eine kostengünstige Form der Unterhaltung und Bildung. Familien konnten durch den Kauf alltäglicher Konsumgüter wie Zahnpasta gleichzeitig ihren Kindern Zugang zu Bildungsmaterialien verschaffen. Der Schutzkarton, der das Album bewahrte, zeigt die Wertschätzung, die solchen Sammlungen entgegengebracht wurde.

Die Leo-Werke in Dresden waren bis zur Zerstörung der Stadt im Februar 1945 ein bedeutender Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Das Unternehmen überstand die NS-Zeit, musste aber wie alle deutschen Firmen mit den Restriktionen der Kriegswirtschaft umgehen, die ab 1939 die Produktion zunehmend einschränkte.

Sammelbilder im Kontext des NS-Regimes

Während viele Sammelbild-Serien der NS-Zeit explizit propagandistische Inhalte aufwiesen – darunter Alben über die Wehrmacht, führende Nationalsozialisten oder die “Errungenschaften” des Regimes – blieben naturkundliche Themen wie das vorliegende Album relativ unpolitisch. Dennoch wurden auch scheinbar harmlose Inhalte im Kontext nationalsozialistischer Weltanschauung präsentiert, etwa durch die Betonung von Ordnung, Systematik und einer hierarchischen Naturbetrachtung.

Erhaltung und Sammlerwert

Die angegebene Zustandsbewertung “2+” für das Sammelalbum und “2-” für den Schutzkarton entspricht den gängigen Bewertungsmaßstäben für historische Sammelobjekte. Der leicht beschädigte Karton ist bei Objekten aus dieser Zeit nicht ungewöhnlich, da die Materialien kriegsbedingte Qualitätseinbußen aufwiesen und die nachfolgenden Jahrzehnte überlebt haben mussten.

Fazit

Das Chlorodont-Sammelbilderalbum ist ein authentisches Zeugnis deutscher Alltagskultur während des Dritten Reiches. Es dokumentiert die Verflechtung von Werbung, Bildung und Konsum in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche. Für die militärhistorische Forschung sind solche zivilen Objekte von Bedeutung, da sie Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Heimatfront bieten und zeigen, wie Normalität und Alltag trotz oder gerade wegen der politischen Verhältnisse aufrechterhalten wurden.