Rußland Blechkokarde für die Schirmmütze Mannschaften

, lackiert, rückseitig ohne Splinte, Zustand 2
200400
25,00

Rußland Blechkokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Die russische Blechkokarde für die Schirmmütze der Mannschaften stellt ein bedeutendes Beispiel militärischer Kopfbedeckungsabzeichen aus dem Zarenreich dar. Diese lackierten Metallkokarden wurden von einfachen Soldaten und Unteroffizieren der kaiserlich-russischen Armee getragen und repräsentierten die Zugehörigkeit zum russischen Militär sowie die Loyalität zum Zaren.

Die Kokarde als militärisches Abzeichen hat in Russland eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Unter Peter dem Großen (1682-1725) wurden erstmals standardisierte Uniformen und Abzeichen in der russischen Armee eingeführt. Die charakteristischen russischen Farben Schwarz-Orange (später Schwarz-Gelb-Weiß) etablierten sich als nationale Kennzeichen und fanden ihren Ausdruck in den Kokarden.

Die hier beschriebene Blechkokarde wurde aus gestanztem Metallblech gefertigt und anschließend lackiert. Diese Fertigungsmethode war besonders für die Massenproduktion von Mannschaftskokarden geeignet, da sie kostengünstig und schnell herzustellen war. Im Gegensatz zu den aufwendigeren Offizierskokarden, die häufig aus besseren Materialien wie emailliertem Metall oder mit Silber- und Goldbeschlägen gefertigt wurden, waren die Mannschaftskokarden funktional und schlicht gestaltet.

Die typische russische Kokarde des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigte konzentrische Kreise in den Nationalfarben. Nach der Reform unter Zar Alexander II. (1855-1881) wurde die Farbkombination Schwarz-Orange-Weiß offiziell als Nationalfarben festgelegt. Diese Farben symbolisierten verschiedene Aspekte des russischen Reiches: Schwarz stand für den schwarzen Adler des Wappens, Orange (oder Gelb) für Gold als Symbol der Macht, und Weiß für Silber und Reinheit.

Die Befestigung dieser Kokarden erfolgte ursprünglich mittels Splinten (Drahtstiften), die durch die Mütze gesteckt und auf der Rückseite umgebogen wurden. Das Fehlen der Splinte bei diesem Exemplar deutet darauf hin, dass diese entweder im Laufe der Zeit verloren gingen oder dass die Kokarde zu einem späteren Zeitpunkt von der ursprünglichen Kopfbedeckung entfernt wurde. Dies ist bei historischen Militaria keine Seltenheit, da viele Abzeichen nach dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution von Uniformen entfernt und separat aufbewahrt wurden.

Die Schirmmütze (russisch: фуражка, Furaschka) war die Standard-Kopfbedeckung der russischen Armee für den Dienst- und Ausgehanzug. Sie wurde von allen Dienstgraden getragen, wobei sich die Ausführungen für Offiziere und Mannschaften in Qualität und Details unterschieden. Die Kokarde wurde zentral am Mützenkopf über dem Schirm angebracht und war somit gut sichtbar.

Der angegebene Zustand 2 entspricht nach gängiger Sammlerterminologie einem sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit nur leichten Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das wahrscheinlich aus der Zeit zwischen 1880 und 1917 stammt. Die Lackierung scheint weitgehend erhalten zu sein, was auf eine sorgfältige Aufbewahrung hindeutet.

Der historische Kontext dieser Kokarden wird besonders bedeutsam, wenn man die Umwälzungen betrachtet, die das russische Militär durchlebte. Mit der Februarrevolution 1917 und dem Sturz des Zaren endete die Tradition der kaiserlichen Kokarden. Die Provisorische Regierung behielt zunächst ähnliche Abzeichen bei, ersetzte jedoch nach der Oktoberrevolution die zaristischen Symbole durch kommunistische Embleme. Die alten Kokarden wurden systematisch entfernt und durch rote Sterne ersetzt.

Für Sammler und Historiker sind diese Kokarden wichtige Zeugnisse der militärischen Kultur des Zarenreichs. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigungstechniken und militärische Uniformvorschriften, sondern auch die symbolische Repräsentation staatlicher Macht. Die Tatsache, dass diese Objekte die turbulenten Jahre der Revolution und die sowjetische Zeit überdauert haben, macht sie zu wertvollen historischen Artefakten.

Die Erforschung solcher Militaria trägt zum Verständnis der russischen Militärgeschichte bei und ermöglicht Einblicke in den Alltag einfacher Soldaten des Zarenreichs. Jede Kokarde erzählt stumm die Geschichte eines Systems, das 1917 unterging, und erinnert an die Millionen von Soldaten, die diese Abzeichen mit einer Mischung aus Pflichtgefühl, Patriotismus und oft auch Resignation trugen.