Zaristisches Rußland großer Gardestern für den Kiwer Gardeinfanterie, Modell 1909

Ausführung für Mannschaften, um 1900. Versilberte Blechausführung, rückseitig an Splinten. Getragen, Zustand 2.
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Zaristisches Rußland großer Gardestern für den Kiwer Gardeinfanterie, Modell 1909

Der Garde-Stern des Kiewer Garde-Infanterieregiments stellt ein bedeutendes Beispiel der militärischen Auszeichnungen und Uniformabzeichen des Zaristischen Russlands dar. Diese spezielle Ausführung nach dem Modell 1909 verkörpert die lange Tradition der russischen Gardereservisten und ihrer besonderen Stellung innerhalb der kaiserlichen Armee.

Das Kiewer Garde-Infanterieregiment gehörte zu den prestigeträchtigsten Einheiten der russischen Streitkräfte. Es wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich zu einer der angesehensten Formationen der Garde-Infanterie. Die Garde-Regimenter unterschieden sich von regulären Linieneinheiten nicht nur durch ihre militärische Exzellenz, sondern auch durch ihre besondere Nähe zum Zaren und zum Hof. Mannschaften dieser Einheiten trugen spezielle Abzeichen, die ihre Zugehörigkeit zu diesen Eliteverbänden demonstrierten.

Die Mannschaftsausführung des Gardesterns, wie hier beschrieben, unterschied sich deutlich von den Offiziersversionen. Während Offiziere oft Sterne aus kostbareren Materialien wie vergoldetem Silber oder emailliertem Metall trugen, erhielten einfache Soldaten und Unteroffiziere versilberte Blechausführungen. Diese waren praktischer, kostengünstiger in der Herstellung und dennoch würdevoll genug, um die besondere Stellung der Garde zu repräsentieren.

Das Modell 1909 markiert eine wichtige Reform in der Uniformierung der russischen Armee. Unter Zar Nikolaus II. wurden mehrere Anpassungen an den Uniformvorschriften vorgenommen, um die militärische Tradition mit modernen Anforderungen zu verbinden. Die Einführung dieses Modells erfolgte in einer Zeit, in der das Russische Reich bereits mit wachsenden inneren Spannungen konfrontiert war, die schließlich in die Revolution von 1917 münden sollten.

Die technische Ausführung dieser Gardesterne folgte präzisen militärischen Vorschriften. Die rückseitige Befestigung an Splinten war typisch für Mannschaftsabzeichen dieser Epoche. Diese Befestigungsmethode ermöglichte es, den Stern sicher an der Uniform zu befestigen, gleichzeitig aber bei Bedarf auch wieder zu entfernen – etwa zur Reinigung oder beim Wechsel der Uniformteile.

Der Stern selbst war ein wichtiges Symbol in der russischen Militärikonographie. Sterne wurden traditionell mit Exzellenz, Führung und besonderer Auszeichnung assoziiert. Im Kontext der Garde-Infanterie symbolisierte der Stern die Elite-Stellung dieser Truppen und ihre direkte Verbindung zum Monarchen. Die Versilberung verlieh dem Abzeichen einen würdevollen Glanz, der auch bei einfachen Soldaten die Zugehörigkeit zu einer besonderen militärischen Formation verdeutlichte.

Die Datierung “um 1900” platziert dieses Stück in eine faszinierende Übergangszeit der russischen Geschichte. Das späte Zarenreich war geprägt von Modernisierungsbestrebungen einerseits und dem Festhalten an traditionellen Strukturen andererseits. Die Garde-Regimenter verkörperten beide Aspekte: Sie waren militärisch auf dem neuesten Stand, bewahrten aber gleichzeitig jahrhundertealte Traditionen und Zeremonien.

Das Kiewer Garde-Infanterieregiment hatte seinen Namen von der historischen Stadt Kiew, die als “Mutter der russischen Städte” eine besondere symbolische Bedeutung besaß. Diese Verbindung zu einer der ältesten und bedeutendsten Städte des russischen Reiches verlieh dem Regiment zusätzliches Prestige.

Solche Gardesterne wurden im Alltag auf verschiedenen Uniformteilen getragen, oft auf Schulterstücken oder an speziellen Positionen der Paradeuniformen. Sie dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch der Stärkung des Korpsgeistes und der militärischen Tradition. Jeder Soldat, der einen solchen Stern trug, war sich seiner besonderen Verantwortung und der Ehre bewusst, die mit der Zugehörigkeit zur Garde verbunden war.

Die Überlieferung solcher Objekte ist heute von großer historischer Bedeutung. Viele militärische Insignien und Abzeichen des Zaristischen Russlands gingen während der turbulenten Jahre der Revolution und des Bürgerkriegs verloren oder wurden bewusst zerstört. Erhaltene Exemplare wie dieser Gardestern sind daher wertvolle Zeugnisse einer untergegangenen Epoche und ermöglichen es modernen Historikern und Sammlern, die Militärgeschichte des Zarenreichs besser zu verstehen.

Der Zustand solcher historischer Militaria gibt oft auch Aufschluss über ihre tatsächliche Verwendung. Ein “getragener” Stern wie dieser zeigt, dass es sich nicht um ein reines Depotexemplar handelt, sondern um ein Abzeichen, das tatsächlich im Dienst verwendet wurde – ein direktes Verbindungsstück zur gelebten Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.