Bayern Degen für Staatsbeamte .

Zierliche zweischneidige Klinge ohne Hohlkehlen, beidseitig geätzt und gebläut, teils vergoldet, kleinere Flecken. Quartseitig mit Markierung des Herstellers (Kirschbaum). Vergoldetes Messing-Gefäß mit Löwenkopf und Löwenmotiv auf dem Stichblatt. Perlmutt-Griffschalen mit terzseitiger Auflage gekröntes "L" aus der Zeit Ludwigs II. Schwarze Lederscheide mit vergoldeten Messing-Beschlägen, kaum Altersspuren, jedoch um etwa 10mm geschrumpft. Sonst noch sehr schön erhalten. Zustand 2 
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1.300,00

Bayern Degen für Staatsbeamte .

Der bayerische Staatsbeamtendegen aus der Regierungszeit König Ludwigs II. (1864-1886) repräsentiert einen wichtigen Aspekt der monarchischen Verwaltungskultur im Königreich Bayern des 19. Jahrhunderts. Diese Waffe diente nicht primär militärischen Zwecken, sondern fungierte als Statussymbol und Amtsabzeichen höherer Beamter im bayerischen Staatsdienst.

Die Tradition, dass Staatsbeamte einen Degen als Teil ihrer Amtstracht trugen, wurzelt in der höfischen Kultur des Absolutismus. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich diese Praxis zu einem formalisierten System, das die hierarchische Ordnung der staatlichen Verwaltung sichtbar machte. Der Degen signalisierte die Zugehörigkeit zum Beamtenstand und unterstrich die Autorität des Trägers als Vertreter der königlichen Gewalt.

Das charakteristische Merkmal dieses Degens ist das gekrönte "L" auf der Griffschale, das eindeutig auf die Regierungszeit Ludwigs II. verweist. Ludwig II., der von 1864 bis zu seinem mysteriösen Tod 1886 regierte, ist heute vor allem für seine Schlossbauten bekannt, war aber auch Namensgeber für zahlreiche Uniformen, Waffen und Amtsinsignien seiner Epoche. Die Verwendung des Monogramms auf Staatsdegenwar üblich und kennzeichnete die Waffe als offizielles Amtsattribut.

Die Klinge zeigt die typischen Merkmale qualitätvoller deutscher Klingenproduktion des 19. Jahrhunderts: zweischneidig, geätzt und gebläut mit teilweiser Vergoldung. Diese aufwendige Dekoration war nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern demonstrierte auch den hohen Rang des Trägers. Die Ätzungen enthielten häufig bayerische Wappen, Staatssymbole oder Devisen.

Die Markierung des Herstellers Kirschbaum auf der Klingequart weist auf einen bekannten Solingener Produzenten hin. Solingen war seit dem Mittelalter das Zentrum der deutschen Klingenherstellung und belieferte im 19. Jahrhundert Höfe und Verwaltungen in ganz Europa. Die Solinger Klingenschmiede waren für ihre technische Präzision und künstlerische Gestaltung berühmt.

Das Gefäß aus vergoldetem Messing mit Löwenkopf und Löwenmotiv auf dem Stichblatt ist ebenfalls bedeutsam. Der Löwe ist das heraldische Tier Bayerns und erscheint im bayerischen Staatswappen. Seine Verwendung auf dem Degen unterstreicht den offiziellen Charakter der Waffe als staatliches Emblem. Die Perlmuttgriffschalen waren ein Zeichen besonderer Wertschätzung und kamen vor allem bei Degenwaffen für höhere Beamtenränge zum Einsatz.

Die schwarze Lederscheide mit vergoldeten Messingbeschlägen entspricht den Vorschriften für Staatsbeamtendegen. Schwarz war die traditionelle Farbe für zivile Amtsträger, im Gegensatz zu den oft farbigeren Scheiden militärischer Blankwaffen. Die Beschläge dienten nicht nur dem Schutz der Scheide, sondern waren ebenfalls mit dekorativen Elementen versehen, die den repräsentativen Charakter der Waffe unterstrichen.

Im bayerischen Staatsdienst des 19. Jahrhunderts war das Tragen des Degens an bestimmte Anlässe gebunden. Bei Hofempfängen, Staatsfeierlichkeiten und offiziellen Zeremonien gehörte der Degen zur vorgeschriebenen Amtstracht höherer Beamter. Die genauen Regelungen waren in königlichen Verordnungen und Uniformvorschriften festgelegt, die bestimmten, welche Beamtenränge zum Tragen des Degens berechtigt waren.

Die Qualität und Erhaltung dieses Exemplars lassen darauf schließen, dass es von einem höheren Beamten getragen wurde, der es sorgfältig pflegte. Die geringe Abnutzung deutet darauf hin, dass der Degen hauptsächlich zu repräsentativen Zwecken und weniger im täglichen Dienst getragen wurde. Dies entspricht der Praxis des späten 19. Jahrhunderts, als der Degen zunehmend zu einem rein zeremoniellen Objekt wurde.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 verlor der Staatsbeamtendegen seine offizielle Funktion. Die neue republikanische Ordnung verzichtete weitgehend auf solche monarchischen Statussymbole. Heute sind diese Degen wichtige Zeugnisse der bayerischen Verwaltungsgeschichte und der höfischen Kultur des 19. Jahrhunderts.

Sammler und Historiker schätzen bayerische Staatsbeamtendegen als hervorragende Beispiele deutscher Handwerkskunst und als materielle Zeugnisse der gesellschaftlichen Ordnung des Königreichs Bayern. Sie dokumentieren die enge Verbindung zwischen monarchischer Autorität und staatlicher Verwaltung, die für das 19. Jahrhundert charakteristisch war.