Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 für einen Angehörigen im Königlich Bayerischen 6. Chevaulegers-Regiment Prinz Albrecht von Preußen

Standort Bayreuth, um 1910. 84 cm lange und 2.7 cm breite vernickelte Klinge, die unter Hälfte der Klinge beidseitig geätzt, terzseitig großes gebläutes Paneel mit der Inschrift «6. Chev. Regt. Prinz Albrecht v. Preußen.», auf der Fehlschärfe m,it Herstellerzeichen von Carl Kaiser & Companie, quartseitig gebläutes Spruchband «Zur Erinnerung an meine Dienstzeit», die Vernicklung in der 0oberen Hälfte der Klinge mit kleinen Beschädigungen. Vernickeltes, beidseitig klappbares Gefäß mit dem bayerischen Löwen im Korb, schwarzer Kautschukgriff, dieser quartseitig mit einer kleinen Beschädigung. Brünierte Stahlscheide mit einem Ringband und starrem Tragering. Zustand 2.
456402
950,00

Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 für einen Angehörigen im Königlich Bayerischen 6. Chevaulegers-Regiment Prinz Albrecht von Preußen

Der bayerische Kavallerie-Extradegen Modell 1889 (KD 89) repräsentiert eine bedeutende Entwicklung in der Ausrüstung der königlich-bayerischen Kavallerie im späten Kaiserreich. Dieser Degen gehörte einem Angehörigen des Königlich Bayerischen 6. Chevaulegers-Regiments “Prinz Albrecht von Preußen”, das in Bayreuth stationiert war.

Das 6. Chevaulegers-Regiment wurde im Zuge der bayerischen Heeresreformen des 19. Jahrhunderts aufgestellt und trug den Ehrennamen des preußischen Prinzen Albrecht, was die enge militärische Verbindung zwischen Bayern und Preußen innerhalb des Deutschen Kaiserreiches widerspiegelte. Die Chevaulegers (vom französischen “cheval léger” - leichtes Pferd) bildeten die leichte Kavallerie Bayerns und waren für Aufklärung, Verfolgung und schnelle Operationen zuständig.

Der Extradegen unterschied sich vom regulären Dienstdegen dadurch, dass er von Offizieren und Unteroffizieren auf eigene Kosten erworben wurde. Diese Waffen waren häufig von höherer Qualität und individuell gestaltet, was den persönlichen Stolz und die Verbundenheit des Trägers mit seiner Einheit zum Ausdruck brachte. Die Ätzungen und Inschriften auf der Klinge - “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit” - unterstreichen den Charakter als persönliches Erinnerungsstück.

Die Klinge wurde von Carl Kaiser & Companie hergestellt, einem renommierten Solinger Hersteller von Blankwaffen, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreiche deutsche Militäreinheiten belieferte. Die Firma war bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Klingen und kunstvolle Ätzarbeiten. Die Vernicklung der Klinge war eine moderne Oberflächenbehandlung dieser Zeit, die Korrosionsschutz bot und ein glänzendes Erscheinungsbild gewährleistete.

Das Gefäß mit dem bayerischen Löwen im Korbschutz zeigt die typische bayerische Ikonographie. Der Löwe war das heraldische Symbol des Hauses Wittelsbach und der bayerischen Monarchie. Das beidseitig klappbare Gefäß war charakteristisch für Kavalleriedegen dieser Epoche und bot sowohl Schutz für die Hand als auch Flexibilität beim Tragen.

Die Zeit um 1910, in der dieser Degen entstand, war eine Phase relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich, aber auch wachsender internationaler Spannungen. Die bayerische Armee hatte ihre Eigenständigkeit innerhalb der deutschen Streitkräfte weitgehend bewahrt und unterhielt eigene Traditionen, Uniformen und Ausrüstung. Die Chevaulegers-Regimenter spielten eine wichtige Rolle in der bayerischen Militärstruktur und waren stolz auf ihre Geschichte und ihre Traditionen.

Der schwarze Kautschukgriff war eine praktische Neuerung der Zeit, die den älteren Leder- oder Holzgriffen überlegen war. Kautschuk bot besseren Halt, war witterungsbeständiger und leichter zu pflegen - wichtige Eigenschaften für eine Waffe, die bei allen Wetterbedingungen getragen werden musste.

Die brünierte Stahlscheide mit Ringband und starrem Tragering entsprach der Standardkonstruktion für Kavalleriedegen dieser Periode. Die Brünierung - eine chemische Schwarzfärbung des Stahls - bot Korrosionsschutz und reduzierte unerwünschte Lichtreflexe. Der starre Tragering ermöglichte das Tragen an der Uniform mittels einer Bandelier oder eines Degengehenks.

Extradegen wie dieser waren nicht nur funktionale Waffen, sondern auch Statussymbole und Ausdruck der militärischen Ehre. Die aufwendigen Ätzungen mit Regimentsbezeichnung und persönlichem Widmungstext machten jeden Degen zu einem Unikat. Nach der Dienstzeit wurden solche Waffen oft als wertvolle Familienerbstücke bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben.

Das 6. Chevaulegers-Regiment sollte wenige Jahre nach der Entstehung dieses Degens im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kommen, wo die traditionelle Kavallerie allerdings zunehmend an Bedeutung verlor. Die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und später Panzern machte die klassischen Kavallerieattacken obsolet. Dennoch blieb die symbolische Bedeutung solcher Waffen bestehen.

Heute sind bayerische Kavallerie-Extradegen begehrte Sammlerstücke, die einen faszinierenden Einblick in die Militärgeschichte des Königreichs Bayern und des Deutschen Kaiserreichs bieten. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung der Blankwaffenherstellung, sondern auch die militärischen Traditionen, die soziale Struktur der Armee und die persönliche Verbundenheit der Soldaten mit ihrer Einheit.