K.u.K.-Monarchie Dienstrock aus dem Besitz des Generalmajors Klarner

Eigentumsstück 1905. Der Rock aus feinem weißem Tuch mit doppelter Knopfreihe mit je acht vergoldeten Knöpfen, roter Stehkragen, Ärmelaufschläge und Vorstöße an den Rockkanten, der Stehkragen und die Aufschläge mit breiter Goldborte, am Kragen je einer silbern gestickter Rangstern für den Generalmajor, auf der Schulter oben links aufgenähte Schnur für Orden/Ehrenzeichen. Das Tuch mit kleinen Flecken. Innen mit weißem Seidenfutter, dieses im Nackenbereich und Achseln verschlissen, unterhalb der Brusttasche Schneideretikett "K.u.K. Hoflieferanten Wilh. Beck & Söhne Wien, VIII. Lange Gasse 1", in der Brusttasche weiteres Etikett "Wilhelm Beck & Söhne ... Gen. Klarner 13/2 05 ...". Zustand 2-.

General Karl Chiesa di Locca von Klarner wurde am 25. 11. geboren. Am 1.5.1905 wurde er zum Generalmajor befördert und am 1.5.1907 pensioniert. Er starb am 18.5.1909. (Österreichisches Staatsarchiv Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816-1918)


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K.u.K.-Monarchie Dienstrock aus dem Besitz des Generalmajors Klarner

Der vorliegende Dienstrock eines Generalmajors der k.u.k. Armee aus dem Jahr 1905 repräsentiert die militärische Pracht und hierarchische Ordnung der österreichisch-ungarischen Monarchie in ihrer späten Blütezeit. Dieses Uniformstück gehörte Generalmajor Karl Chiesa di Locca von Klarner und wurde von der renommierten Wiener Firma Wilhelm Beck & Söhne angefertigt, die als k.u.k. Hoflieferanten das Vertrauen der höchsten militärischen Kreise genossen.

Die Adjustierungsvorschrift von 1868, mehrfach überarbeitet und ergänzt, legte für die österreichisch-ungarische Armee detailliert fest, wie Uniformen der verschiedenen Dienstgrade und Waffengattungen auszusehen hatten. Der weiße Rock war charakteristisch für die gehobene Offiziersklasse und unterschied sich deutlich von den feldgrauen oder dunkelblauen Uniformen niedrigerer Ränge. Die doppelreihige Knöpfung mit je acht vergoldeten Knöpfen entsprach der Tradition der Generalsuniform und symbolisierte den hohen Rang des Trägers.

Besonders bemerkenswert sind die Rangabzeichen des Generalmajors: Die silbern gestickten Rangsterne am roten Stehkragen waren eindeutige Kennzeichen dieses Dienstgrades. Die breite Goldborte an Kragen und Ärmelaufschlägen unterstrich den Generalsstatus. Das Farbschema – weißes Tuch mit roten Vorstößen und Kragen – war typisch für die Friedensuniform höherer Offiziere der gemeinsamen Armee der Doppelmonarchie.

Die Firma Wilhelm Beck & Söhne mit Sitz in der Langen Gasse 1 im achten Wiener Gemeindebezirk zählte zu den führenden Militärschneidern der Monarchie. Der Titel “k.u.k. Hoflieferant” war keine bloße Werbeaussage, sondern ein offiziell verliehenes Prädikat, das höchste handwerkliche Qualität und Zuverlässigkeit garantierte. Solche Uniformen wurden nach Maß gefertigt, wobei jedes Detail den strengen Vorschriften entsprechen musste. Das erhaltene Schneideretikett mit Datum “13/2 05” (13. Februar 1905) dokumentiert die Anfertigung wenige Monate vor Klarners Beförderung zum Generalmajor am 1. Mai 1905.

Die Beförderungspraxis der k.u.k. Armee folgte strengen Regeln. Die Ernennung zum Generalmajor erfolgte durch den Kaiser persönlich und markierte den Eintritt in die Generalität. Mit dieser Beförderung ging die Berechtigung einher, die entsprechende Uniform mit ihren spezifischen Rangabzeichen zu tragen. Die aufgenähte Schnur auf der linken Schulter diente zur Befestigung von Orden und Ehrenzeichen – eine Praxis, die bei höheren Offizieren üblich war, die typischerweise zahlreiche Auszeichnungen für ihre Dienstjahre erhalten hatten.

Der soziale Status eines Generalmajors in der Donaumonarchie war beträchtlich. Diese Offiziere gehörten zur militärischen Elite und verkehrten in den höchsten Kreisen der Gesellschaft. Die Uniform diente nicht nur als Dienstkleidung, sondern auch als Statussymbol bei gesellschaftlichen Anlässen, Hofbällen und offiziellen Empfängen. Das feine weiße Tuch und die kostbare Goldborte spiegelten diesen repräsentativen Charakter wider.

Das Jahr 1905, in dem diese Uniform angefertigt wurde, war eine Zeit relativer Stabilität für die Monarchie, doch bereits von inneren Spannungen geprägt. Die nationale Frage, insbesondere die ungarischen Verfassungskonflikte, stellte die Einheit der Doppelmonarchie auf die Probe. Die Armee galt als eine der wenigen wirklich verbindenden Institutionen des Vielvölkerstaates. Die gemeinsame Uniform symbolisierte diese Einheit über ethnische und sprachliche Grenzen hinweg.

Die Materialwahl – feines weißes Tuch und Seidenfutter – zeigt den hohen handwerklichen und materiellen Aufwand. Solche Uniformen waren kostspielig und mussten vom Offizier selbst bezahlt werden. Dies war nur möglich, weil Generalspositionen in der Regel von Angehörigen des Adels oder des wohlhabenden Bürgertums bekleidet wurden.

Der erhaltene Zustand mit Gebrauchsspuren – Flecken auf dem Tuch, verschlissenes Futter im Nacken- und Achselbereich – zeugt davon, dass diese Uniform tatsächlich getragen wurde. Sie war kein reines Paradestück, sondern diente ihrem Zweck als Dienstuniform. Die kurze Dienstzeit Klarners als Generalmajor (1905-1907) erklärt, dass die Uniform nicht stärker abgenutzt ist.

Heute sind solche originalen Generalsuniformen der k.u.k. Monarchie seltene Zeugnisse einer untergegangenen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur militärische Hierarchien und Kleiderordnungen, sondern auch das handwerkliche Können der Hoflieferanten, die soziale Ordnung der späten Habsburgermonarchie und die Repräsentationskultur einer Armee, die sich noch wenige Jahre vor ihrem Untergang im Ersten Weltkrieg in traditionellem Glanz präsentierte.