Miniatur bzw. Brieföffner, Preußen Infanterie Offiziersdegen (IOD) 89 .

Recht einfache Fertigung mit vernickelter Klinge, ohne Herstellerangabe, einteiliges Messinggefäß, das Griffstück schwarz lackiert, vernickelte Scheide mit zwei Trageringen, Alters- und Gebrauchsspuren. Zustand 2-
450903
180,00

Miniatur bzw. Brieföffner, Preußen Infanterie Offiziersdegen (IOD) 89 .

Der preußische Infanterie-Offiziersdegen Modell 1889 (kurz IOD 89) stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung der preußischen und später deutschen Militärausrüstung dar. Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um eine Miniaturausführung beziehungsweise einen Brieföffner, der die charakteristischen Merkmale des historischen Originals nachbildet.

Das Modell 1889 wurde durch die Allerhöchste Kabinetts-Order (AKO) vom 18. Dezember 1889 als einheitlicher Offiziersdegen für die gesamte preußische Infanterie eingeführt. Diese Standardisierung ersetzte die bisherigen unterschiedlichen Degenformen und sollte eine einheitliche Ausrüstung für alle Infanterieoffiziere schaffen. Der Degen blieb bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 in Gebrauch und wurde auch in der Reichswehr der Weimarer Republik weitergetragen.

Die historischen Originale des IOD 89 zeichneten sich durch spezifische konstruktive Merkmale aus: eine gerade, zweischneidige Klinge von etwa 80 Zentimeter Länge, ein charakteristisches Messinggefäß mitÜgelbügel und durchbrochenem Stichblatt, sowie einen schwarzlackierten Holzgriff mit Wicklung. Die Parierstange war typischerweise vernietet, und die Scheide bestand aus geschwärztem Stahlblech mit zwei Trageringen zur Befestigung am Bandelier.

Die vorliegende Miniatur reproduziert diese typischen Gestaltungsmerkmale in verkleinerter Form. Solche Miniaturen und Brieföffner wurden seit dem späten 19. Jahrhundert als Andenken, Souvenirs oder dekorative Gegenstände gefertigt. Sie waren bei Veteranen, Militärsammlern und patriotisch gesinnten Bürgern beliebt und dienten als Erinnerungsstücke an die Militärzeit oder als Zeichen der Verbundenheit mit dem preußischen Militärwesen.

Die Fertigung des beschriebenen Objekts ist bewusst einfach gehalten. Die vernickelte Klinge und das einteilige Messinggefäß mit schwarz lackiertem Griffstück entsprechen einer kostengünstigen Produktionsweise, wie sie für solche Andenkenartikel typisch war. Das Fehlen einer Herstellerangabe ist nicht ungewöhnlich, da viele kleinere Metallwarenbetriebe in Solingen, Suhl oder anderen Zentren der deutschen Klingenindustrie derartige Artikel als Massenware produzierten, oft ohne ihre Marke anzubringen.

Die vernickelte Scheide mit zwei Trageringen imitiert die Konstruktion der Originalscheide, wobei die Vernicklung anstelle der ursprünglichen Brünierung eine weitere Vereinfachung darstellt. Diese Behandlung war bei Miniaturausführungen üblich und bot einen gewissen Korrosionsschutz bei geringeren Kosten.

Solche Militaria-Miniaturen hatten im wilhelminischen Deutschland und auch in der Weimarer Republik eine besondere Bedeutung. Sie dokumentieren die Militarisierung der Gesellschaft und die besondere Stellung, die Offiziere und das Militärwesen in der öffentlichen Wahrnehmung einnahmen. Nach dem Ersten Weltkrieg dienten sie vielfach als Erinnerungsstücke an eine vergangene Epoche.

Aus sammlertechnischer Sicht stellen solche Objekte interessante Zeugnisse der populären Militärkultur dar. Sie sind wesentlich häufiger als originale Offiziersdegen und wurden in großen Stückzahlen produziert. Ihr historischer Wert liegt weniger in der militärischen Verwendung als vielmehr in ihrer Bedeutung als Kulturgut, das die gesellschaftliche Rezeption militärischer Symbolik dokumentiert.

Die beschriebenen Alters- und Gebrauchsspuren sind authentisch für ein Objekt, das vermutlich zwischen den 1890er Jahren und der Zwischenkriegszeit gefertigt wurde. Die Abnützung der Vernickelung, mögliche Oxidationsspuren am Messing und die Beanspruchung der Lackierung am Griff sind typische Alterungserscheinungen, die die Authentizität des Objekts unterstreichen.

Zusammenfassend repräsentiert diese Miniatur ein charakteristisches Beispiel für die populäre Militaria-Produktion der Zeit zwischen 1890 und 1930. Sie verbindet handwerkliche Tradition mit massenproduzierter Andenkenkultur und dokumentiert die besondere Rolle, die militärische Symbole in der deutschen Gesellschaft dieser Epoche spielten.