Preußen tragbare Schießauszeichnung des Infanterie-Regiment Herwarth v. Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 "Dem besten Schützen 1909"

Standort Münster. Silberne Medaille, Durchmesser30 mm, am patriotischen Band, Zustand 2.
446005
150,00

Preußen tragbare Schießauszeichnung des Infanterie-Regiment Herwarth v. Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 "Dem besten Schützen 1909"

Die Schießauszeichnung des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 aus dem Jahr 1909 repräsentiert eine bedeutende Tradition des preußischen Militärwesens im späten Kaiserreich. Diese silberne Medaille mit einem Durchmesser von 30 mm wurde dem besten Schützen des Regiments verliehen und dokumentiert die hohe Bedeutung, die der Schießausbildung in der preußischen Armee beigemessen wurde.

Das Infanterie-Regiment Nr. 13 trug seinen Namen nach dem preußischen General Hans Karl von Herwarth von Bittenfeld (1796-1884), einem angesehenen Militärführer der preußischen Armee, der in den Einigungskriegen eine bedeutende Rolle spielte. Das Regiment war in Münster in Westfalen stationiert, einer wichtigen Garnisonsstadt des preußischen Militärbezirks. Als westfälisches Regiment gehörte es zum VII. Armeekorps und hatte eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte.

Die Verleihung von Schießauszeichnungen war im preußischen Heer seit der Mitte des 19. Jahrhunderts institutionalisiert. Nach den Erfahrungen der napoleonischen Kriege und den technischen Entwicklungen der Gewehrtechnik erkannte die preußische Militärführung die entscheidende Bedeutung der individuellen Schießfertigkeit für die Kampfkraft der Truppe. Die Einführung gezogener Gewehre und später des Repetiergewehrs Gewehr 98 machte den einzelnen Infanteristen zu einem weitaus effektiveren Kämpfer, sofern er seine Waffe beherrschte.

Im Jahr 1909, als diese Auszeichnung verliehen wurde, befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung. Die politischen Spannungen in Europa nahmen zu, und die Generalstäbe aller Großmächte bereiteten sich auf einen möglichen Konflikt vor. Die preußische Armee, die das Rückgrat der deutschen Streitkräfte bildete, legte größten Wert auf die Ausbildung ihrer Soldaten. Regelmäßige Schießübungen und Wettkämpfe gehörten zum festen Bestandteil des Dienstbetriebs.

Die Medaille wurde am sogenannten patriotischen Band getragen, welches die Farben Preußens - Schwarz und Weiß - aufwies. Diese Farbkombination symbolisierte die Zugehörigkeit zur preußischen Krone und war bei militärischen Auszeichnungen weit verbreitet. Die Herstellung solcher Medaillen erfolgte in der Regel durch spezialisierte Militäreffektenfabriken, die für die verschiedenen Regimenter individuelle Auszeichnungen prägten.

Jedes Regiment der preußischen Armee hatte das Recht, eigene Regimentsauszeichnungen zu stiften und zu verleihen. Diese waren zwar keine staatlichen Orden, genossen aber innerhalb der militärischen Gemeinschaft hohes Ansehen. Die Verleihung erfolgte üblicherweise im Rahmen einer feierlichen Zeremonie, oft am Jahrestag eines bedeutenden Ereignisses aus der Regimentsgeschichte oder am Geburtstag des Regimentschefs.

Die Vergabe der Auszeichnung “Dem besten Schützen” basierte auf den Ergebnissen der jährlichen Schießwettbewerbe, bei denen die Soldaten ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen mussten. Diese Wettkämpfe umfassten verschiedene Disziplinen: Schießen auf unterschiedliche Entfernungen, aus verschiedenen Positionen und unter zeitlichem Druck. Die Bewertung erfolgte nach einem strengen Punktesystem, das in den militärischen Dienstvorschriften festgelegt war.

Das Infanterie-Regiment Nr. 13 hatte während seiner Geschichte an zahlreichen Feldzügen teilgenommen. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon, im Deutschen Krieg von 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hatte sich das Regiment ausgezeichnet. Diese Tradition verpflichtete die Soldaten zu besonderer Leistung und machte eine solche Auszeichnung umso ehrenhafter.

Die Größe von 30 mm Durchmesser war für Schießauszeichnungen dieser Art typisch. Sie waren so dimensioniert, dass sie an der Uniform getragen werden konnten, ohne zu aufdringlich zu wirken, aber dennoch als Zeichen besonderer Leistung erkennbar waren. Die Verwendung von Silber als Material unterstrich den Wert der Auszeichnung und war bei militärischen Ehrenzeichen dieser Kategorie üblich.

Nur fünf Jahre nach der Verleihung dieser Auszeichnung begann der Erste Weltkrieg, in dem das Infanterie-Regiment Nr. 13 schwere Verluste erlitt. Viele der Soldaten, die solche Friedensauszeichnungen erhalten hatten, mussten ihre im Training erworbenen Fähigkeiten in den Schützengräben Frankreichs und Belgiens unter Beweis stellen. Die Schießausbildung, die durch solche Auszeichnungen gefördert wurde, erwies sich in den ersten Monaten des Krieges als wertvoll, bevor der Konflikt in den zermürbenden Stellungskrieg überging.

Heute sind solche Regimentsauszeichnungen wichtige militärhistorische Dokumente, die Einblick in das alltägliche Leben der preußischen Armee vor dem Ersten Weltkrieg geben. Sie bezeugen die Bedeutung, die militärischer Excellence und individuellem Können beigemessen wurde, und sind Zeugnisse einer Militärkultur, die großen Wert auf Tradition, Ehre und Leistung legte.

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