Zaristisches Rußland - Buch " Russie " über die russische Armee

Le " Gotha illustre " Paris, um 1910, in französischer Sprache, reich bebilderte Geschichte mit Wissenswertem über die Zarenfamile, das Militär, Orden, Geld und mehr, mit 6 Farbtafeln lose eingelegt, gebunden broschiert, Zustand 2.
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400,00

Zaristisches Rußland - Buch " Russie " über die russische Armee

Das vorliegende Werk stellt ein faszinierendes Beispiel französischer Militärpublizistik aus der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg dar. Die Veröffentlichung aus der Reihe “Le Gotha illustré”, die um 1910 in Paris erschien, widmete sich der umfassenden Darstellung des russischen Zarenreiches mit besonderem Fokus auf militärische Aspekte.

In den Jahren vor 1914 bestand in Frankreich ein erhebliches Interesse an Russland, das seit der Französisch-Russischen Allianz von 1894 zum wichtigsten Verbündeten der Dritten Republik geworden war. Diese militärische und diplomatische Annäherung machte detaillierte Kenntnisse über das Zarenreich, seine Streitkräfte und seine Herrscherfamilie für die französische Öffentlichkeit und militärische Kreise von großer Bedeutung. Publikationen wie diese erfüllten nicht nur einen informativen Zweck, sondern dienten auch der Festigung der Entente-Politik.

Die Reihe “Le Gotha illustré” bezog sich auf den berühmten Almanach de Gotha, der seit 1763 als maßgebliches genealogisches Nachschlagewerk für europäische Fürstenhäuser galt. Die illustrierte Version erweiterte diesen Ansatz durch reichhaltiges Bildmaterial und detaillierte Informationen über die militärischen Strukturen, Orden und staatlichen Institutionen der behandelten Länder.

Die Zarenfamilie stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter Zar Nikolaus II., der 1894 den Thron bestiegen hatte. Die französische Öffentlichkeit verfolgte mit großem Interesse das Leben der Romanow-Dynastie, insbesondere nach der dramatischen Revolution von 1905, die das Zarenreich erschüttert hatte. Werke wie dieses boten detaillierte Einblicke in die Hierarchie des Hofes, die Thronfolge und die zeremoniellen Aspekte der Autokratie.

Besonders wertvoll sind die im Buch enthaltenen Informationen über die russische Armee, die zu dieser Zeit als eine der größten Landstreitkräfte der Welt galt. Mit mehreren Millionen Soldaten und einer komplexen Organisationsstruktur bildete die Armee das Rückgrat der russischen Macht. Die französischen Militärplaner waren besonders an der Kampfkraft und Mobilisierungsfähigkeit ihrer russischen Verbündeten interessiert, da im Falle eines Krieges mit den Mittelmächten (Deutschland und Österreich-Ungarn) Russland eine zweite Front im Osten eröffnen sollte.

Die eingelegten Farbtafeln – sechs an der Zahl – stellen eine besondere Kostbarkeit dar. In einer Zeit vor der Farbfotografie waren solche lithographisch hergestellten Bildtafeln aufwendig in der Produktion und erhöhten den Wert einer Publikation erheblich. Sie zeigten typischerweise Uniformen verschiedener Regimenter, Flaggen, Ordensinsignien und möglicherweise Porträts der Zarenfamilie. Die Uniformkunde der russischen Armee war besonders komplex, da sie eine Vielzahl von Garderegimentern, Linieninfanterie, Kavallerie und spezialisierte Einheiten umfasste, jede mit ihren eigenen Distinktionsmerkmalen.

Das russische Ordenswesen, das im Buch behandelt wird, zählte zu den ältesten und prestigeträchtigsten Europas. Der Andreas-Orden (1698), der Alexander-Newski-Orden (1725), der Weiße Adler-Orden und der St. Georgs-Orden für militärische Tapferkeit bildeten eine komplexe Hierarchie von Auszeichnungen. Für französische Leser war dies von besonderem Interesse, da viele französische Offiziere und Diplomaten mit russischen Orden ausgezeichnet worden waren.

Die Informationen über das russische Währungssystem mit dem Rubel als Hauptwährung waren für wirtschaftliche und militärische Planungen relevant. Die massive französische Kapitalinvestition in Russland – französische Banken waren die Hauptkreditgeber des Zarenreiches – machte solche praktischen Informationen für Geschäftsleute und Investoren wertvoll.

Der Einband als Broschur (geheftete Bindung) war für Publikationen dieser Art typisch und ermöglichte einen relativ günstigen Verkaufspreis, während die lose eingelegten Tafeln vor Beschädigung durch häufiges Aufschlagen geschützt waren. Diese Form der Präsentation erlaubte es Sammlern auch, die Tafeln separat zu rahmen oder in Alben zu integrieren.

Aus heutiger Sicht besitzt ein solches Werk mehrfachen historischen Wert: Es dokumentiert nicht nur den Zustand des Zarenreiches kurz vor seinem Untergang im Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution von 1917, sondern zeigt auch, wie Russland von seinen französischen Verbündeten wahrgenommen wurde. Die idealisierende Darstellung der Zarenherrschaft und der militärischen Macht ignorierte die tiefgreifenden sozialen Probleme und Schwächen, die nur wenige Jahre später zum Zusammenbruch der Romanow-Dynastie führen sollten.

Für Sammler militärhistorischer Literatur und Experten für das Zarenreich stellt ein solches Werk eine wichtige Primärquelle dar, die Einblick in die militärische Kultur, die diplomatischen Beziehungen und das öffentliche Interesse der Belle Époque an der letzten Phase des imperialen Russland bietet.