Frankreich farbig bemalte Holztafel "französischer Soldat des Ancien Régime"

Um 1900. Wohl aus einem Wirtshaus oder Bistro. Maße 49.5 x 68 cm, die Holztafel ca. 2 cm dick. Zustand 2.

Sehr dekorativ! 

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180,00

Frankreich farbig bemalte Holztafel "französischer Soldat des Ancien Régime"

Diese um 1900 entstandene bemalte Holztafel stellt einen französischen Soldaten des Ancien Régime dar und verkörpert eine faszinierende Tradition der militärischen Volkskunst, die in Europa um die Wende zum 20. Jahrhundert eine besondere Blütezeit erlebte. Solche dekorativen Tafeln waren typische Ausstattungsstücke französischer Wirtshäuser, Bistros und Restaurants, die durch ihre patriotische Ikonographie eine Atmosphäre nationaler Identität und historischen Stolzes schufen.

Das Ancien Régime, die Bezeichnung für die französische Monarchie vor der Revolution von 1789, repräsentiert eine Epoche, in der Frankreich eine der führenden Militärmächte Europas war. Die französische Armee dieser Zeit zeichnete sich durch ihre bunten, prächtigen Uniformen aus, die nicht nur praktischen, sondern vor allem repräsentativen Zwecken dienten. Die königlichen Regimenter trugen charakteristische weiße Röcke, die zur Erkennungsmarke der französischen Infanterie wurden, während die verschiedenen Einheiten durch unterschiedliche Abzeichen, Aufschläge und Verzierungen voneinander unterschieden wurden.

Die Entstehungszeit dieser Tafel um 1900 ist historisch besonders bedeutsam. Frankreich befand sich in der Belle Époque, einer Periode relativen Friedens und wirtschaftlichen Wohlstands, die gleichzeitig von einem wachsenden Nationalismus geprägt war. Die demütigende Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Verlust von Elsass-Lothringen hatten ein verstärktes Bedürfnis nach nationaler Selbstvergewisserung geschaffen. Die Rückbesinnung auf die glorreiche militärische Vergangenheit des Ancien Régime diente der Stärkung des nationalen Selbstbewusstseins.

Solche Holztafeln wurden typischerweise von lokalen Handwerkern oder spezialisierten Schildermalern gefertigt. Die Technik umfasste das Grundieren der etwa 2 cm dicken Holzplatte, das Aufzeichnen der Figur und schließlich die farbige Bemalung mit Öl- oder Emailfarben. Die robusten Maße von knapp 50 x 68 cm machten diese Tafeln zu eindrucksvollen Wanddekorationen, die auch in rauchigen, belebten Gaststätten ihre Wirkung nicht verfehlten.

Die Darstellung von Soldaten des Ancien Régime in der Kunst und im Kunsthandwerk um 1900 war Teil einer breiteren Bewegung der Historienmalerei und des historischen Romantismus. Künstler wie Édouard Detaille und Alphonse de Neuville hatten durch ihre detaillierten Militärgemälde das öffentliche Interesse an historischen Uniformen und Schlachtenszenen geweckt. Diese akademische Tradition beeinflusste auch die Volkskunst und führte zu einer Vielzahl von dekorativen Objekten mit militärischen Motiven.

In französischen Wirtshäusern und Bistros erfüllten solche Tafeln mehrere Funktionen. Sie dienten nicht nur der Dekoration, sondern schufen auch eine spezifische Atmosphäre, die Tradition, Männlichkeit und patriotische Gesinnung vermittelte. Viele dieser Etablissements trugen Namen mit militärischem Bezug wie “Au Vieux Soldat” oder “Le Grenadier”, und die entsprechende Ausstattung unterstrich diese thematische Ausrichtung.

Die handwerkliche Qualität solcher Tafeln variierte erheblich. Während einige von professionellen Schildermalern mit beachtlichem künstlerischem Geschick ausgeführt wurden, stammten andere aus der Hand begabter Amateure. Die Authentizität der Uniformdarstellung reichte von historisch akkuraten Wiedergaben, die auf zeitgenössischen Quellen und Regelwerken basierten, bis zu stark vereinfachten oder romantisierten Interpretationen.

Der Sammlerwert solcher Objekte hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Sie werden heute als wichtige Zeugnisse der materiellen Kultur und der Mentalitätsgeschichte geschätzt. Für Militärhistoriker bieten sie Einblicke in die Rezeption und Popularisierung militärischer Geschichte, während Kulturhistoriker sie als Beispiele für die Ausstattung öffentlicher Räume und die Konstruktion nationaler Identität analysieren.

Die Erhaltung solcher Holztafeln über mehr als ein Jahrhundert hinweg ist bemerkenswert, da sie ursprünglich als Gebrauchsgegenstände in stark frequentierten öffentlichen Räumen dienten. Viele gingen durch Kriegseinwirkung, insbesondere während der beiden Weltkriege, oder durch schlichte Vernachlässigung verloren. Die überlebenden Exemplare sind daher umso wertvoller als historische Dokumente einer vergangenen Epoche der visuellen und materiellen Kultur.

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