III. Reich nichttragbare Siegerplakette für weibliche Athleten "Siegerin bei den Leichtathletik Meisterschaften des Gauverbandes-West (W.S.V.) Gau X Fünfkampf"
Die vorliegende Siegerplakette aus der Zeit des Dritten Reiches repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der organisierten Sportbewegung für Frauen während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945. Diese rechteckige Bronzeplakette mit den Maßen 9 x 8,5 cm wurde als Auszeichnung für die Siegerin im Fünfkampf bei den Leichtathletik-Meisterschaften des Gauverbandes-West (W.S.V.) Gau X verliehen.
Der organisierte Sport spielte im nationalsozialistischen Deutschland eine zentrale Rolle in der Gesellschaftspolitik. Nach der Gleichschaltung aller Sportverbände ab 1933 wurde der gesamte deutsche Sport unter der Kontrolle des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) zusammengefasst, der später in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) umgewandelt wurde. Die Gliederung erfolgte nach dem Gau-Prinzip, wobei das Deutsche Reich in verschiedene Gaue aufgeteilt wurde, die jeweils eigene Sportverbände unterhielten.
Der Westdeutsche Sportverband (W.S.V.) war einer dieser regionalen Verbände, der für die Organisation und Durchführung von Sportwettkämpfen in seinem Zuständigkeitsbereich verantwortlich war. Die Bezeichnung “Gau X” verweist auf eine spezifische administrative Einheit innerhalb dieser Struktur. Solche Gaumeisterschaften bildeten eine wichtige Ebene im hierarchischen Wettkampfsystem, das von lokalen Vereinsmeisterschaften über Gaumeisterschaften bis zu den Deutschen Meisterschaften reichte.
Der Fünfkampf für Frauen war eine etablierte Disziplin in der Leichtathletik jener Zeit. Dieser Mehrkampf umfasste typischerweise fünf verschiedene leichtathletische Disziplinen, die an einem oder mehreren Wettkampftagen absolviert werden mussten. Die genaue Zusammensetzung konnte variieren, beinhaltete aber üblicherweise eine Kombination aus Lauf-, Sprung- und Wurfdisziplinen. Der Fünfkampf galt als besondere Herausforderung, da er vielseitige athletische Fähigkeiten erforderte.
Die Rolle des Frauensports im Dritten Reich war ambivalent. Einerseits propagierte das NS-Regime ein traditionelles Frauenbild, das die Rolle der Frau primär als Mutter und Hausfrau definierte. Andererseits wurde körperliche Ertüchtigung auch für Frauen gefördert, allerdings mit dem Ziel, gesunde und kräftige Mütter für die “Volksgemeinschaft” heranzubilden. Der Frauensport wurde gezielt für propagandistische Zwecke eingesetzt, insbesondere bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, wo deutsche Athletinnen internationale Erfolge feierten.
Die nichttragbare Plakette unterscheidet sich von tragbaren Medaillen oder Ehrenzeichen. Solche Plaketten wurden typischerweise in einer Schatulle oder einem Etui überreicht und dienten als dauerhaftes Erinnerungsstück an sportliche Erfolge. Die Fertigung in Bronze war für Sportauszeichnungen dieser Zeit üblich und entsprach den gängigen Standards für Siegerehrungen unterhalb der höchsten Meisterschaftsebene. Gold wurde meist für Deutsche Meisterschaften reserviert, während Silber und Bronze für regionale Meisterschaften verwendet wurden.
Die künstlerische Gestaltung solcher Plaketten folgte häufig den ästhetischen Vorgaben der Zeit, die von einem monumentalen, heroischen Stil geprägt waren. Typische Motive umfassten stilisierte Athletenfiguren, Hoheitszeichen des Deutschen Reiches, oder symbolische Darstellungen sportlicher Disziplinen. Die rechteckige Form war für Wandplaketten oder Tischaufsteller charakteristisch.
Die historische Einordnung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Während sie einerseits individuelle sportliche Leistungen dokumentieren, sind sie andererseits untrennbar mit dem System des Nationalsozialismus verbunden, das Sport systematisch für ideologische und propagandistische Zwecke instrumentalisierte. Der organisierte Sport wurde zu einem Werkzeug der Volksgemeinschaftsideologie und diente der körperlichen Ertüchtigung im Sinne der NS-Rassenlehre und Wehrhaftmachung.
Nach 1945 wurden solche Auszeichnungen im Rahmen der Entnazifizierung kritisch betrachtet. Viele Sportauszeichnungen aus der NS-Zeit wurden nicht mehr öffentlich zur Schau gestellt, behielten aber als historische Dokumente ihren Wert für die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Epoche. Heute sind sie wichtige Zeugnisse für die Sportgeschichte und die Alltagskultur des Dritten Reiches und werden in Museen, Archiven und Sammlungen bewahrt, um die Geschichte dieser Zeit umfassend zu dokumentieren und zu erforschen.