Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück feldgrau für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Nr. 190
Das Regiment wurde Mitte 1915 vom VII. Armeekorps aufgestellt.
Das vorliegende Schulterstück eines preußischen Leutnants des Infanterie-Regiments Nr. 190 stellt ein authentisches Zeugnis der deutschen Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs dar. Diese feldgraue Einzelepaulette stammt aus der Zeit um 1917/18 und verkörpert die materielle Kultur einer Armee im totalen Krieg.
Das Infanterie-Regiment Nr. 190 wurde Mitte 1915 vom VII. Armeekorps aufgestellt, dessen Heimatgarnisonen sich in der preußischen Provinz Westfalen befanden, mit dem Korpsstab in Münster. Die Aufstellung zusätzlicher Regimenter mit höheren Nummern erfolgte im Rahmen der massiven Heeresvergrößerung, die das Deutsche Reich nach Beginn des Stellungskrieges und den hohen Verlusten der ersten Kriegsmonate durchführte. Diese neuen Formationen waren notwendig, um die ausgedehnten Fronten im Osten und Westen zu halten und die erlittenen personellen Verluste auszugleichen.
Die Schulterstücke (auch Achselstücke oder Schulterklappe genannt) dienten in der preußischen und deutschen Armee als wesentliches Erkennungsmerkmal zur Identifikation von Regiment, Waffengattung und Dienstgrad. Seit der Uniformreform von 1842 waren sie fester Bestandteil der preußischen Militäruniform. Die vorliegende Ausführung in feldgrau entspricht der ab 1907/1910 eingeführten neuen Felduniform, die das traditionelle preußische Blau ablöste und eine bessere Tarnung im modernen Gefechtsfeld ermöglichen sollte.
Für einen Leutnant als niedrigsten Offiziersrang war das Schulterstück charakteristisch gestaltet: Die Grundfarbe feldgrau entsprach der Waffenfarbe der Infanterie, die seit der Einführung der feldgrauen Uniform keine farbigen Unterscheidungen mehr aufwies. Die Regimentsnummer "190" war in der Regel in arabischen Ziffern aufgestickt oder aufgenäht. Der Offiziersrang wurde durch die Ausführung in Metall oder mit metallischen Elementen sowie durch die charakteristische Schlaufe am unteren Ende kenntlich gemacht. Diese Schlaufe diente ursprünglich dazu, die Epaulette am Knopf der Uniform zu befestigen.
Die zeitliche Einordnung um 1917/18 ist von besonderer Bedeutung. In dieser späten Kriegsphase war die materielle Situation des Deutschen Reiches zunehmend angespannt. Die alliierte Blockade führte zu erheblichen Rohstoffmängeln, die sich auch in der Militärausrüstung niederschlugen. Während frühere Schulterstücke oft aufwendiger gearbeitet waren, zeigen späte Kriegsausführungen häufig vereinfachte Herstellung und Materialersatz. Echte Metallbordüren wurden teilweise durch gestickte Imitationen ersetzt, hochwertige Unterfütterungen entfielen.
Die Erhaltung als Einzelstück ist typisch für Militaria-Sammlungen. Schulterstücke wurden paarweise getragen – eines auf jeder Schulter – doch durch Kriegseinwirkung, Beschädigung oder getrennte Sammlerprovenienzen sind heute oft nur noch einzelne Exemplare erhalten. Der angegebene Zustand 2 deutet nach gängiger Sammlernomenklatur auf einen gut erhaltenen Zustand mit geringen Gebrauchsspuren hin.
Das VII. Armeekorps, dem das Regiment zugeordnet war, hatte eine lange Tradition in der preußischen Armee. Die während des Krieges neu aufgestellten Regimenter wie das IR 190 wurden aus Ersatzbataillonen, Rekruten und genesenen Verwundeten formiert. Sie kämpften an verschiedenen Frontabschnitten und trugen die Last des Stellungskrieges mit seinen materiellen und menschlichen Strapazen.
Für Sammler und Militärhistoriker sind solche Schulterstücke wichtige Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformbestimmungen und ihre praktische Umsetzung, sondern auch die soziale Struktur der kaiserlichen Armee. Das Offizierskorps, zu dem der Träger dieses Schulterstücks gehörte, war eine gesellschaftliche Elite mit besonderen Privilegien und Pflichten. Ein Leutnant stand am Beginn seiner Offizierskarriere und führte typischerweise einen Infanteriezug von etwa 50 bis 60 Mann.
Die Provenienz solcher Objekte ist vielfältig: Manche wurden nach dem Krieg von den Trägern aufbewahrt, andere gelangten durch Erbschaften, Auflösungen von Militärsammlungen oder über den Antiquitätenhandel in heutige Sammlungen. Jedes Stück trägt stumm Zeugnis von individuellen Schicksalen und der großen Geschichte des Ersten Weltkriegs, der das Ende der preußisch-deutschen Monarchie und ihrer militärischen Traditionen bedeutete.