Zaristisches Russland Marine Säbel bzw. Degen für Offiziere .

um 100. Gerade Klinge ohne Herstellerbezeichnung. Das dreispangige Griffgefäß aus Messing vergoldet, schwarz belederter Griff mit intakter Drahtwicklung. Schwarz lackierte Lederscheide mit Messingbeschlägen, 2 Trageringe. Gesamtlänge 87,5 cm. Getragen, Zustand 2.
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5.500,00

Zaristisches Russland Marine Säbel bzw. Degen für Offiziere .

Der hier beschriebene Säbel bzw. Degen repräsentiert einen wichtigen Bestandteil der Offiziersausrüstung der Kaiserlich Russischen Marine aus der Zeit um 1900. Diese Waffen dienten nicht nur als funktionale Kampfmittel, sondern waren vor allem Statussymbole und integraler Bestandteil der militärischen Uniform russischer Marineoffiziere während der späten Zarenzeit.

Die Kaiserlich Russische Marine unter Zar Nikolaus II. (1894-1917) durchlebte eine Phase intensiver Modernisierung und Expansion. Nach den Reformen unter Zar Peter dem Großen, der die russische Flotte im frühen 18. Jahrhundert aufbaute, entwickelte sich die Marine zu einer der bedeutendsten Seestreitkräfte Europas. Um 1900 befand sich die russische Flotte auf dem Höhepunkt ihrer Macht, kurz vor den verheerenden Verlusten im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905).

Die Uniformvorschriften der russischen Marine wurden im 19. Jahrhundert mehrfach überarbeitet. Die charakteristische Form der Offiziersblankwaffen folgte dabei sowohl westeuropäischen Einflüssen als auch eigenen russischen Traditionen. Die gerade Klinge, wie sie bei diesem Exemplar vorhanden ist, war typisch für Marineoffiziere und unterschied sich von den gekrümmten Säbeln der Kavallerie.

Das Griffgefäß aus vergoldetem Messing mit seiner dreispangigen Konstruktion entspricht den Standardausführungen der kaiserlichen Marine. Die drei Bügel dienten dem Schutz der Hand und waren ein charakteristisches Merkmal russischer Marineoffiziersdegen dieser Periode. Die Vergoldung war nicht nur dekorativ, sondern auch ein Rangabzeichen, das Offiziere von Unteroffizieren unterschied.

Der schwarz belederte Griff mit Drahtwicklung war eine praktische Lösung für den Einsatz auf See. Das Leder bot auch bei Nässe einen sicheren Halt, während die Drahtwicklung zusätzliche Griffigkeit gewährleistete. Schwarz war die traditionelle Farbe für Marineblankmaterialien und unterschied sich von den oft helleren Ausführungen der Landstreitkräfte.

Die schwarz lackierte Lederscheide mit Messingbeschlägen und zwei Trageringen ermöglichte das Tragen der Waffe sowohl in repräsentativer als auch in praktischer Weise. Die zwei Trageringe deuteten auf ein Tragesystem hin, bei dem der Säbel an der Uniform befestigt werden konnte. Diese Konstruktion war Standard bei der russischen Marine und wurde durch spezifische Uniformvorschriften geregelt.

Die Gesamtlänge von 87,5 cm entspricht den typischen Maßen für Marineoffiziersdegen dieser Zeit. Diese Länge war ein Kompromiss zwischen der Wirksamkeit als Waffe und der Praktikabilität beim Tragen an Bord von Schiffen, wo längere Waffen hinderlich gewesen wären.

Das Fehlen einer Herstellerbezeichnung auf der Klinge ist nicht ungewöhnlich. Während viele russische Militärblankwaffen von staatlichen Waffenfabriken wie Zlatoust im Ural oder privaten Herstellern in Tula produziert wurden, gab es auch zahlreiche Importwaffen aus Westeuropa, insbesondere aus Deutschland und Frankreich. Viele Offiziere erwarben ihre Waffen auch privat bei spezialisierten Waffenschmieden in St. Petersburg oder Kronstadt, dem Hauptstützpunkt der Baltischen Flotte.

Die russische Marine war in mehrere Flotten unterteilt: die Baltische Flotte mit Basis in Kronstadt, die Schwarzmeerflotte in Sewastopol, die Pazifikflotte in Wladiwostok und Port Arthur sowie die Nordflotte. Offiziere aller Flotten trugen ähnliche Blankwaffen, wobei es geringfügige regionale Variationen geben konnte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Bedeutung von Blankwaffen im Kampf bereits stark zurückgegangen. Dennoch blieben sie wichtige Bestandteile der Offiziersuniform, besonders bei Paraden, offiziellen Anlässen und als Zeichen der Autorität. Der Säbel symbolisierte die Ehre des Offiziers und seine Treue zum Zaren.

Die Zeit um 1900 war für die russische Marine von großer Bedeutung. Die Flotte rüstete massiv auf, neue Schlachtschiffe und Kreuzer wurden gebaut, und Russland strebte nach einer dominierenden Position im Pazifik. Diese Ambitionen endeten jedoch katastrophal in der Schlacht von Tsushima 1905, als die russische Flotte durch Japan vernichtend geschlagen wurde.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem Ende der Zarenherrschaft wurden viele dieser kaiserlichen Waffen aus dem Verkehr gezogen, umgeschmolzen oder ins Ausland verkauft. Überlebende Exemplare sind heute begehrte Sammlerstücke, die ein wichtiges Zeugnis der militärischen Kultur des zaristischen Russlands darstellen.

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