Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Beidseitig geätzte Klinge mit Hohlkehlen, Treuebandeau und "5.Chevaul.-Regt. Erzherzog Albrecht von Österreich", auf der anderen Seite eine Reiterszene, zusätzlich Ranken und Trophäen, auf dem Klingenrücken "Weyersberg & Co. Solingen", vernickeltes Messinggefäß mit starrem Korb, Dieser mit bayerischem Löwen im Korb, schwarzer Kunststoffgriff, brünierte Scheide mit einem Tragering, Mundblechschrauben fehlen, Alters- und Gebrauchsspuren, sonst aber noch gut erhalten. Zustand 2-

Klingenlänge etwa 810mm
Gesamtlänge etwa 990mm



444310
750,00

Bayern Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Der bayerische Kavallerie-Extradegen Modell 1889 (KD 89) repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der Entwicklung der deutschen Blankwaffen am Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Waffe wurde speziell für die königlich-bayerische Kavallerie entwickelt und diente als Seitenwaffe für berittene Truppen des Königreichs Bayern, das bis 1918 innerhalb des Deutschen Kaiserreichs eine weitgehende militärische Autonomie behielt.

Das 5. Chevaulegers-Regiment “Erzherzog Albrecht von Österreich” war eine der traditionsreichsten Kavallerie-Einheiten der bayerischen Armee. Die Chevauleger (leichte Reiter) bildeten eine wichtige Waffengattung der bayerischen Kavallerie und waren für Aufklärung, Flankendeckung und schnelle Angriffe zuständig. Die Benennung nach Erzherzog Albrecht von Österreich spiegelt die engen dynastischen Verbindungen zwischen den Wittelsbachern und dem Haus Habsburg wider, die seit Jahrhunderten bestanden.

Die Klinge dieses Degens wurde von Weyersberg & Co. aus Solingen gefertigt, einem der renommiertesten Hersteller von Blankwaffen im Deutschen Reich. Die Solinger Waffenschmiedekunst genoss seit dem Mittelalter Weltruf, und Firmen wie Weyersberg belieferten nicht nur deutsche, sondern auch zahlreiche ausländische Armeen. Die Firma stellte ihre Produkte nach strengen militärischen Spezifikationen her und unterlag regelmäßigen Qualitätskontrollen durch königliche Abnahmekommissionen.

Die Klinge des KD 89 zeichnet sich durch ihre beidseitige Ätzung aus, die typischerweise militärische Motive, Trophäen und Embleme zeigt. Die erwähnte Reiterszene war ein beliebtes Motiv auf Kavallerie-Blankwaffen und symbolisierte den Kampfgeist und die Tradition der berittenen Truppen. Das Treuebandeau mit der Regimentsbezeichnung diente nicht nur dekorativen Zwecken, sondern auch der eindeutigen Identifikation der Waffe und ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit.

Das Messinggefäß mit starrem Korbschutz war charakteristisch für deutsche Kavallerie-Degen dieser Periode. Der Korbschutz bot der Hand des Reiters Schutz im Gefecht, während das bayerische Löwenwappen im Korb die Zugehörigkeit zum Königreich Bayern deutlich machte. Die Vernicklung des Gefäßes diente sowohl ästhetischen Zwecken als auch dem Korrosionsschutz, war allerdings anfälliger für Beschädigungen als die traditionelle Vergoldung höherwertiger Offizierswaffen.

Der schwarze Kunststoffgriff stellt ein interessantes Detail dar, da er wahrscheinlich einen späteren Ersatz für das ursprüngliche Material darstellt. Ursprünglich waren die Griffe häufig aus Fischbein, Holz oder Horn gefertigt und mit Draht umwickelt. Die Verwendung von frühen Kunststoffen wie Galalith oder Ebonit kam erst im frühen 20. Jahrhundert auf und deutet möglicherweise auf eine Reparatur oder Modernisierung hin.

Die brünierte Scheide mit ihrem Tragering entspricht den militärischen Vorschriften der Zeit. Die Brünierung bot einen wirksamen Rostschutz für das Stahlblech der Scheide. Der Tragering ermöglichte das Befestigen der Waffe am Waffengurt oder an der Sattelausrüstung. Das Fehlen der Mundblechschrauben ist eine häufige Erscheinung bei erhaltenen Exemplaren, da diese kleinen Teile im Laufe der Zeit oft verloren gingen.

Mit einer Klingenlänge von etwa 810mm und einer Gesamtlänge von rund 990mm entsprach dieser Degen den standardisierten Maßen für bayerische Kavallerie-Seitenwaffen. Diese Dimensionen stellten einen Kompromiss dar zwischen ausreichender Reichweite im Gefecht und praktischer Handhabbarkeit zu Pferde.

Der Kavallerie-Extradegen Modell 1889 kam in einer Zeit des militärischen Wandels zum Einsatz. Obwohl die Bedeutung der Kavallerie durch die zunehmende Feuerkraft moderner Gewehre und Maschinengewehre bereits abnahm, blieben berittene Truppen bis zum Ersten Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil aller europäischen Armeen. Im Ersten Weltkrieg erkannte man jedoch schnell, dass traditionelle Kavallerie-Attacken gegen moderne Waffen obsolet geworden waren.

Exemplare wie der beschriebene Degen sind heute wichtige Zeugnisse der militärischen Kultur des Königreichs Bayern und der Kaiserzeit. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der Solinger Waffenschmieden, sondern auch die organisatorische Struktur und die Traditionen der bayerischen Armee. Für Sammler und Militärhistoriker bieten sie wertvolle Einblicke in eine Epoche, in der Blankwaffen noch zum regulären Ausrüstungsbestand von Soldaten gehörten, auch wenn ihre praktische Bedeutung bereits im Schwinden begriffen war.