Die Geschichte der deutschen Militärtarnung im Zweiten Weltkrieg ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Johann Georg Otto Schick, Münchner Kunstprofessor und Leiter der deutschen Tarnforschungseinheit. Auf Ersuchen von SS-Sturmbannführer Wim Brandt Mitte bis Ende der 1930er Jahre entwickelte Schick eine Reihe revolutionärer Tarnmuster, die auf seinen Studien zur Wirkung von Licht auf Bäume in verschiedenen Jahreszeiten basierten. Das Ergebnis waren wendbare Tarndesigns, die sowohl für Frühlings- und Sommerbedingungen als auch für Herbst- und Winterumgebungen geeignet waren. 1937 wurden die Muster vom SS-VT Regiment Deutschland im Feld erprobt, wobei eine geschätzte Reduzierung der Verluste um 15 Prozent festgestellt wurde. Im Jahr 1938 wurden wendbare Helmüberzüge, Tarnhemden und Gesichtsmasken für die Waffen-SS patentiert.
Die Produktion von Tarnartikeln begann im November 1938 durch die Firmen Warei, Forster und Joring. Bis Juni 1940 hatte die Maschinendruckproduktion übernommen, und es wurden 33.000 Tarnhemden für die Waffen-SS hergestellt. Die Verteilung blieb ostensiv auf die Waffen-SS beschränkt, da Schick seit 1938 ein Patent auf die Tarndesigns hielt. Die Hermann-Göring-Division der Luftwaffe erhielt jedoch ebenfalls große Mengen dieses Tarnmusters, vermutlich durch ein Tauschgeschäft mit der SS.
Das Rauchtarnmuster
Das Rauchtarnmuster, im Englischen als „Blurred Edge“ oder „Smoke Camouflage Pattern“ bekannt, wird als Variante des Platanenmuster beschrieben. Es verwendet identische Grundfarben, ersetzt jedoch den gefleckten Platanen-Überdrück durch einen rauchigen schwarzen Überdrück, der einen markanten, verschwommenen Effekt erzeugt. Das Muster besteht aus einer dreifarbigen Eichenlaub-Basis mit einer schwarzen Zweiton-Schattierung, die den namensgebenden unscharfen Rand erzeugt. Ursprünglich hielt man das Muster für einen Druckfehler, doch es erwies sich als besonders wirkungsvoll in dunstigen Umgebungen und war eines der ersten deutschen Muster, das mittels Maschinenwalzen hergestellt wurde. Trotz seiner langen Einsatzdauer wird das Rauchtarnmuster als relativ selten beschrieben.
Das Modell 1942
Das M42-Tarnhemd stellte eine Weiterentwicklung des früheren M38-Modells dar. Die wesentlichen Verbesserungen umfassten eine schlankere Passform, einen höher gesetzten Bund und die Hinzufügung von zwei horizontalen Hüfttaschen. Beim hier beschriebenen Typ 1 des M42 befinden sich die Taschen horizontal auf Höhe der unteren Taille mit geraden Klappen. Alle M42-Tarnhemden waren als wendbare Schlupfjacken (Pullover-Stil) konzipiert, wobei eine Seite in Frühlings- bzw. Sommergrüntönen und die Gegenseite in Herbst- bzw. Winterbrauntönen gehalten war.
Zu den charakteristischen Merkmalen gehörten elastische Bündchen an Ärmeln und Taille, eine Brustschnürung mit handgestickten Ösen, sowie Schlaufen auf den Schultern zur Befestigung von natürlichem Tarnmaterial. Die Knöpfe waren typischerweise aus grau lackiertem Metall mit genoppter Oberfläche. Da es sich um ein Tarnüberkleidungsstück handelte, das über der regulären feldgrauen Wolluniform getragen wurde, trug das Tarnhemd üblicherweise keine Rang- oder Einheitsabzeichen.
Material und Fertigung
Die M42-Tarnhemden wurden in Fabriken in ganz Deutschland von 1942 bis 1944 hergestellt, wobei große Stückzahlen auch in Konzentrationslagern produziert wurden. Als Ausgangsmaterial diente Makostoff, ein glatter Stoff auf Leinenbasis, oder Baumwoll-Popeline, bedruckt im Rauchtarnmuster. Im Januar 1943 waren die Vorräte an hochwertigem, wasserabweisendem Baumwoll-Duck erschöpft und wurden durch nicht-wasserabweisenden Baumwoll-Drillich (HBT – Herringbone Twill) ersetzt. Bei dem hier betrachteten Stück sind die Taschen aus dunkelgrünem Drillichtuch gefertigt.
Einsatz und Verbreitung
Das M42-Tarnhemd wurde ausschließlich von Kampfeinheiten der Waffen-SS an allen Fronten von 1942 bis 1945 eingesetzt. Dokumentiert ist die Verwendung unter anderem durch die SS-Totenkopf-Division und die SS-Division Nord. Obwohl das M42 ab 1944 offiziell durch die Uniformen im Erbsenmuster (Pea Dot) in der Produktion ersetzt wurde, blieb es bis Kriegsende als Standard-Gefechtskleidung der SS-Infanteristen im Einsatz. Das Rauchtarnmuster fand darüber hinaus Verwendung bei Helmüberzügen, Zeltbahnen und Feldmützen.
Dieses Exemplar
Das vorliegende Tarnhemd weist mehrere Spuren seiner Feldverwendung auf: Die Schlaufen für Tarnmaterial auf den Schultern wurden sauber entfernt, die Brustschnürung wurde durch einen alten Lederriemen von einem Schnürstiefel ersetzt, die Gummizüge in Ärmeln und Hüfte sind zwar noch vorhanden, aber nicht mehr elastisch, und unter der linken Achsel befindet sich eine alte Flickstelle aus der Kriegszeit. Das Stück wird als getragen, aber in gutem, unberührtem Originalzustand beschrieben.
Die letzten Jahre war dieses Tarnhemd im Eyewitness Museum in Beek, Niederlande, ausgestellt. Dieses Museum wurde am 1. Oktober 2022 geschlossen, nachdem es durch einen schweren Diebstahl im August 2020 und die COVID-19-Pandemie erhebliche Rückschläge erlitten hatte. Ein Teil der Sammlung wurde anschließend an das Oorlogsmuseum (Kriegsmuseum) Overloon in den Niederlanden überführt.
Sammlerbedeutung
Originale M42-Tarnhemden im Rauchtarnmuster gelten heute als hochbegehrte Sammlerstücke und werden als selten eingestuft. Moderne Reproduktionen werden zwar in großer Zahl für Reenactors hergestellt, doch authentische Kriegsstücke mit nachvollziehbarer Provenienz – wie das vorliegende Exemplar mit seiner dokumentierten Museumsgeschichte – sind von besonderem Interesse für ernsthafte Sammler. Bemerkenswert ist auch, dass das russische Militär später eine Kopie des auf dem M42 verwendeten Eichenlaubmusters übernahm und als „Partizan“-Tarnung bezeichnete – ein Zeugnis für die anhaltende Wirkung der von Schick entwickelten Designs.