Königreich Sachsen Bandolier für den Kartuschkasten Offiziere Artillerie/Train

Um 1910. Goldfarbene Tresse mit ponceauroter Tuchunterlage, vorne in silber aufgelegt das sächsische Staatswappen. Zustand 2.
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450,00

Königreich Sachsen Bandolier für den Kartuschkasten Offiziere Artillerie/Train

Das vorliegende Objekt stellt ein Bandolier für den Kartuschkasten eines Offiziers der Sächsischen Artillerie oder des Trains aus der Zeit um 1910 dar, wie es im Königreich Sachsen während der späten Kaiserzeit getragen wurde. Dieses militärische Ausrüstungsstück verkörpert die hohe handwerkliche Qualität und den repräsentativen Charakter der Offiziersausstattung jener Epoche.

Das Königreich Sachsen war seit 1871 ein Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs und unterhielt eine eigene königliche Armee als XII. (Königlich Sächsisches) Armeekorps. Die sächsische Armee verfügte über eine stolze Tradition und besaß ihre eigenen Uniformvorschriften, die sich in Details von denen anderer deutscher Bundesstaaten unterschieden. Die Artillerie und der Train spielten dabei eine wichtige Rolle in der Organisationsstruktur.

Das Bandolier, auch als Kartuschkasten-Riemen oder Patronentasche-Gehänge bezeichnet, diente zur Befestigung und zum Tragen des Kartuschkastens, einer Ledertasche zur Aufbewahrung von Munition. Bei Offizieren hatte dieses Element jedoch zunehmend repräsentativen Charakter, da Offiziere im Gefecht üblicherweise nicht mehr mit Handfeuerwaffen kämpften, sondern Kommandofunktionen ausübten.

Die goldfarbene Tresse des vorliegenden Stücks kennzeichnet eindeutig die Zugehörigkeit zur Offizierskaste. Gold war in den Uniformvorschriften der deutschen Armeen des Kaiserreichs traditionell den Offizieren vorbehalten, während Unteroffiziere und Mannschaften silberfarbene oder einfachere Ausstattungen trugen. Die Tresse wurde auf eine ponceaurote Tuchunterlage aufgebracht, eine Farbe, die für verschiedene Waffengattungen charakteristisch war.

Das zentrale Element dieses Bandoliers bildet das sächsische Staatswappen, das in Silber aufgelegt ist. Das Wappen des Königreichs Sachsen zeigte traditionell die gekreuzten Kurschwerter im goldenen Feld, teilweise ergänzt durch den charakteristischen Rautenkranz der wettinischen Dynastie. Diese heraldischen Elemente waren fester Bestandteil der sächsischen Militäridentität und fanden sich auf zahlreichen Uniformteilen und Ausrüstungsgegenständen wieder.

Die Datierung um 1910 ordnet das Stück in die späte Phase der sächsischen Monarchie ein. König Friedrich August III. regierte seit 1904 und sollte bis zur Abdankung 1918 auf dem Thron bleiben. Diese Zeit war geprägt von zunehmenden militärischen Spannungen in Europa und einer forcierten Aufrüstung der deutschen Armeen. Die Heeresreformen unter General von Heeringen und die kontinuierliche Modernisierung der Ausrüstung charakterisierten diese Epoche.

Die Artillerie des Königreichs Sachsen umfasste mehrere Feldartillerie-Regimenter, Fußartillerie-Bataillone und wurde durch moderne Geschütze wie die Feldkanone 96 n.A. ausgerüstet. Der Train, also die Nachschub- und Transporttruppe, war ebenfalls essentiell für die Operationsfähigkeit der Armee und wurde zunehmend professionalisiert.

Die handwerkliche Ausführung solcher Bandoliere oblag spezialisierten Militäreffektenfabrikanten, die strenge Qualitätsstandards einhalten mussten. Firmen wie C.G. Haenel in Suhl oder sächsische Hoflieferanten fertigten diese repräsentativen Ausrüstungsstücke nach genauen Vorschriften der königlichen Bekleidungsämter.

Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gute bis sehr gute Erhaltung hin, was bei einem über 110 Jahre alten Textilstück bemerkenswert ist. Dies spricht für eine sorgfältige Aufbewahrung und möglicherweise einen geringen Tragegebrauch, was bei Offiziersausrüstung nicht ungewöhnlich war, da diese oft mehrere Garnituren besaßen.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution 1918 verschwanden die deutschen Monarchien, einschließlich des Königreichs Sachsen. Die traditionellen Uniformen und Ausrüstungsgegenstände mit monarchischen Symbolen wurden obsolet und durch die Einheitsausstattung der Reichswehr ersetzt. Solche historischen Stücke erhielten dadurch ihren Charakter als Zeitzeugen einer untergegangenen Epoche.

Heute sind derartige Objekte wichtige Sammlerstücke und Museumsobjekte, die Einblick in die Militärgeschichte, die handwerkliche Kultur und die gesellschaftliche Ordnung des deutschen Kaiserreichs geben. Sie dokumentieren die Bedeutung von Rang, Tradition und regionaler Identität im militärischen Bereich der Vorkriegszeit.