Preussen Roter Adler Orden 4. Klasse, 3. Modell, um 1846

Es handelt sich mit dem Stück um eine der ersten Fertigungen aus der Zeit der Modellumstellung von 1846. Das Kreuz einteilig massiv aus Silber geprägt, die Kreuzarme mit ganz leichter Körnung. Auf der Vorderseite aufgesetzt das Medaillon aus weißer Emaille mit handgemaltem preußischen Adler, lila mit kurzen Flügeln. Komplett am alten frühen im Verleihungsetui. Leicht getragen, Zustand 2. Sehr selten, eines der wenigen Originale. Eine echte Seltenheit.
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Preussen Roter Adler Orden 4. Klasse, 3. Modell, um 1846

Der Preußische Rote Adlerorden 4. Klasse gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen des Königreichs Preußen und repräsentiert eine wichtige Epoche der deutschen Ordensgeschichte. Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1846 dokumentiert eine entscheidende Phase in der Entwicklung dieser königlichen Auszeichnung, nämlich die Umstellung auf das 3. Modell.

Der Rote Adlerorden wurde am 17. November 1705 durch den Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth als Ordre de la Sincérité gestiftet. Nach dem Aussterben der fränkischen Linie der Hohenzollern fiel das Fürstentum 1791 an Preußen, und König Friedrich Wilhelm II. erneuerte den Orden am 18. Januar 1792 als brandenburgisch-preußischen Hausorden unter dem Namen Roter Adlerorden. Die Ordensdevise lautete “Sincere et Constanter” (Aufrichtig und Beständig).

Im Laufe seiner Geschichte durchlief der Rote Adlerorden mehrere Modellveränderungen. Das 1. Modell (1792-1810) zeichnete sich durch einen längeren, dünneren Adler aus. Das 2. Modell (1810-1846) zeigte bereits Veränderungen in der Darstellung des Adlers. Das hier vorliegende 3. Modell, das ab 1846 verwendet wurde, führte bedeutende stilistische Neuerungen ein.

Die Übergangszeit von 1846 ist von besonderer historischer Bedeutung. In dieser Periode erfolgte unter König Friedrich Wilhelm IV. (reg. 1840-1861) eine umfassende Reform des preußischen Ordenswesens. Die Veränderungen betrafen nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die Herstellungsverfahren und Qualitätsstandards. Das vorliegende Stück aus den ersten Fertigungen dieser Umstellungszeit dokumentiert diesen wichtigen Übergang.

Die 4. Klasse des Roten Adlerordens war innerhalb der Ordenshierarchie für Personen mittleren Ranges bestimmt. Die Ordensklassen waren wie folgt gegliedert: Die Großkreuze und höheren Klassen waren dem Hochadel und höchsten Staatsbeamten vorbehalten, während die 4. Klasse an Offiziere mittleren Ranges, Beamte und Bürger für besondere Verdienste um den Staat verliehen wurde. Sie wurde ohne Band als Steckkreuz auf der linken Brustseite getragen.

Die handwerkliche Ausführung dieses Modells zeigt die hohe Kunstfertigkeit der preußischen Ordensmanufakturen. Das Kreuz wurde einteilig massiv aus Silber geprägt, was ein aufwendiges und kostspieliges Verfahren darstellte. Die Kreuzarme weisen eine charakteristische leichte Körnung auf, die typisch für diese Epoche ist. Das zentrale Medaillon aus weißer Emaille trägt den handgemalten preußischen Adler in violetter Farbe mit den für das 3. Modell charakteristischen kürzeren Flügeln.

Die Emaillearbeiten waren eine besondere Herausforderung für die Handwerker. Die weiße Emaillebasis musste perfekt aufgetragen werden, um eine glatte, fehlerfreie Oberfläche zu gewährleisten. Der Adler wurde anschließend von spezialisierten Emaillemalern von Hand aufgemalt und in mehreren Brennvorgängen fixiert. Diese Technik erforderte höchste Präzision und Erfahrung, da bereits kleine Temperaturschwankungen beim Brennen zu Rissen oder Verfärbungen führen konnten.

Das Verleihungsetui ist ein integraler Bestandteil der historischen Authentizität. Diese Etuis wurden speziell für die jeweiligen Ordensklassen angefertigt und trugen oft das königliche Wappen oder andere Insignien. Sie dienten nicht nur dem Schutz der Auszeichnung, sondern unterstrichen auch die Bedeutung und Feierlichkeit der Verleihung.

Die Verleihungspraxis des Roten Adlerordens folgte strengen Regularien. Jede Verleihung musste vom König persönlich genehmigt werden und wurde in den Ordenslisten dokumentiert. Die Empfänger erhielten neben der Ordensauszeichnung auch eine Verleihungsurkunde (Patent), die die Gründe für die Auszeichnung festhielt.

In der Zeit um 1846 befand sich Preußen in einer Phase politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Die Reformbewegungen der 1840er Jahre, die wirtschaftliche Modernisierung und die wachsende bürgerliche Selbstständigkeit spiegelten sich auch im Ordenswesen wider. Die 4. Klasse des Roten Adlerordens wurde zunehmend auch an verdiente Bürger verliehen, was die gesellschaftliche Öffnung des traditionell aristokratisch geprägten Ordenswesens dokumentiert.

Die Seltenheit von Originalstücken aus der Übergangszeit von 1846 macht solche Exemplare zu bedeutenden historischen Zeugnissen. Viele Orden wurden im Laufe der Zeit beschädigt, gingen verloren oder wurden eingeschmolzen. Überlebende Stücke in gutem Erhaltungszustand mit originalem Etui sind daher von besonderem wissenschaftlichen und sammlerischen Wert.

Der Rote Adlerorden blieb bis zum Ende der Monarchie 1918 eine der wichtigsten preußischen Auszeichnungen und wurde in dieser Zeit in großer Zahl verliehen. Mit dem Untergang des Kaiserreichs endete auch die Geschichte dieser traditionsreichen Ordensform, die über mehr als 120 Jahre hinweg ein Symbol für Verdienst und Loyalität gegenüber dem preußischen Staat darstellte.

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