Waffen-SS Wendetarnhemd Modell M 1942 (A) in Eichenbruchmuster

Späte Fertigung um 1943, wendbar, mit 2 Hüfttaschen mit geraden Klappen. Die Schlaufen für Tarnmaterial auf den Schultern und dem Rücken wurden während des Krieges entfernt, komplett mit der original Verschnürung. Gummizüge sind vorhanden noch elastisch. Die Taschen aus dunkelgrünem Drillichtuch. Gesamtlänge ca. 79 cm. Nur leicht getragen, noch sehr farbfrisch, Zustand 2.

Die letzten Jahre war das Waffen-SS Tarnhemd ausgestellt im "Eyewitness Museum" in Beek, Niederlande, welches dieses Jahr geschlossen wurde.
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Waffen-SS Wendetarnhemd Modell M 1942 (A) im Eichenbruchmuster

Das vorliegende Waffen-SS Wendetarnhemd Modell M 1942 (Typ II) im sogenannten Eichenbruchmuster (Oak Leaf Pattern A) gehört zu den bedeutendsten Sammlerstücken der deutschen Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Es verkörpert nicht nur die Pionierleistung der Waffen-SS im Bereich der gedruckten Tarntextilien, sondern dokumentiert auch die kriegsbedingten Anpassungen in Materialwahl und Fertigung, die ab 1943 zunehmend spürbar wurden.

Ursprung der SS-Tarnmuster

Die Entwicklung der SS-Tarnung geht auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Münchner Kunstprofessor Johann Georg Otto Schick, Leiter einer deutschen Tarnforschungseinheit, und dem SS-Sturmbannführer Wim Brandt, Kommandeur eines Aufklärungsbataillons der SS-Verfügungstruppe, zurück. Schick erforschte die Lichteffekte auf Bäumen im Sommer und Herbst, was zum revolutionären Konzept einer wendebaren Tarnung führte – einer Seite für Frühling und Sommer, einer für den Herbst. Die Muster wurden 1937 vom SS-Regiment Deutschland im Feld erprobt, wobei man schätzte, dass sie die Verluste um 15 Prozent reduzieren könnten. 1938 wurden das wendbare Tarnhemd, der Helmüberzug und eine Scharfschützen-Gesichtsmaske für die Waffen-SS patentiert.

Die Waffen-SS setzte als erste Formation ab dem Polenfeldzug 1939 gedruckte Tarnbekleidung im Kampfeinsatz ein. Im Laufe des Krieges entstanden mehrere Tarnmuster, darunter das Platanenmuster (Plane Tree), das Palmenmuster (Palm Tree), das Rauchtarnmuster (Blurred Edge), die Varianten Eichenlaub A und B sowie ab 1944 das Erbsenmuster (Pea Pattern). Die Verteilung blieb offiziell auf die Waffen-SS beschränkt, angeblich aufgrund des Patents, obwohl Varianten auch von anderen Einheiten einschließlich der Luftwaffe verwendet wurden.

Das Eichenbruchmuster (Oak Leaf Pattern A)

Das Eichenbruchmuster A (Eichenlaubmuster) wurde in drei Farben gedruckt und zeichnet sich durch abgerundete, unregelmäßige Formen mit getönten „Ring“-Rändern auf einem flachen braunen Hintergrund aus, die an Eichenlaub erinnern. Die Frühlings-/Sommerseite zeigt grüne und schwarze Formen, während die Herbstseite verbrannte Orange- und Schwarztöne aufweist. Die Produktion dieses Musters erstreckte sich ungefähr von 1942 bis 1944.

Der Typ-II-Schnitt: Eine Weiterentwicklung

Das Modell M 1942 repräsentiert den Typ II des SS-Tarnhemdes, der ab 1942 als Verbesserung des seit 1936 gefertigten Typ I eingeführt wurde. Grundlage waren die Erfahrungen aus dem Kampfeinsatz. Zu den Neuerungen gehörten ein erhöhter Bund, ein schmalerer Schnitt als beim Vorgängermodell sowie die Ergänzung um zwei Hüfttaschen unterhalb des Bundes mit Klappenabschluss. Anders als der Typ I war der Typ II so konzipiert, dass er unter der Feldausrüstung getragen werden konnte. Das Hemd wurde als weiter, leichter Schlupfüberzug im Pullover-Stil gefertigt, mit einer Schnürverschluss-Öffnung an der Vorderseite durch Ösenpaare, elastischen Elementen an Taille und Ärmelbündchen sowie Schlaufen an Schultern und Rücken zum Befestigen von natürlichem Tarnmaterial.

Späte Kriegsfertigung und Materialwandel

Dieses Exemplar stammt aus der späten Fertigung um 1943 und zeigt die typischen Merkmale dieser Produktionsphase. Zu den frühen Herstellern gehörten die Firmen Warei, Forster und Joring. Die Fertigung fand in Fabriken in ganz Deutschland statt, wobei große Stückzahlen auch in Konzentrationslagern produziert wurden. Ab Januar 1943 war der hochwertige, wasserdichte Baumwoll-Segeltuchstoff (Cotton Duck) aufgebraucht, was einen Wechsel zu nicht-wasserfestem Baumwoll-Drillichtuch erzwang. Das vorliegende Hemd besteht aus Fischgrat-/Drillichtuch und ist beidseitig mit dem wendebaren Tarnmuster bedruckt. Die Taschen sind mit dunkelgrünem Drillichtuch gefüttert. Späte Produktionsexemplare von 1943 wiesen häufig eine vereinfachte Konstruktion auf, bedingt durch die kriegsbedingten Engpässe.

Einsatz und Verbreitung

Das Tarnhemd wurde von Waffen-SS-Kampftruppen als Überkleidungsstück über der regulären Felduniform getragen. Der wendbare Entwurf ermöglichte eine saisonale Anpassung der Tarnung. Die Verbreitung erstreckte sich auf sämtliche Waffen-SS-Divisionen der mittleren und späten Kriegsphase. In den Quellen werden unter anderem die 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“, die während der Kämpfe in der Normandie 1944 verschiedene Tarnmuster einschließlich des Eichenlaubmusters nutzte, sowie die SS-Divisionen „Nord“ und „Totenkopf“ als dokumentierte Nutzer von Tarnbekleidung genannt. Bis Juni 1940 waren insgesamt 33.000 Tarnhemden aller Typen im Maschinendruck für die Waffen-SS hergestellt worden; die Produktion des Eichenlaubmusters wird als weit verbreitet beschrieben und dauerte bis 1945 an.

Museumsgeschichte

Dieses spezifische Exemplar war in den letzten Jahren im Eyewitness Museum in Beek, Niederlande, ausgestellt. Das Museum war eine von Wim Seelen betriebene Privatsammlung, die von 2013 bis 2022 geöffnet war und 13 Dioramen mit originaler Ausrüstung und Uniformen des Zweiten Weltkriegs präsentierte. Teile der Museumssammlung wurden an das Oorlogsmuseum Overloon (Kriegsmuseum Overloon) überführt. Die Gesamtlänge des Hemdes beträgt circa 79 cm. Die Schlaufen für Tarnmaterial an Schultern und Rücken wurden während des Krieges entfernt, die originale Verschnürung ist komplett erhalten und die Gummizüge sind noch elastisch.

Ein Hinweis zur Terminologie

Es sei angemerkt, dass die heute gebräuchlichen deutschen Musterbezeichnungen wie Platanenmuster, Eichenlaubmuster oder Erbsenmuster keine zeitgenössischen Bezeichnungen der Wehrmacht oder Waffen-SS darstellen. Diese Begriffe wurden von Nachkriegs-Militaria-Sammlern geprägt und haben sich seitdem als Standard in der Sammlergemeinschaft etabliert. Auch die SS-Tarnprinzipien selbst beeinflussten die Entwicklung moderner militärischer Tarnkonzepte nachhaltig.