Das vorliegende Uniformensemble des Feldwebel Wilkens aus dem Pionier-Bataillon 20, 1. Kompanie, repräsentiert die Paradekleidung eines Unteroffiziers der Wehrmacht-Pioniertruppen in der Vorkriegszeit. Das Herzstück bildet der Parade-Waffenrock, gefertigt vom Schneider A. Wolter & Söhne in Harburg-Wilhelmsburg und datiert auf den 4. November 1938, wie die handschriftliche Bezeichnung in der Innentasche belegt.
Der Waffenrock wurde im Sommer 1935 als Parade-, Wach- und Zeremonialuniform des Heeres eingeführt und ersetzte den früheren Dienstrock. Er orientierte sich am preußischen Waffenrock von 1842 und verkörperte die formale Uniformtradition der Wehrmacht. Aus feinem feldgrauem Gabardinetuch gefertigt, reichte er bis unterhalb des Gesäßes und wurde mit acht Frontknöpfen geschlossen. Der charakteristische dunkelgrüne Kragen unterschied ihn vom Feldbluse. Er besaß keine Außentaschen, dafür einen rückwärtigen Schlitz bis zur Taille mit dreieckigen Taschenklappen an jedem hinteren Schoßteil. Das steingraue Seidenfutter und die handgenähte Metallfaden-Stickerei des Brustadlers auf dunkelgrüner Tuchunterlage zeugen von der hohen handwerklichen Qualität.
Die Waffenfarbe Schwarz kennzeichnete Wilkens als Angehörigen der Pioniertruppen, der Pioniere des Heeres. Diese Kampfingenieure galten als “Sturmsoldaten zuerst, Bautrupps zweitens” und wurden zur Unterscheidung von der Infanterie (weiß) als “schwarz Pioniere” bezeichnet. Die schwarze Waffenfarbe zeigte sich an den metallgewebten Kragenspiegeln, den Ärmelpatten, den Schulterstücken und den seitlichen Biesen der steinfarbenen Hose.
Das Pionier-Bataillon 20 wurde am 1. Oktober 1934 als Pionier-Bataillon Sperenberg im Zuge der Wehrmacht-Expansion aufgestellt, durch Teilung des 2. (Preußischen) Pionier-Bataillons. Am 15. Oktober 1935 erfolgte die Umbenennung in Pionier-Bataillon 20. Die Garnison befand sich in Hamburg-Harburg, Wehrkreis X, und das Bataillon war der 20. Infanterie-Division unterstellt. Die Ersatzgestellung erfolgte durch das Pionier-Ersatz-Bataillon 20 in Hamburg-Harburg.
Wilkens' Uniform datiert vom 4. November 1938 und fällt damit in die Periode zwischen der Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938, an der die 20. Infanterie-Division als Teil des XVI. Armeekorps teilnahm, und dem Polenfeldzug vom September 1939. Die an der Brust angebrachten Auszeichnungen – das Schutzwall-Ehrenzeichen und das Infanteriesturmabzeichen in Silber – bezeugen seinen weiteren Dienst bis mindestens 1939-40.
Das Schutzwall-Ehrenzeichen wurde am 2. August 1939 gestiftet für jene, die zwischen dem 15. Juni 1938 und dem 31. März 1939 an den deutschen Westbefestigungen gearbeitet hatten. Am 13. November 1939 wurde die Berechtigung auf Wehrmacht-Angehörige ausgedehnt, die mindestens zehn Wochen am Westwall Dienst geleistet hatten. Bis zum 31. Januar 1941 wurden 622.064 Verleihungen vorgenommen, bis Kriegsende über 800.000 einschließlich der Wiederverleihungen von 1944.
Das Infanteriesturmabzeichen in Silber wurde am 20. Dezember 1939 für Infanteristen gestiftet, die nach dem 1. Januar 1940 an drei Sturmangriffen oder drei Tagen Frontkampf teilgenommen hatten. Es wurde in sehr großen Stückzahlen von zahlreichen Herstellern produziert.
Der Waffenrock wurde bei Paraden, Wachdienst und zeremoniellen Anlässen getragen. Als große Galauniform kombinierte man ihn mit Achselschnur, Orden, Schirmmütze, Handschuhen und dem Einheitssäbel für Offiziere und Unteroffiziere (mit Portepee) oder Seitengewehr für Mannschaften. Zu Wilkens' Ensemble gehört ein Einheitssäbel vom Hersteller WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Cie.), Solingen, mit Messinggefäß, schwarzem Bakellitgriff mit silberner Wicklung und vernickelter Klinge.
Die Schirmmütze wurde vom Hersteller Clemens Wagner gefertigt und zeigt die für Unteroffiziere typische hohe, elegante Sattelform aus feiner Tuchqualität mit Hoheitsadler und Eichenlaubkranz in Aluminiumausführung sowie schwarzem Lacklederriemen. Die Größe beträgt etwa 58.
Im März 1940 wurde die Produktion und Ausgabe des Waffenrocks aus kriegswirtschaftlichen Gründen eingestellt. Bereits im Juli 1937 war die Feldbluse mit Vorstößen als Alternative für die meisten Anlässe außer großen Paraden eingeführt worden.
Das Ensemble blieb bis zu seinem Verkauf im direkten Hamburger Familienbesitz und wird durch ein gerahmtes Portraitfoto von Feldwebel Wilkens in exakt dieser Uniform sowie ein großes Ölgemälde (66 x 87 cm) ergänzt, das von Robert Haas signiert und auf 1942 datiert ist. Diese persönlichen Dokumente unterstreichen die historische Authentizität dieses außergewöhnlichen Ensembles aus der Frühphase der Wehrmacht.