Kaiserliche Marine dunkelblaue Messejacke für den Leutnant zur See «Picht»

Um 1910. Elegante Messejacke, Tuch in feinster Offiziersqualität, komplett mit allen Effekten, auf dem Ärmel die Rangstreifen als Leutnant zur See, darüber die vergoldeten Kaiserkronen, vergoldete Knöpfe mit dem gekrönten Anker, komplett mit der kleinen Knopfschließe mit Kettchen. Innen mit schwarzem Seidenfutter, im Nackenbereich das Namensetikett «Picht». Sehr schön erhalten, Zustand 2+.
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2.500,00

Kaiserliche Marine dunkelblaue Messejacke für den Leutnant zur See «Picht»

Die Messejacke der Kaiserlichen Marine aus dem frühen 20. Jahrhundert repräsentiert einen bedeutenden Teil der deutschen Marinetraditionen und der Offizierskultur im Kaiserreich. Diese elegante Jacke aus dunkelblauem Tuch in feinster Offiziersqualität war Teil der gesellschaftlichen Garderobe eines Leutnants zur See und wurde zu besonderen Anlässen in der Offiziermesse getragen.

Die Kaiserliche Marine, gegründet unter Kaiser Wilhelm I. und massiv ausgebaut unter Kaiser Wilhelm II., entwickelte sich zwischen 1871 und 1918 zu einer der mächtigsten Seestreitkräfte der Welt. Die Uniformvorschriften der Marine waren streng geregelt und spiegelten die hierarchische Struktur sowie den Stolz der Seeoffiziere wider. Die Messejacke unterschied sich von der Dienstuniform durch ihre elegantere Ausführung und wurde speziell für gesellschaftliche Anlässe, Dinners und Empfänge in der Offiziermesse konzipiert.

Die Rangabzeichen des Leutnants zur See bestanden aus spezifischen Ärmelstreifen, die die Position des Trägers in der militärischen Hierarchie deutlich machten. Der Rang des Leutnants zur See entsprach dem Oberleutnant der Armee und wurde durch einen mittleren und einen schmalen Goldstreifen auf den Ärmeln gekennzeichnet. Darüber befanden sich die charakteristischen vergoldeten Kaiserkronen, die das imperiale Symbol der Zugehörigkeit zur kaiserlichen Marine darstellten. Diese Kronen waren ein besonderes Merkmal der deutschen Marineuniform und unterschieden sie von anderen europäischen Seestreitkräften.

Die vergoldeten Knöpfe mit dem gekrönten Anker waren das offizielle Emblem der Kaiserlichen Marine und symbolisierten die Verbindung zur See sowie die Treue zur Krone. Diese Knöpfe wurden in hoher Qualität gefertigt und waren oft vergoldet oder aus Messing mit Goldauflage. Die kleine Knopfschließe mit Kettchen am Kragen war ein weiteres charakteristisches Detail der Offiziersuniform und diente sowohl funktionalen als auch dekorativen Zwecken.

Das schwarze Seidenfutter im Inneren der Jacke zeugt von der hohen Qualität und dem Status, den diese Uniformstücke repräsentierten. Offiziere der Kaiserlichen Marine mussten ihre Uniformen selbst finanzieren, was bedeutete, dass nur Angehörige wohlhabender Familien sich eine Offizierskarriere leisten konnten. Die Verwendung hochwertiger Materialien wie feinstem Tuch und Seidenfutter war Standard für Offiziersuniformen dieser Zeit.

Das Namensetikett im Nackenbereich mit der Bezeichnung “Picht” gibt einen Hinweis auf den ursprünglichen Träger oder möglicherweise den Schneider dieser Jacke. Die Personalisierung von Uniformstücken durch Namensetiketten war üblich und half bei der Identifizierung in der Garderobe der Offiziermesse oder bei der Reinigung.

Die Zeit um 1910 war eine besonders bedeutsame Periode für die Kaiserliche Marine. Unter Admiral Alfred von Tirpitz wurde die Hochseeflotte massiv ausgebaut, was zum maritimen Wettrüsten mit Großbritannien führte. Die Marine genoss hohes gesellschaftliches Ansehen, und ihre Offiziere galten als Elite des Kaiserreichs. Die Offiziermesse war der soziale Mittelpunkt des Bordlebens und ein Ort, an dem Traditionen gepflegt und die Kameradschaft gestärkt wurde.

Die Messejacke wurde typischerweise zu formellen Anlässen über einer weißen Hemdbrust mit Fliege oder Krawatte getragen. Sie war Teil eines kompletten Ensembles, das auch entsprechende Hosen, Schuhe und gegebenenfalls weitere Accessoires umfasste. Das dunkelblaue Tuch war praktisch und repräsentativ zugleich – es verbarg Verschmutzungen besser als hellere Farben und entsprach der maritimen Tradition dunkler Uniformfarben.

Die handwerkliche Qualität dieser Uniformstücke war außerordentlich hoch. Spezialisierte Militärschneider fertigten diese Jacken nach Maß und unter Beachtung strenger Vorschriften. Jedes Detail, von der Platzierung der Rangabzeichen bis zur Qualität der Nähte, musste den militärischen Standards entsprechen. Die Erhaltung dieser Jacke in sehr gutem Zustand über mehr als ein Jahrhundert hinweg spricht für die außergewöhnliche Verarbeitung und Materialqualität.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Kaiserlichen Marine 1918 wurden viele dieser Uniformstücke zu historischen Erinnerungsstücken. Sie dokumentieren eine untergegangene Epoche deutscher Marinegeschichte und sind heute wichtige Zeugnisse der militärischen und gesellschaftlichen Kultur des Kaiserreichs. Solche Objekte ermöglichen es modernen Betrachtern, die Ästhetik, Hierarchie und Werte einer vergangenen militärischen Elite zu verstehen.