Führungszeugnis von einem Musketier, 

Führungszeugnis für den Musketier Peter Donker von der 3. Komp Inf. Reg. Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Ostfriesisches) Nr. 78, ausgestellt 1906, mehrfach gefaltet, Zustand 2-
468015
15,00

Führungszeugnis von einem Musketier, 

Führungszeugnis eines Musketiers aus dem Infanterie-Regiment Nr. 78

Das vorliegende Führungszeugnis aus dem Jahr 1906 dokumentiert die militärische Laufbahn des Musketiers Peter Donker, der in der 3. Kompanie des Infanterie-Regiments Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Ostfriesisches) Nr. 78 diente. Solche Dokumente stellen wichtige Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärverwaltung des Kaiserreichs dar und gewähren Einblicke in das Leben einfacher Soldaten um die Jahrhundertwende.

Das Infanterie-Regiment Nr. 78

Das Infanterie-Regiment Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig trug den offiziellen Namen als Erinnerung an den Braunschweiger Herzog, der im Befreiungskrieg 1815 bei Quatre-Bras fiel. Die Bezeichnung “Ostfriesisches” verwies auf das Rekrutierungsgebiet des Regiments in Ostfriesland. Das Regiment wurde 1866 im Zuge der Heeresreform nach dem Deutschen Krieg aufgestellt und war Teil des X. Armee-Korps mit Standort in Hannover. Die Regimentsgeschichte war eng mit der Integration der hannoverschen Truppen in die preußische Armee nach 1866 verbunden, als das Königreich Hannover von Preußen annektiert wurde.

Das Regiment Nr. 78 hatte seine Garnisonen in verschiedenen ostfriesischen und niedersächsischen Städten, darunter Nienburg, Osterode und Duderstadt. Die Kompanien waren häufig auf verschiedene Standorte verteilt, was die Verwaltung und Dokumentation der Mannschaften erforderlich machte.

Führungszeugnisse im deutschen Militärwesen

Ein Führungszeugnis war ein offizielles Dokument, das einem Soldaten bei seiner Entlassung aus dem aktiven Militärdienst ausgestellt wurde. Es dokumentierte seine Dienstzeit, sein Verhalten, seine Leistungen und seine militärischen Fähigkeiten. Diese Dokumente waren von erheblicher Bedeutung für das spätere zivile Leben des Soldaten, da sie bei Bewerbungen um Anstellungen im öffentlichen Dienst oder in privaten Unternehmen vorgelegt werden mussten.

Die rechtliche Grundlage für solche Dokumente bildete die Allgemeine Dienstordnung für die Armee sowie verschiedene Heeresverordnungen. In der Regel enthielt ein Führungszeugnis Angaben über:

- Die genaue Bezeichnung der Einheit
- Name, Geburtsort und Geburtsdatum des Soldaten
- Dienstgrad und Dienststellung
- Dauer der Dienstzeit
- Beurteilung der Führung (Verhalten, Disziplin)
- Besondere Vorkommnisse oder Auszeichnungen
- Militärische Befähigung und Verwendbarkeit
- Gesundheitszustand bei der Entlassung

Der Dienstgrad des Musketiers

Der Musketier war im preußisch-deutschen Heer die Bezeichnung für den einfachen Infanteristen ohne Rang in Regimentern, die nicht als Füsiliere oder Grenadiere bezeichnet wurden. Der Begriff stammte aus der Zeit der Musketen als Hauptbewaffnung der Infanterie und wurde traditionell beibehalten, obwohl die Bewaffnung längst auf moderne Repetiergewehre umgestellt hatte. Im Jahr 1906 war das Gewehr 98 bereits eingeführt, das die Infanterie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs begleiten sollte.

Die Dienstzeit für einen Musketier betrug in der Regel zwei Jahre aktiven Dienst, gefolgt von mehreren Jahren in der Reserve und später in der Landwehr. Die Ausbildung umfasste Drill, Schießübungen, taktische Ausbildung und die Einübung der damals modernen Gefechtstaktiken.

Die militärische Situation um 1906

Das Jahr 1906 fiel in eine relativ friedliche Periode des Deutschen Kaiserreichs, zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. Die Armee wurde dennoch kontinuierlich modernisiert und erweitert. Die Flottenrüstung unter Admiral von Tirpitz war in vollem Gange, und die außenpolitischen Spannungen, insbesondere mit Frankreich und England, nahmen zu.

Für die einfachen Soldaten bedeutete diese Zeit einen streng geregelten militärischen Alltag mit intensiven Ausbildungen, Manövern und Garnisonsdienst. Die preußische Disziplin und der militärische Drill waren legendär und prägten eine ganze Generation junger Männer, die durch den Militärdienst gingen.

Bedeutung als historisches Dokument

Führungszeugnisse wie dieses sind wichtige personalgeschichtliche Quellen, die Aufschluss über Einzelschicksale geben und die unpersönliche Militärgeschichte mit menschlichen Gesichtern versehen. Sie dokumentieren die bürokratische Präzision des deutschen Militärwesens und sind heute für genealogische Forschungen sowie für die Regional- und Sozialgeschichte von Bedeutung.

Die mehrfache Faltung des Dokuments deutet darauf hin, dass es vom Inhaber persönlich aufbewahrt und möglicherweise häufig bei Behördengängen vorgelegt wurde. Solche Dokumente wurden oft ein Leben lang aufbewahrt und an nachfolgende Generationen weitergegeben, als Zeugnis der Dienstzeit und manchmal auch als Stolz auf die erfüllte militärische Pflicht.