Heer - Originalunterschrift vom späteren Ritterkreuzträger General der Infanterie Karl Weisenberger

auf einem Auswertungsblatt der Wehrkreisprüfung 1932, ausgestellt im Reichswehrministerium Heeresausbildungsabteilung Berlin 1.7.1932 mit sehr schöner Kopierstiftsignatur " Weisenberger "; zweimal gefaltet.
General der Infanterie Karl Weisenberger bekam am 29.6.1940 das Ritterkreuz verliehen und war ab dem 30.11.1941 Kommandierender General des XXXVI. Gebirgs-Armeekorps.
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Heer - Originalunterschrift vom späteren Ritterkreuzträger General der Infanterie Karl Weisenberger

Das vorliegende Dokument aus dem Jahr 1932 stellt ein bemerkenswertes Zeitzeugnis aus der Übergangsphase der deutschen Militärgeschichte dar – jener entscheidenden Periode zwischen der Reichswehr der Weimarer Republik und der späteren Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschlands. Es handelt sich um ein Auswertungsblatt der Wehrkreisprüfung 1932, ausgestellt vom Reichswehrministerium, Heeresausbildungsabteilung in Berlin, und trägt die Originalunterschrift des damaligen Offiziers Karl Weisenberger, der später zum General der Infanterie aufsteigen und eine bedeutende Rolle im Zweiten Weltkrieg spielen sollte.

Die Wehrkreisprüfungen waren ein wesentlicher Bestandteil des Ausbildungs- und Bewertungssystems der Reichswehr. Nach dem Ersten Weltkrieg und den restriktiven Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 war die deutsche Armee auf 100.000 Mann begrenzt. Diese drastische Verkleinerung führte zu einer hochselektiven Offiziersauswahl und einem intensiven Ausbildungssystem. Die Wehrkreise, als territoriale Gliederungseinheiten der Reichswehr, führten regelmäßige Prüfungen durch, um die Qualifikation und Eignung der Offiziere für höhere Kommandofunktionen zu bewerten.

Das Dokument stammt aus dem Jahr 1932, einem Jahr von enormer politischer Bedeutung für Deutschland. Die Weimarer Republik befand sich in ihrer Endphase, und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spannungen erreichten einen Höhepunkt. In diesem Kontext arbeitete die Reichswehr unter der Leitung von General Kurt von Schleicher und anderen an der Modernisierung und heimlichen Erweiterung ihrer Kapazitäten, oft unter Umgehung der Versailler Bestimmungen.

Die Kopierstiftsignatur, die auf dem Dokument zu finden ist, war zu dieser Zeit die übliche Methode zur Dokumentenauthentifizierung. Kopierstifte, auch Tintenstifte genannt, enthielten Farbstoffe, die sich durch Feuchtigkeit vervielfältigen ließen und somit eine primitive Form der Dokumentenduplizierung ermöglichten. Die Verwendung solcher Stifte für offizielle Unterschriften war in der militärischen Bürokratie der 1920er und 1930er Jahre Standard.

Karl Weisenberger (1890-1964) war 1932 bereits ein erfahrener Offizier mit Fronterfahrung aus dem Ersten Weltkrieg. Seine Karriere in der Reichswehr entwickelte sich stetig, und die Wehrkreisprüfung von 1932 war Teil seines weiteren beruflichen Aufstiegs. Am 29. Juni 1940, nach den erfolgreichen deutschen Operationen im Westfeldzug, wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen – eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des nationalsozialistischen Deutschlands.

Ab dem 30. November 1941 übernahm Weisenberger die Position des Kommandierenden Generals des XXXVI. Gebirgs-Armeekorps. Diese Einheit war hauptsächlich im Nordabschnitt der Ostfront eingesetzt, insbesondere in Finnland und Nordnorwegen. Das XXXVI. Gebirgs-Armeekorps spielte eine wichtige Rolle in den Operationen gegen die Sowjetunion in der arktischen Region, wo extreme Wetterbedingungen und schwieriges Gelände besondere Anforderungen an Führung und Logistik stellten.

Dokumente wie dieses Auswertungsblatt sind für die militärhistorische Forschung von besonderem Wert. Sie bieten Einblicke in die bürokratischen Strukturen, Ausbildungsmethoden und Karrierewege der deutschen Militärelite. Die zweifache Faltung des Dokuments deutet darauf hin, dass es möglicherweise in persönlichen Unterlagen aufbewahrt oder per Post versandt wurde – eine typische Behandlung solcher Verwaltungsdokumente.

Die Tatsache, dass ein relativ routinemäßiges Verwaltungsdokument aus dem Jahr 1932 erhalten geblieben ist, unterstreicht die sorgfältige Archivierung militärischer Unterlagen und das spätere Interesse von Sammlern an der Dokumentation individueller Militärkarrieren. Für Sammler von Militaria sind solche Dokumente besonders wertvoll, wenn sie mit späteren bedeutenden militärischen Karrieren verbunden werden können, wie im Fall Weisenbergers, der zum Ritterkreuzträger wurde.

Das Reichswehrministerium in Berlin, von dem dieses Dokument ausgestellt wurde, war die zentrale Verwaltungsbehörde für alle militärischen Angelegenheiten der Weimarer Republik. Die Heeresausbildungsabteilung war speziell für die Standardisierung und Überwachung der Ausbildung im gesamten Heer zuständig. Diese zentralisierte Kontrolle ermöglichte es der Reichswehr, trotz ihrer zahlenmäßigen Beschränkungen, eine hochqualifizierte und professionelle Streitmacht zu unterhalten.

Zusammenfassend repräsentiert dieses Dokument mehr als nur eine einfache Unterschrift. Es ist ein Fenster in eine entscheidende Übergangszeit der deutschen Militärgeschichte, ein Zeugnis der bürokratischen Systeme der Reichswehr und ein materieller Beweis für die frühe Karriere eines Offiziers, der später in einem der verheerendsten Konflikte der Menschheitsgeschichte eine bedeutende Rolle spielen sollte.