Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Aluminium, rückseitig mit Splint. Höhe 3,9 cm. Zustand 2
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75,00

Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Die vorliegende Kokarde für die Schirmmütze der Mannschaften aus dem Zaristischen Russland stellt ein bedeutendes Beispiel militärischer Rangabzeichen und Uniformausstattung der kaiserlich-russischen Armee dar. Dieses Objekt aus Aluminium mit einer Höhe von 3,9 cm und rückseitiger Splintbefestigung verkörpert die Tradition und Organisation des russischen Militärwesens in der Spätphase des Romanow-Reiches.

Die russische Kokarde entwickelte sich aus einer langen Tradition europäischer militärischer Kennzeichnung. Unter Zar Peter dem Großen (1682-1725) begann die systematische Modernisierung der russischen Armee nach westeuropäischem Vorbild. Die charakteristischen Farben der russischen Kokarde - Schwarz, Orange und Weiß - wurden offiziell unter Zar Paul I. im Jahr 1797 als nationale Farben etabliert. Diese Farbgebung symbolisierte den russischen Doppeladler: Schwarz für den Adler selbst, Orange (Gold) für den Hintergrund und Weiß für den heiligen Georg.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Kokarde zu einem unverzichtbaren Bestandteil der militärischen Kopfbedeckung. Die Schirmmütze (russisch: фуражка, Furaschka) wurde zur Standardkopfbedeckung für die russische Armee und ersetzte zunehmend ältere Formen wie Tschakos und Pickelhauben. Die Verwendung von Aluminium für Kokarden markierte einen wichtigen technologischen Fortschritt in der Militärausstattung. Dieses leichte Metall wurde erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in größerem Umfang verfügbar und ermöglichte die Massenproduktion haltbarer, aber kostengünstiger Uniformbestandteile.

Die hier beschriebene Kokarde war speziell für Mannschaften bestimmt, also für die einfachen Soldaten ohne Offiziersrang. Dies spiegelt sich in der Materialwahl und der relativ einfachen Ausführung wider. Offiziere trugen häufig aufwendigere Kokarden aus vergoldeten oder versilberten Materialien, während die Mannschaftsausführungen funktionaler und kostengünstiger hergestellt wurden. Die Splintbefestigung auf der Rückseite war ein praktisches System, das eine sichere Befestigung an der Stoffmütze ermöglichte und bei Bedarf einen Austausch erlaubte.

Die organisatorische Struktur der zaristischen Armee war streng hierarchisch gegliedert. Um 1900 umfasste die kaiserlich-russische Armee in Friedenszeiten etwa 1,1 Millionen Mann, die sich im Kriegsfall durch das Reservesystem auf über 4 Millionen erhöhen konnte. Die einheitliche Kennzeichnung durch Kokarden war essentiell für die Unterscheidung von Ranggruppen und militärischen Funktionen. Die Schirmmütze mit Kokarde wurde sowohl im Dienst als auch bei bestimmten Ausgehanlässen getragen.

In der Zeit von etwa 1881 bis 1917 unter den Zaren Alexander III. und Nikolaus II. erreichte die standardisierte Uniformierung der russischen Armee ihren Höhepunkt. Die Kokarde wurde zum allgegenwärtigen Symbol staatlicher und militärischer Autorität. Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) trugen Millionen russischer Soldaten solche Kokarden an ihren Schirmmützen, als sie an der Ostfront gegen die Mittelmächte kämpften.

Die Februarrevolution 1917 markierte das Ende der Romanow-Dynastie und damit auch das Ende der traditionellen zaristischen Militärsymbole. Nach der Oktoberrevolution und dem Sieg der Bolschewiki wurden die alten Kokarden durch neue sowjetische Symbole ersetzt - zunächst durch den roten Stern. Viele Soldaten entfernten demonstrativ die zaristischen Kokarden von ihren Mützen als Zeichen der Ablehnung der alten Ordnung.

Heute sind solche Kokarden begehrte Sammlerobjekte, die wichtige Zeugnisse der russischen Militärgeschichte darstellen. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der kaiserlichen Armee, sondern auch die sozialen Hierarchien und die technologische Entwicklung ihrer Zeit. Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert erheblich, abhängig von Lagerungsbedingungen und Nutzungsintensität. Die Aluminiumausführungen haben oft besser überdauert als Objekte aus korrosionsanfälligeren Materialien.

Für Sammler und Historiker bieten diese Kokarden Einblicke in die Uniformreglements und die Organisation der zaristischen Armee. Sie ergänzen unser Verständnis einer Epoche, die mit dem Zusammenbruch des russischen Kaiserreiches dramatisch endete und den Weg für die sowjetische Ära ebnete.

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