Kriegsmarine Satz Lampassen für den Gesellschaftsanzug

, goldene Lampassen für die lange dunkelblaue Hose, von der Uniform abgetrennt, Länge ca. 110 und 115 cm, getragen, Vergoldung an einigen Stellen verblasst, Zustand 3
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Kriegsmarine Satz Lampassen für den Gesellschaftsanzug

Kriegsmarine Lampassen für den Gesellschaftsanzug: Insignien des Offizierskorps der deutschen Marine 1935-1945

Die goldenen Lampassen für die lange dunkelblaue Hose des Gesellschaftsanzugs der Kriegsmarine repräsentieren einen wesentlichen Bestandteil der offiziellen Ausgehuniformen des deutschen Marineoffizierskorps während der Zeit des Dritten Reiches. Diese schmalen, goldenen Streifen, die an den Außennähten der dunkelblauen Uniformhose angebracht wurden, dienten nicht nur als dekoratives Element, sondern vor allem als Rangabzeichen und Symbol der Zugehörigkeit zum Offiziersstand.

Historischer Kontext und Uniformentwicklung

Mit der offiziellen Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine am 1. Juni 1935 durch Adolf Hitler erfolgte auch eine umfassende Neuordnung der Uniformvorschriften. Die Kriegsmarine knüpfte dabei bewusst an die Traditionen der Kaiserlichen Marine an, wobei der Gesellschaftsanzug eine der prestigeträchtigsten Uniformvarianten darstellte. Diese Uniform wurde zu repräsentativen Anlässen, offiziellen Empfängen, gesellschaftlichen Veranstaltungen und feierlichen Zeremonien getragen.

Die Uniformvorschriften der Kriegsmarine, die in mehreren Ausgaben zwischen 1935 und 1944 herausgegeben wurden, regelten detailliert die Anfertigung und Tragweise aller Uniformbestandteile. Der Gesellschaftsanzug bestand aus einem dunkelblauen Waffenrock mit Stehkragen, der langen dunkelblauen Hose mit goldenen Lampassen sowie verschiedenen Accessoires wie Portepee und weißen Handschuhen.

Fertigung und Material

Die Lampassen wurden aus vergoldetem Metallgespinst oder vergoldetem Metallfaden gefertigt, der auf ein Trägergewebe gewebt wurde. Die Herstellung erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenfabriken, die strenge Qualitätsstandards einhalten mussten. Die typische Breite der Offizierslampass betrug etwa 3-4 mm für Seeoffiziere und konnte je nach Rang variieren. Admirale trugen breitere Lampassen als einfache Leutnants zur See.

Die Länge der Lampassen, wie im beschriebenen Objekt mit etwa 110-115 cm angegeben, entspricht der typischen Hosennahtlänge und reichte vom Hosenbund bis zum unteren Saum. Die Lampassen wurden von Militärschneidern fachmännisch aufgenäht, wobei besonderer Wert auf eine exakte Ausrichtung entlang der Außennaht gelegt wurde.

Rangkennzeichnung und Trageweise

Die goldenen Lampassen am Gesellschaftsanzug waren ausschließlich Offizieren vorbehalten. Während die Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere keine Lampassen trugen, markierten diese goldenen Streifen die klare Trennung zwischen dem Offizierskorps und den übrigen Dienstgraden. Diese Tradition ging auf die preußisch-deutschen Militärtraditionen des 19. Jahrhunderts zurück, wo Lampassen bereits bei der Kavallerie und später auch bei der Marine üblich waren.

Der Große Gesellschaftsanzug unterschied sich vom kleinen Gesellschaftsanzug durch zusätzliche Orden und Ehrenzeichen sowie durch die Verwendung des Degens anstelle des Seitengewehrs. Beide Varianten verfügten jedoch über die charakteristischen goldenen Lampassen.

Erhaltungszustand und Sammlerwert

Das beschriebene Objekt zeigt typische Gebrauchsspuren: Die Vergoldung ist an einigen Stellen verblasst, was auf reguläre Tragezeit und natürliche Alterungsprozesse hindeutet. Die Tatsache, dass die Lampassen von der Uniform abgetrennt wurden, ist ein häufiges Phänomen bei historischen Militaria. Oft wurden Uniformen nach Kriegsende zerlegt, entweder um einzelne Bestandteile zu bewahren oder um kompromittierende Uniformstücke unkenntlich zu machen.

Die leicht unterschiedlichen Längen von 110 und 115 cm sind normal, da die Lampassen der linken und rechten Hosennaht aufgrund der menschlichen Anatomie und der Schnittführung geringfügig variieren konnten. Auch die Anpassung an die individuelle Körpergröße des Trägers spielte eine Rolle.

Nachkriegszeit und museale Bedeutung

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches im Mai 1945 wurde das Tragen von Kriegsmarine-Uniformen verboten. Viele Uniformstücke wurden vernichtet, versteckt oder ihrer Insignien beraubt. Überlebende Stücke wie diese Lampassen sind heute wichtige Zeugnisse der Marinegeschichte und werden von Museen, Sammlern und Forschungseinrichtungen bewahrt.

Für die militärhistorische Forschung bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur der Kriegsmarine, die Herstellungstechniken der Zeit und die sozialen Hierarchien innerhalb der militärischen Organisation. Sie dokumentieren die Kontinuität preußisch-deutscher Militärtraditionen ebenso wie die spezifischen Ausprägungen der nationalsozialistischen Ära.

Die Lampassen des Gesellschaftsanzugs verkörpern somit ein kleines, aber bedeutsames Detail der umfassenden Uniformkultur der deutschen Kriegsmarine – ein stummes Zeugnis einer untergegangenen militärischen Ordnung und ihrer zeremoniellen Repräsentation.