Kaiserliche Marine Siegel/Petschaft "Darranlage Kiel"

Bleikern mit Messingmantel, rückseitig mit Dorn, am Rand markiert "R XIII 1509". Zustand 2.
Die Darranlage Kiel war am Kieler Seefischmarkt eine Trocknungsanlage zum Trocknen von Fischabfällen zur Herstellung von Fischmehl.

Restbestand aus dem ehemaligen Reichsmarineamt, um 1919.


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220,00

Kaiserliche Marine Siegel/Petschaft "Darranlage Kiel"

Dieser offizielle Siegelstempel der Kaiserlichen Marine dokumentiert einen bemerkenswerten Aspekt der deutschen Marinebürokratie während des Ersten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Petschaft trägt die Aufschrift “Darranlage Kiel” und verweist auf eine Trocknungsanlage am Kieler Seefischmarkt, die zur Trocknung von Fischabfällen zur Herstellung von Fischmehl diente.

Die Konstruktion des Siegels folgt einem standardisierten Produktionsverfahren, das für zahlreiche Einrichtungen der kaiserlichen Kriegsmarine verwendet wurde: Ein Bleikern mit Messingmantel und einer rückseitigen Dornbefestigung ermöglichte die Anbringung an Dokumenten. Die Randmarkierung “R XIII 1509” identifiziert das Stück innerhalb eines umfangreichen Nummerierungssystems des Reichsmarineamts. Vergleichbare Exemplare mit ähnlichen R XIII-Nummern existieren für Marineinfanterieregimenter, Hilfskriegsschiffe und verschiedene Marinebefehle, wobei dokumentierte Nummern von mindestens 583 bis 1509 reichen. Dies deutet auf eine systematische Produktion von Hunderten verschiedener Stempel für die vielfältigen Einheiten und Einrichtungen der Marine hin.

Das Reichsmarineamt, das von 1889 bis 1919 als zentrale Verwaltungsbehörde der deutschen Kaiserlichen Marine fungierte, ließ diese Petschafte für den offiziellen Verwaltungsgebrauch herstellen. Die Darranlage Kiel stand unter der administrativen Zuständigkeit der Kaiserlichen Marine und war Teil der umfangreichen Marineinfrastruktur, die den Marinestützpunkt Kiel unterstützte, einen der bedeutendsten deutschen Marinestützpunkte jener Epoche.

Der praktische Einsatz solcher Siegelstempel war im militärischen Verwaltungswesen des frühen 20. Jahrhunderts von grundlegender Bedeutung. Das Petschaft wurde in Siegelwachs gedrückt, um offizielle Dokumente, Briefe und Verwaltungskorrespondenz der Einrichtung zu authentifizieren. Diese Versiegelung diente nicht nur der Identifizierung der ausstellenden Behörde, sondern garantierte auch die Unversehrtheit und Authentizität amtlicher Marinedokumente während ihrer Übermittlung.

Das Gebiet am Kieler Seefischmarkt, wo sich die Darranlage befand, hatte eine komplexe maritime Geschichte. Ursprünglich war dort die Werft Stocks & Kolbe ansässig. Ab 1938 gehörte das Areal zur Reichswerft, die dort eine Torpedowerkstatt einrichtete. Die Darranlage selbst war während des Ersten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit unter der Jurisdiktion der Kaiserlichen Marine aktiv und unterstützte die umfangreichen Marineoperationen in Kiel.

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Auflösung der Kaiserlichen Marine im Jahr 1919 wurde dieses Petschaft Teil des Restbestands aus dem ehemaligen Reichsmarineamt. Viele offizielle Siegel und Stempel wurden um 1919 als Überschussbestand verstreut, als die jahrhundertealte Institution der deutschen Kriegsmarine ihr Ende fand. Diese Objekte wurden zu stummen Zeugen einer untergegangenen Epoche deutscher Marinegeschichte.

Das Seefischmarkt-Gebiet selbst erfuhr nach 1945 unter britischer Besatzung eine bedeutende Transformation. Im Jahr 1948 wurde die Seefischmarkt GmbH gegründet, um Kiel als Fischereihafen zu etablieren. Das Areal blieb bis in die 1970er Jahre in der Fischverarbeitung aktiv, bevor es in ein Technologie- und Forschungsquartier umgewandelt wurde. Heute beherbergt der Seefischmarkt das GEOMAR-Meeresforschungszentrum und andere wissenschaftliche Einrichtungen, wodurch die maritime Tradition des Ortes in veränderter Form fortbesteht.

Dieses Petschaft repräsentiert somit nicht nur ein bürokratisches Verwaltungsinstrument, sondern dokumentiert die weitreichende Organisation und Infrastruktur der Kaiserlichen Marine, die selbst spezialisierte Einrichtungen wie Fischmehlproduktionsanlagen in ihr administratives System integrierte. Es ist ein seltenes Zeugnis der oft übersehenen logistischen und wirtschaftlichen Aspekte maritimer Militäroperationen im frühen 20. Jahrhundert.

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