Dieser außergewöhnlich vollständige Ordensnachlass dokumentiert den Kampfweg eines Offiziers der Wehrmacht, dessen Dienst in einer der traditionsreichsten Divisionen des deutschen Heeres ihn durch die brutalsten Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs führte. Im Mittelpunkt steht das Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer, eine der prestigeträchtigsten und seltensten Auszeichnungen der Wehrmacht, die den persönlichen Mut eines Soldaten im Nahkampf gegen feindliche Panzerfahrzeuge würdigte.
Das Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen
Dieses Abzeichen wurde am 9. März 1942 auf Anordnung Adolf Hitlers durch das Oberkommando des Heeres (OKH) gestiftet. Es war eine direkte Reaktion auf die Unzulänglichkeit der deutschen Panzerabwehrwaffen gegenüber sowjetischer Panzerung, insbesondere dem T-34, während der Winterkämpfe 1941/42. Einzelne Soldaten waren gezwungen, feindliche Panzer mit improvisierten Nahkampfmitteln zu bekämpfen – eine Aufgabe, die höchsten persönlichen Mut erforderte.
Das Abzeichen wurde in zwei Klassen verliehen: Die Silberne Klasse (mit schwarzem Panzer) wurde für jede einzelne Panzervernichtung verliehen, während die am 18. Dezember 1943 eingeführte Goldene Klasse für die Vernichtung von fünf Panzern vergeben wurde und vier silberne Abzeichen ersetzte. Das im vorliegenden Nachlass enthaltene Stück gehört zur silbernen Klasse.
Die Verleihungsvoraussetzungen waren streng definiert: Nur Soldaten, die eigenhändig einen feindlichen Panzer oder ein gepanzertes Fahrzeug mit handgeführten Nahkampfwaffen wie Panzerfaust, geballten Ladungen, Handgranaten, Minen oder Panzerbüchsen vernichtet hatten, kamen in Frage. Angehörige von Panzerabwehreinheiten waren ausdrücklich nicht berechtigt. Die Verleihung konnte rückwirkend bis zum 22. Juni 1941, dem Beginn des Unternehmens Barbarossa, erfolgen. Jede Vernichtung musste durch Gefechtsberichte, Zeugenaussagen und Inspektion des Wracks nachgewiesen werden.
Die Träger dieses Abzeichens wurden im Soldatenjargon als „Panzerknacker“ bezeichnet und genossen höchstes Ansehen. Laut Generaloberst Heinz Guderian waren bis Mai 1944 etwa 10.000 Abzeichen verliehen worden, bis Kriegsende stieg diese Zahl auf rund 14.000.
Physisch bestand das Abzeichen aus einem rechteckigen, etwa 88–90 mm langen und 32–33 mm breiten Ärmelabzeichen mit einer Unterlage aus silbernem Aluminiumgespinst und zwei schwarzen Querstreifen. Die aufgesetzte Panzersilhouette eines Panzer IV (etwa 42–43 mm × 18 mm) war mit drei Krampen auf einer Rückenplatte befestigt. Das vorliegende Exemplar zeichnet sich durch einen brünierten, nicht-magnetischen Panzer mit Rückenplatte und ohne Tuchunterlage aus – der nicht-magnetische Werkstoff deutet auf Messing statt Eisen hin.
Die 24. Panzer-Division und das Panzer-Grenadier-Regiment 26
Rittmeister Dadrat diente im Panzer-Grenadier-Regiment 26, das zur 24. Panzer-Division gehörte. Diese Division wurde im November 1941 aus der traditionsreichen 1. Kavallerie-Division gebildet und behielt deren kavalleristische Traditionen bei, einschließlich der goldgelben Waffenfarbe. Ab Juni 1942 kämpfte die Division an der Ostfront und war an der Einnahme von Woronesch beteiligt, bevor sie im Januar 1943 in Stalingrad vernichtet wurde.
Nach ihrer Neuaufstellung im März 1943 diente die Division in der Normandie, in Italien und kehrte an die Ostfront zurück, wo sie unter anderem um Kiew, im Dnjepr-Bogen und in Rumänien kämpfte, einschließlich der Schlacht von Târgu Frumos im Frühjahr 1944.
Der dokumentierte Kampfweg
Der beiliegende Wehrpass, ausgestellt 1938, dokumentiert den gesamten Dienstverlauf bis 1944. Er verzeichnet sämtliche Auszeichnungen in chronologischer Reihenfolge: Eisernes Kreuz 2. Klasse (27. März 1942), Verwundetenabzeichen in Schwarz (15. April 1942), Medaille Winterschlacht im Osten (9. Juli 1942), Allgemeines Sturmabzeichen (22. August 1942), Sonderabzeichen für Panzervernichtung (2. Oktober 1942), Verwundetenabzeichen in Gold (4. Februar 1944) und Eisernes Kreuz 1. Klasse (23. Februar 1944).
Die Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz (für ein bis zwei Verwundungen) und später des Verwundetenabzeichens in Gold (für fünf oder mehr Verwundungen oder schwere Verletzungen) bezeugt die Schwere der Kämpfe. Insgesamt verzeichnet der Wehrpass drei Verwundungen, die letzte am 13. Januar 1944 durch Granatsplitter im linken Unterarm. Die Beförderung zum Rittmeister – ein Rang, der die Kavallerietradition der Division widerspiegelt – erfolgte am 1. Dezember 1944 vorzugsweise. Die letzte verzeichnete Einheit war das Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 413.
Das Allgemeine Sturmabzeichen, gestiftet am 1. Juni 1940 von General Walther von Brauchitsch, wurde für die Teilnahme an drei Sturmangriffen an verschiedenen Tagen an Personal verliehen, das keinen Anspruch auf das Infanterie-Sturmabzeichen hatte. Die Medaille Winterschlacht im Osten, gestiftet am 26. Mai 1942, erforderte unter anderem 14 Tage Kampfeinsatz oder 60 Tage Dienst im Operationsgebiet oder eine Verwundung beziehungsweise Erfrierung an der Ostfront zwischen dem 15. November 1941 und dem 15. April 1942.
Nachkriegsgeschichte
Eine bemerkenswerte Besonderheit des Sonderabzeichens für Panzervernichtung war, dass es kein Hakenkreuz oder andere verbotene Symbole trug. Dadurch durfte es auch nach 1945 weiterhin getragen werden und genoss hohes Ansehen in der Bundeswehr. Die westdeutsche Regierung genehmigte 1957 entnazifizierte Versionen des Verwundetenabzeichens zum Tragen auf Bundeswehruniformen. Das Divisionsabzeichen der 24. Panzer-Division wurde 1956 vom PzAufklBtl.3 der neu geschaffenen Bundeswehr übernommen.
Dieser Nachlass stellt durch seine Vollständigkeit – mit sämtlichen Auszeichnungen, dem lückenlos geführten Wehrpass, der Erkennungsmarke und den Porträtfotos – ein seltenes und historisch bedeutsames Dokument des Fronterlebnisses an der Ostfront dar.