Die Goldene Ehrennadel der Deutschen Arbeitsfront – Nr. 708
Unter den Auszeichnungen des Dritten Reiches nimmt die Goldene Ehrennadel der Deutschen Arbeitsfront (DAF) eine besondere Stellung ein. Sie war nicht primär eine militärische Dekoration, sondern ein Instrument der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Sozialpolitik, das die Verbindung von Arbeit, Ideologie und staatlicher Lenkung in einem einzigen Objekt verkörperte. Das vorliegende Exemplar mit der Verleihungsnummer 708 zeugt von einem System, das die Kontrolle über die deutsche Arbeiterschaft mit der Inszenierung sozialer Harmonie verband.
Die Deutsche Arbeitsfront und der Leistungskampf der deutschen Betriebe
Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde 1933 gegründet und war die einzige zugelassene Gewerkschaftsorganisation im nationalsozialistischen Deutschland. Bis zum Kriegsende zählte die DAF rund 22 Millionen Mitglieder und war damit eine der größten Massenorganisationen des Regimes. Ihre Funktion ging weit über die eines traditionellen Gewerkschaftsverbandes hinaus: Sie diente als Werkzeug zur Gleichschaltung der Arbeiterschaft und zur Propagierung der nationalsozialistischen Weltanschauung in den Betrieben.
Am 29. August 1936 führte die DAF den sogenannten “Leistungskampf der deutschen Betriebe” ein, einen jährlichen Wettbewerb, der die “beste Gestaltung” von Arbeitsplätzen prämierte. Dieser Leistungskampf propagierte soziale Gerechtigkeit gegenüber den Arbeitnehmern und förderte gleichzeitig die Stellung der DAF innerhalb des NS-Machtgefüges. Am 1. September 1936 wurde in diesem Rahmen der Titel “Nationalsozialistischer Musterbetrieb” eingeführt, eine Auszeichnung für vorbildliche Fabriken und Unternehmen.
Verleihungskriterien und Zeremonie
Die Kriterien für die Auszeichnung als Nationalsozialistischer Musterbetrieb waren klar definiert und spiegelten die ideologischen Prioritäten des Regimes wider. Zu den Anforderungen gehörten die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung innerhalb des Betriebes, die Steigerung der Produktivität und des Lebensstandards, die Beachtung der NSDAP-Richtlinien zu Ehe und Familienleben sowie die Erfüllung der Produktionsziele im Rahmen des Vierjahresplans. Die Auszeichnung war somit nicht nur ein wirtschaftliches Gütesiegel, sondern ein ideologisches Bekenntnis.
Die Verleihung durch Adolf Hitler fand jährlich am 1. Mai, dem “Tag der nationalen Arbeit”, statt. Ausgezeichnete Betriebe erhielten das Recht, an jedem 1. Mai eine besondere “Goldene DAF-Fahne” (Musterbetriebsfahne) zu zeigen. Zusätzlich zur Fahne wurde eine Plakette zur Anbringung am Betriebsgebäude verliehen, ein Verleihungsdokument ausgehändigt und dem Betriebsleiter persönlich die Goldene Ehrennadel der DAF überreicht.
Das Abzeichen im Detail
Die Goldene Ehrennadel wurde aus 333er Gold , später in vergoldeter Ausführung gefertigt und zeigt das DAF-Emblem: ein Zahnrad mit Hakenkreuz im Zentrum. Das vorliegende Exemplar trägt rückseitig die Nerleihungsnummer 708 sowie die Herstellerkennung “RZM M1/77”, die den Hersteller Förster & Barth in Pforzheim identifiziert. Das Abzeichen ist an einer langen Tragenadel mit Sicherungshülse mit Federmechanismus befestigt und befindet sich in einem roten Etui, das dem offiziellen Verleihungsetui ähnelt.
Jedes Abzeichen wurde individuell nummeriert, was auf den hohen Stellenwert und die begrenzte Verleihungspraxis hindeutet. Aus den vorliegenden Quellen sind die Nummern 475, 597 und 708 belegt.
Verleihungszahlen und Entwicklung
Im ersten Jahr der Einführung des Titels wurden vermutlich nur 103 Fahnen verliehen. Bis 1940 waren insgesamt 297 Betriebe als Nationalsozialistische Musterbetriebe ausgezeichnet worden, die in den Folgejahren regelmäßig bestätigt wurden. Zu den bekannten Empfängern gehörte die Dorstener Teppichfabrik Stevens & Schürholz (DeKoWe), der am 1. Mai 1939 die “Goldene Fahne” verliehen wurde.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde der Leistungskampf zunächst eingestellt. 1941 wurde er in veränderter Form als “Kriegsmusterbetrieb”-Wettbewerb wieder aufgenommen, wobei auch die Fahne abgeändert wurde.
Das Ende des Systems
Mit der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands 1945 wurden sämtliche NS-Auszeichnungen und -Dekorationen abgeschafft. Die DAF wurde zusammen mit allen anderen nationalsozialistischen Organisationen aufgelöst, und das Zeigen des Hakenkreuzes wurde verboten.
Sammlungshistorische Bedeutung
Die Goldene Ehrennadel der DAF mit der Nummer 708 ist ein bemerkenswertes Sammlerstück, das die Verflechtung von Wirtschaft, Arbeit und Ideologie im Dritten Reich dokumentiert. Als individuell nummerierte Auszeichnung aus Echtgold, verliehen im Rahmen einer aufwendigen staatlichen Zeremonie am 1. Mai, besitzt sie sowohl materiellen als auch historischen Wert. Ihre Herkunft aus der renommierten Pforzheimer Manufaktur Förster & Barth, identifizierbar durch die RZM-Kennung, bestätigt die hohe handwerkliche Qualität, die für Auszeichnungen dieser Kategorie typisch war. Für den Sammler bietet sie einen einzigartigen Einblick in ein weniger bekanntes, aber aussagekräftiges Kapitel der nationalsozialistischen Auszeichnungspraxis.