2. Weltkrieg: Großer Ordensmusterkoffer eines Handelsvertreters aus Lüdenscheid

Es handelt sich hierbei um einen der letzten noch existierenden Ordens-Musterkasten der Firma Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid, der noch vollständig erhalten ist. Hergestellt wahrscheinlich um 1944. Der Kasten ist mit blauem Lederimitat bezogen, Maße 29 x 35 cm. Innen auf 3 Tabletts sind insgesamt 59 Auszeichnungen montiert. Jedes Ordenstablett hat 4 Einlegetafeln, die sich an seitlichen Schlaufen herausnehmen lassen. Die einzelnen Abzeichen sind auf den insgesamt 12 Einlegetafeln so aufgesteckt, dass sich jedes Abzeichen problemlos herauslösen lässt. Fast alle Auszeichnungen stammen von der Firma Steinhauer & Lück, nur das Flakkampfabzeichen stammt von der Firma Assmann. Aufgrund der späten Kriegsfertigung sind die alle Kampfabzeichen aus Feinzink hergestellt. Im einzelnen sind es die folgenden Auszeichnungen :
Tafel 1 : Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz 1939, rückseitig "micro 800" gestempelt. Deutsches Kreuz in Gold, rückseitig auf der Nadel "4". Eisernes Kreuz 1939 2. Klasse, Hersteller im Ring "4". Eisernes Kreuz 1939 1. Klasse, Hersteller auf der Nadel "4". Wiederholungspange "1939" zum EK 1. Klasse 1914, Feinzink. Kriegsverdienstkreuz 1939 1. Klasse mit und ohne Schwerter, beide auf der Nadel "4" gestempelt". KVK 1939 2. Klasse mit und ohne Schwerter sowie KVK-Medaille. Winterschlachtmedaille. Schutzwall-Ehrenzeichen. Verwundetenabzeichen 1939 in Schwarz, Silber und Gold, die Vergoldung verblasst. Infanteriesturmabzeichen in Silber, hohl geprägt. Allgemeines Sturmabzeichen. Heeres-Flakkampfabzeichen. Nahkampfspange in Bronze, Silber und Gold, die Vergoldung verblasst. Alle 6 Kampfabzeichen ohne Herstellerbezeichnung.
Tafel 2: Flottenkriegsabzeichen, Feinzink, halbhohle Ausführung. Küstenartillerie-Kriegsabzeichen. U-Bootkriegsabzeichen. Blockadebrecherabzeichen. Erdkampfabzeichen der Luftwaffe. Fliegerschützenabzeichen ohne Blitzbündel. Flakkampfabzeichen der Luftwaffe, Hersteller "A". Fallschirmschützenabzeichen. Fliegerschützenabzeichen mit Blitzbündel. Frontflugspange für Aufklärer in Bronze, Silber und Gold, die Vergoldung verblasst. Frontflugspange für Jäger in Bronze. Flugzeugführerabzeichen. Luftwaffe Auflage für die Schützenschnur in Silber und Gold. Auflage für die WH Schützenschnur Panzer 5 Stufe. Ärmelschild "Krim 1941/1942". Kraftfahrbewährungsabzeichen in Silber auf LW-Tuch.
Tafel 3: RAD Dienstauszeichnung für Männer in Bronze, Silber und Gold. RAD Dienstauszeichnung für Frauen in Gold. Polizei-Dienstauszeichnung für 8 Jahre. WH Dienstauszeichnung für 12, 15 und 25 Jahre. Treudienst-Ehrenzeichen in Silber und Gold. Sehr interessante späte Fertigung mit schwarz lackierten Hakenkreuzen. Deutsches Fahrerabzeichen in Silber. Deutsches Reiterabzeichen in Bronze und Silber. Luftschutz-Ehrenzeichen 1. Stufe. Erinnerungsmedaille an die Heimkehr des Memellandes . Grubenwehr-Ehrenzeichen (am verkehrten Band !). Deutsche Medaille für Volkspflege. Ehrenkreuz des Deutschen Mutter in Bronze, Silber und Gold.
Alle Abzeichen waren im Kasten die letzten 65 Jahre gut geschützt und befinden sich in neuwertigem Zustand, nur bei dem U-Bootkriegsabzeichen hat sich das Nadelscharnier gelöst.
Ein einmaliges Set von ordenshistorischer Bedeutung !
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2. Weltkrieg: Großer Ordensmusterkoffer eines Handelsvertreters aus Lüdenscheid

Dieser Ordensmusterkoffer der Firma Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid repräsentiert ein außergewöhnliches Zeugnis der militärischen Auszeichnungsproduktion während des Zweiten Weltkriegs. Als Verkaufsmusterkollektion eines Handelsvertreters dokumentiert dieses Set nicht nur die breite Palette deutscher Militärdekorationen der NS-Zeit, sondern auch die industriellen und wirtschaftlichen Realitäten der Kriegsproduktion im Jahr 1944.

Steinhauer & Lück wurde 1889 von August Steinhauer und Gustaf Adolf Lück als “Vereinsabzeichenfabrik” gegründet und produzierte seit ihrer Gründung staatliche Medaillen und Dekorationen, einschließlich des Eisernen Kreuzes. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich das Unternehmen zu einem der bedeutendsten Hersteller von Auszeichnungen des Dritten Reiches. Die Firma erhielt mehrere offizielle Herstellercodes: die Präsidialkanzlei-Nummer (PKZ) 4 für offizielle Verleihungen, den LDO-Code L/16 der Leistungsgemeinschaft der Deutschen Ordenshersteller für Privatankäufe und die RZM-Nummer M/63 für Parteiartikel.

Die Verwendung solcher Musterkoffer war eine etablierte Geschäftspraxis in der Auszeichnungsindustrie. Handelsvertreter nutzten diese Demonstrationskits, um das vollständige Produktsortiment militärischen Beschaffungsstellen, autorisierten Händlern und Privatpersonen vorzuführen, die zum Erwerb privater Versionen verliehener Auszeichnungen berechtigt waren. Das regulatorische System war komplex: Offizielle Verleihungsstücke unterlagen der Kontrolle der Präsidialkanzlei, während für den Privatankauf bestimmte Stücke durch die LDO reguliert wurden. Ab 1941 durften Firmen hochrangige Auszeichnungen nicht mehr für den Privatankauf produzieren, und bestehende LDO-Bestände wurden der Präsidialkanzlei übertragen.

Die Materialzusammensetzung dieses Musterkoffers offenbart deutlich seine späte Entstehungszeit um 1944. Während zu Kriegsbeginn Kampfabzeichen noch aus Tombak (Messing- oder Bronzelegierung) gefertigt wurden, zwangen zunehmende Materialengpässe die Hersteller zur Verwendung alternativer Materialien. Im vorliegenden Fall sind sämtliche Kampfabzeichen aus Feinzink hergestellt – nahezu reinem Zink, das als strategische Metalle für die Waffenproduktion benötigt wurden. Im weiteren Kriegsverlauf folgte die Verwendung von Mittelzink (Zink mit etwa 10% Blei) und schließlich Kriegsmetall (Zink mit über 30% Blei) in den letzten Kriegsmonaten.

Der Koffer enthält 59 Auszeichnungen auf 12 Einlegetafeln, verteilt auf drei Tabletts. Jedes Tablett verfügt über vier herausnehmbare Einlegetafeln, die an seitlichen Schlaufen befestigt sind, wobei die einzelnen Abzeichen so montiert sind, dass sie problemlos entnommen werden können. Diese praktische Konstruktion ermöglichte es dem Vertreter, potentiellen Käufern die Stücke direkt in die Hand zu geben. Die Sammlung umfasst das gesamte Spektrum deutscher Militärauszeichnungen: vom Ritterkreuz und Deutschen Kreuz in Gold über Eiserne Kreuze und Kriegsverdienstkreuze bis hin zu Kampfabzeichen für alle Waffengattungen, Dienstauszeichnungen und zivilen Ehrenzeichen.

Nach der Niederlage Nazideutschlands 1945 wurden alle NS-Auszeichnungen eingestellt und die Darstellung von Hakenkreuzen verboten. Viele solcher Musterkoffer wurden wahrscheinlich zerstört oder aufgelöst. Steinhauer & Lück überlebte jedoch die Nachkriegszeit und erhielt 1957 einen bemerkenswerten Auftrag: Als die Bundesrepublik Deutschland berechtigten Veteranen gestattete, bestimmte Auszeichnungen aus der NS-Zeit an Bundeswehruniformen zu tragen – vorausgesetzt, das Hakenkreuz wurde entfernt – wurde Steinhauer & Lück beauftragt, alle zwischen 1933 und 1945 verliehenen Medaillen und Dekorationen neu zu gestalten. Diese Regelungen wurden im Bundesanzeiger Nr. 41 vom 28. Februar 1958 veröffentlicht. Das Unternehmen produzierte entnazifizierte Versionen für Veteranen und fertigte weiterhin Auszeichnungen der NS-Ära für den Sammlermarkt, wobei es die ursprünglichen Formen bis in die 1990er Jahre behielt und die Hakenkreuze durch Eichenlaub oder das Datum “1939” ersetzte. Die Firma existiert heute noch unter dem Namen steinlueck.de.

Vollständig erhaltene Ordensmusterkoffer dieser Art sind heute äußerst selten. Dieser Koffer dokumentiert nicht nur die handwerkliche Qualität und Produktionsvielfalt eines bedeutenden Herstellers, sondern auch die wirtschaftlichen Strukturen und Vertriebspraktiken der deutschen Auszeichnungsindustrie während des Zweiten Weltkriegs. Als historisches Dokument der Materialkultur und industriellen Produktion besitzt er erheblichen ordenshistorischen Wert.

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