Dieser außergewöhnliche Uniformnachlass dokumentiert die militärische Laufbahn und das Schicksal des Oberfeldwebel Ewald Kuhhirte, der zwischen 1936 und 1943 in der deutschen Kavallerie und später in Panzeraufklärungseinheiten diente. Die Sammlung umfasst seinen Waffenrock, eine Schirmmütze, sein Wehrpass, das Besitzzeugnis zum Ärmelband Afrika sowie persönliche Dokumente und bietet einen tiefen Einblick in die Transformation der deutschen Kavallerie während des Zweiten Weltkriegs.
Kuhhirte trat am 17. Oktober 1936 in die 4. Schwadron des Kavallerieregiments 6 ein, dessen Garnison sich in Darmstadt befand. Das Regiment repräsentierte die traditionelle berittene Waffengattung, die jedoch bei der Mobilmachung 1939 aufgelöst wurde. Aus dem Kavallerieregiment 6 entstanden die Aufklärungsabteilungen 33, 34, 36 und 179, wobei Kuhhirte zur Aufkl.Abt.33 versetzt wurde. Diese Umstrukturierung spiegelte die strategische Neuausrichtung der Wehrmacht wider, die erkannte, dass motorisierte und gepanzerte Aufklärungseinheiten den traditionellen Kavallerieverbänden überlegen waren.
Die goldgelbe Waffenfarbe auf Kuhhirtes Uniform kennzeichnete ursprünglich die Kavallerie, wurde aber auch von aus Kavallerieeinheiten gebildeten Panzerverbänden und einigen Aufklärungseinheiten weitergetragen. Der Waffenrock, 1935 als Paradeuniiform eingeführt, zeigt die charakteristischen dunkelgrünen Schwedter Aufschläge und wurde für formelle Anlässe, Paraden und offizielle Zeremonien getragen. Die Schirmmütze trägt den aufgesteckten Schwedter Traditionsadler, der an einen Vorfall von 1812 erinnert, als Brandenburg-Dragoner ohne Sattel einen französischen Kavallerienangriff zurückschlugen. Dieses Abzeichen war für das Kavallerieregiment 6 und seine Nachfolgeeinheiten autorisiert.
Kuhhirtes militärische Karriere nahm eine dramatische Wendung, als er am 9. April 1941 mit der Aufkl.Abt.33, die Teil der 15. Panzerdivision war, nach Nordafrika verlegt wurde. Er nahm an den Kämpfen um die Festung Tobruk, bei Marsa Matruh und bei Al Alamein teil. Die Schlacht von El Alamein im Oktober 1942 endete mit einem entscheidenden alliierten Sieg. Die Aufkl.Abt.33 ging im Mai 1943 in Tunesien verloren, und die Überlebenden kehrten nach Europa zurück.
Für seine Teilnahme an der Nordafrikakampagne erhielt Kuhhirte das Ärmelband Afrika, das am linken Unterärmel getragen wurde. Dieses Ärmelband wurde am 15. Januar 1943 durch die Allgemeinen Heeresmitteilungen Nr. 60 vom 27. Januar 1943 eingeführt. Ursprünglich erforderte es mindestens zwei Monate Dienst in Nordafrika, die Kriterien wurden jedoch am 7. Juli 1943 auf vier Monate Dienst bei der Heeresgruppe Afrika geändert. Eine weitere Modifikation vom 1. Juli 1944 schloss auch jene ein, die mit dem Eisernen Kreuz, dem Deutschen Kreuz in Gold oder durch Eintragung in die Ehrenliste ausgezeichnet wurden. Etwa 100.000 Mann dienten in der Nordafrikakampagne und kamen für das Ärmelband in Frage.
Nach der Rückkehr aus Afrika wurde die Einheit als Panzer-Aufklärungsabteilung 115 am 15. Oktober 1943 in Münster aus den Resten der in Afrika verlorenen Aufkl.Abt.33 neu aufgestellt. Die Einheit wurde nach Italien verlegt und kämpfte später an der Westfront bei Lunéville und in den Ardennen, bevor sie schließlich von ihrer Stammdivision getrennt wurde und in Pommern bei Stargard mit der 402. Infanteriedivision 1945 kämpfte.
Kuhhirte selbst erlebte diese späteren Einsätze nicht mehr. Er fiel am 3. Dezember 1943 im Raum Cassino in Italien. Sein Wehrpass dokumentiert seine Auszeichnungen: das Verwundetenabzeichen in Schwarz, das Eiserne Kreuz II. Klasse, das Sturmabzeichen in Silber und die Medaille für den italienisch-deutschen Feldzug in Afrika. Die Todesnachricht erreichte seine Witwe Luise durch das Wehrmeldeamt Bielefeld am 13. September 1944.
Zur Sammlung gehört auch eine Mein Kampf Hochzeitsausgabe, die am 6. August 1940 an Herrn Ewald Kuhhirte und Frau Pflanz gerichtet war. Dieses Programm wurde 1935 vom Franz Eher Nachf. Verlag in München begonnen und stellte heiratenden Paaren kostenlose Exemplare zur Verfügung. Allein 1933 wurden 1,5 Millionen Exemplare von Mein Kampf verkauft. Das Ärmelband Afrika gehörte zu den NS-Auszeichnungen, die 1957 von der Bundesrepublik Deutschland für das Tragen wieder zugelassen wurden, da es kein Hakenkreuzsymbol trug.