Österreich / K.u.K. Monarchie Nicht tragbare Medaille anlässlich der Krönung Maria Annas von Savoyen zur Königin von Böhmen in Prag 1836 .

Buntmetall, Durchmesser ca. 45 mm, avers "Maria Anna Augusta Ferdinandi I Imp et Regis", revers "Et altera mihi Patria - Coron Pragae Sept MDCCCXXXVI", Zustand 2 .
284720
50,00

Österreich / K.u.K. Monarchie Nicht tragbare Medaille anlässlich der Krönung Maria Annas von Savoyen zur Königin von Böhmen in Prag 1836 .

Die vorliegende Medaille wurde anlässlich der Krönung Maria Annas von Savoyen zur Königin von Böhmen am 12. September 1836 in Prag geprägt. Sie stellt ein bedeutendes Zeugnis der zeremonielle Tradition der Habsburgermonarchie dar und dokumentiert einen wichtigen dynastischen Moment in der Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Maria Anna von Savoyen (1803-1884) war die Tochter von König Viktor Emanuel I. von Sardinien und Maria Theresia von Österreich-Este. Ihre Vermählung mit Ferdinand I. von Österreich im Jahr 1831 verband zwei bedeutende europäische Herrscherhäuser. Ferdinand, der 1835 seinem Vater Franz I. auf den Thron folgte, war sowohl Kaiser von Österreich als auch König von Böhmen und Ungarn - entsprechend der jahrhundertealten Tradition der Habsburger als Herrscher über ein multiethnisches Reich.

Die böhmische Krönung war ein wesentlicher Bestandteil der habsburgischen Herrschaftslegitimation. Seit dem Mittelalter trugen die habsburgischen Herrscher die Wenzelskrone, und die Krönung im Veitsdom zu Prag unterstrich ihre Stellung als Könige von Böhmen. Die Zeremonie von 1836 war besonders bedeutsam, da sie die erste Königskrönung unter Ferdinand I. darstellte und die Kontinuität der habsburgischen Herrschaft in Böhmen demonstrierte.

Die Medaille selbst zeigt auf der Vorderseite die lateinische Inschrift “Maria Anna Augusta Ferdinandi I Imp et Regis”, was übersetzt “Maria Anna Augusta, [Gemahlin] Ferdinands I., Kaiser und König” bedeutet. Diese Titulatur unterstreicht die komplexe Herrschaftsstruktur der Monarchie. Auf der Rückseite findet sich die Inschrift “Et altera mihi Patria” (“Und das andere [ist] mir Vaterland”) sowie “Coron Pragae Sept MDCCCXXXVI” (Krönung Prag September 1836).

Der Ausspruch “Et altera mihi Patria” ist von besonderer Bedeutung, da er die Verbundenheit Maria Annas mit ihrem neuen Königreich ausdrückt. Als gebürtige Savoyerin adoptierte sie Böhmen symbolisch als zweite Heimat, was die integrative Funktion der Monarchie in einem vielsprachigen und multikulturellen Reich verdeutlichte.

Solche nicht tragbaren Medaillen, auch Schaumünzen oder Gepräge genannt, waren im 19. Jahrhundert beliebte Mittel der dynastischen Repräsentation. Im Gegensatz zu militärischen Auszeichnungen oder tragbaren Medaillen dienten sie als Erinnerungsstücke und Sammelobjekte. Sie wurden oft in verschiedenen Metallen und Größen ausgegeben - von kostbaren Gold- und Silberexemplaren für hochrangige Persönlichkeiten bis zu günstigeren Buntmetallversionen für ein breiteres Publikum.

Die Produktion solcher Medaillen lag typischerweise in den Händen der kaiserlichen Münzprägestätten, insbesondere der Wiener Münze, die für ihre hohe handwerkliche Qualität bekannt war. Medailleure wie Josef Daniel Böhm und Karl Radnitzky schufen in dieser Epoche zahlreiche Prägungen für das Kaiserhaus.

Der historische Kontext der Krönung von 1836 ist eng mit der politischen Situation der Zeit verbunden. Ferdinand I., der aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht immer selbst regieren konnte, stand im Zentrum eines komplexen Systems von Beratern und Regenten. Seine Herrschaft von 1835 bis 1848 endete mit der Revolution von 1848, die das gesamte europäische politische Gefüge erschütterte. Die Medaille von 1836 dokumentiert somit eine Periode relativer Stabilität vor den großen Umwälzungen der 1848er Revolution.

Die böhmischen Krönungen wurden nach 1836 seltener. Die letzte habsburgische Böhmenkrönung fand 1836 statt - spätere Herrscher verzichteten auf diese aufwendige Zeremonie, was den schwindenden symbolischen Wert der traditionellen Legitimationsrituale in einer sich modernisierenden Welt widerspiegelte.

Heute sind solche Medaillen wichtige historische Quellen für die Erforschung der habsburgischen Repräsentationskultur, der Numismatik und der politischen Ikonographie des 19. Jahrhunderts. Sie dokumentieren nicht nur dynastische Ereignisse, sondern auch künstlerische Stile, Propagandatechniken und die Selbstdarstellung der Monarchie gegenüber ihren Untertanen.