Frackschnalle eines lippischen Beamten und Soldaten im I. Weltkrieg

5 Auszeichnungen, Eisernes Kreuz 2.Klasse 1914, Schaumburg-Lippe Militärverdienstmedaille mit Schwertern, Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1934, Olympia-Erinnerungsmedaille 1936, Österreich Kriegsdenkmünze 1914-1918, Ungarn Erinnerungsmedaille 1914-1918. Rückseitig Etikett von Friedrich Sedlatzek Berlin.
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Frackschnalle eines lippischen Beamten und Soldaten im I. Weltkrieg

Diese Frackschnalle (auch Ordensspange genannt) repräsentiert die militärische und zivile Laufbahn eines lippischen Beamten und Soldaten während des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Zwischenkriegszeit. Die Kombination der fünf Auszeichnungen auf dieser Spange erzählt die Geschichte eines Mannes, der sowohl im Krieg diente als auch die turbulenten politischen Umwälzungen der Weimarer Republik und des frühen Dritten Reiches erlebte.

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse von 1914 war die bekannteste und am weitesten verbreitete deutsche Tapferkeitsauszeichnung des Ersten Weltkriegs. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hatte diese Auszeichnung ursprünglich 1813 während der Befreiungskriege gestiftet, und sie wurde 1870 sowie 1914 erneuert. Etwa 5,2 Millionen Eiserne Kreuze 2. Klasse wurden während des Ersten Weltkriegs verliehen. Das Tragen erfolgte zunächst am Band, später als Bandschnalle auf der Uniform oder als Teil einer Ordensspange.

Die Schaumburg-Lippe Militärverdienstmedaille mit Schwertern verweist auf die komplexe föderale Struktur des Deutschen Kaiserreichs. Das Fürstentum Schaumburg-Lippe, einer der kleinsten deutschen Bundesstaaten, hatte eigene militärische Auszeichnungen. Diese Medaille wurde für militärische Verdienste verliehen, wobei die Schwerter auf Verleihung im Kriege hinweisen. Die Verbindung zu Lippe ist besonders interessant: Die beiden Fürstentümer Lippe und Schaumburg-Lippe waren eng miteinander verbunden, und ihre Soldaten dienten häufig in gemeinsamen Verbänden innerhalb der preußischen Armee.

Das Ehrenkreuz für Frontkämpfer von 1934, auch als Hindenburg-Kreuz bekannt, wurde durch Reichspräsident Paul von Hindenburg am 13. Juli 1934 gestiftet. Diese Auszeichnung wurde an alle Teilnehmer des Ersten Weltkriegs verliehen, die an Kampfhandlungen teilgenommen hatten. Es gab drei Varianten: für Frontkämpfer (mit Schwertern), für Kriegsteilnehmer (ohne Schwerter) und für Hinterbliebene. Die Stiftung erfolgte in der frühen Phase des NS-Regimes und sollte die Veteranen des Ersten Weltkriegs ehren und an das Regime binden. Etwa 6,2 Millionen Ehrenkreuze für Frontkämpfer wurden ausgegeben.

Die Olympia-Erinnerungsmedaille 1936 markiert einen bemerkenswerten Übergang von militärischen zu zivilen Auszeichnungen. Diese Medaille wurde anlässlich der XI. Olympischen Sommerspiele in Berlin verliehen, die vom NS-Regime als Propagandaereignis instrumentalisiert wurden. Sie wurde an Organisatoren, Helfer und bestimmte Teilnehmer vergeben. Das Vorhandensein dieser Medaille auf der Spange zeigt, dass der Träger in der Zwischenkriegszeit weiterhin im öffentlichen Dienst aktiv war, möglicherweise als Beamter bei der Organisation oder Durchführung der Olympischen Spiele.

Die österreichische Kriegsdenkmünze 1914-1918 (auch Karl-Truppenkreuz genannt) wurde von Kaiser Karl I. von Österreich am 13. Dezember 1916 gestiftet. Sie wurde an alle österreichisch-ungarischen Soldaten und ihre Verbündeten verliehen, die am Krieg teilgenommen hatten. Das Vorhandensein dieser Auszeichnung zeigt, dass der Träger wahrscheinlich an der Ostfront oder an anderen Schauplätzen kämpfte, wo deutsche und österreichisch-ungarische Truppen gemeinsam operierten.

Die ungarische Erinnerungsmedaille 1914-1918 komplettiert die Gruppe der Kriegsauszeichnungen. Das Königreich Ungarn als Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn verlieh eigene Auszeichnungen. Diese Medaille wurde an alle Teilnehmer am Ersten Weltkrieg ausgegeben, die in ungarischen oder mit Ungarn verbündeten Einheiten dienten.

Das rückseitige Etikett von Friedrich Sedlatzek Berlin ist von besonderer Bedeutung. Sedlatzek war einer der renommiertesten Ordenshersteller und Juweliere in Berlin, der sich auf militärische Auszeichnungen spezialisiert hatte. Sein Geschäft befand sich in der Reichshauptstadt, und er fertigte sowohl offizielle Auszeichnungen als auch private Ordensspangen an. Die Verwendung eines so etablierten Herstellers unterstreicht den Wert, den Veteranen der Präsentation ihrer Auszeichnungen beimaßen.

Die Zusammenstellung dieser spezifischen Auszeichnungen auf einer Frackschnalle war typisch für die Zwischenkriegszeit und das Dritte Reich. Veteranen trugen solche Spangen bei formellen Anlässen, Veteranentreffen und offiziellen Zeremonien auf Zivilkleidung. Die Spange repräsentiert nicht nur persönliche Tapferkeit und Dienst, sondern auch die komplexe Geschichte Deutschlands und Mitteleuropas im frühen 20. Jahrhundert – vom Kaiserreich über die Niederlage im Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik bis zum Beginn der NS-Herrschaft.

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