Preußen Jäger zu Pferde Stichdegen a. Art für einen Offizier der Königsjäger .

Zierliche, 1,5 cm breite Klinge, beidseitig geätzt, mit Hohlkehlen, auf der Fehlschärfe der Hersteller "Ewald Cleff Solingen",  Messinggefäß mit verschraubtem Parierbügel, das Griffstück mit intakter Drahtwicklung, aufgelegt die Regiments-Chiffre "Krone WR II", der Korb quartseitig abklappbar. dunkelbraune Lederscheide mit Messingbeschlägen, Knickstelle zum Ort hin, sonst aber sehr gut erhalten. Zustand 2

Klingenlänge etwa 730mm
Gesamtlänge etwa 910mm

467421
1.850,00

Preußen Jäger zu Pferde Stichdegen a. Art für einen Offizier der Königsjäger .

Der preußische Jäger zu Pferde Stichdegen repräsentiert eine wichtige Kategorie militärischer Blankwaffen aus der späten Monarchie des Deutschen Kaiserreichs. Dieser besondere Degentyp wurde von Offizieren der Königsjäger getragen, einer elitären Kavallerie-Einheit, die in der preußischen Armee eine bedeutende Rolle spielte.

Die Königsjäger waren berittene Jäger-Einheiten, die sich von den regulären Kavallerie-Regimentern durch ihre spezielle Ausbildung und Aufgaben unterschieden. Diese Truppen wurden traditionell für Aufklärung, Flankendeckung und schnelle Operationen eingesetzt. Die preußischen Jäger zu Pferde entwickelten sich aus den leichten Kavallerie-Traditionen des 18. Jahrhunderts und wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts zu hochspezialisierten militärischen Einheiten.

Die Regiments-Chiffre “Krone WR II” auf dem Griffstück verweist auf Wilhelm Rex II, also Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 als letzter deutscher Kaiser und König von Preußen regierte. Während seiner Herrschaft wurde großer Wert auf die militärische Tradition und die symbolische Repräsentation der kaiserlichen Autorität gelegt. Die Anbringung der kaiserlichen Chiffre auf Offiziersdegen war eine übliche Praxis und unterstrich die persönliche Bindung der Offiziere an den Monarchen.

Der Hersteller Ewald Cleff aus Solingen gehörte zu den renommierten Klingenschmieden, die die preußische und später die kaiserliche Armee belieferten. Solingen hatte sich seit dem Mittelalter als Zentrum der Klingenherstellung etabliert und war im 19. Jahrhundert weltweit für die Qualität seiner Blankwaffen bekannt. Firmen wie Ewald Cleff produzierten sowohl für militärische als auch für zivile Abnehmer und mussten strenge Qualitätsstandards einhalten, um offizielle Lieferanten der Armee zu werden.

Die Konstruktion des Stichdegens zeigt typische Merkmale der preußischen Offiziersdegen aus der wilhelminischen Ära. Die zierliche, nur 1,5 cm breite Klinge mit beidseitigen Ätzungen und Hohlkehlen war primär als Stichwaffe konzipiert. Diese Bauweise reflektiert die veränderte Rolle der Blankwaffen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Feuerwaffen die Schlachtfelder dominierten und Degen zunehmend zu Rangabzeichen und Ehrenwaffen wurden.

Das Messinggefäß mit verschraubtem Parierbügel und der quartseitig abklappbare Korb waren charakteristische Elemente der preußischen Kavallerie-Degen. Der abklappbare Korb ermöglichte ein bequemeres Tragen und schützte gleichzeitig die Hand im Gefecht. Die Drahtwicklung des Griffstücks diente der besseren Griffigkeit und war ein Standard-Element bei Offiziersdegen dieser Periode.

Die dunkelbraune Lederscheide mit Messingbeschlägen folgte den militärischen Vorschriften für Offiziersdegen. Solche Scheiden mussten robust genug sein, um den täglichen militärischen Gebrauch zu überstehen, und gleichzeitig der Würde des Offiziersranges entsprechen. Die Messingbeschläge dienten nicht nur dekorativen Zwecken, sondern schützten auch die neuralgischen Punkte der Scheide vor Beschädigung.

Die Ätzungen auf der Klinge waren bei preußischen Offiziersdegen üblich und konnten verschiedene Motive umfassen: militärische Symbole, Regimentsabzeichen, Wahlsprüche oder dekorative Ornamente. Diese Ätzungen wurden in einem aufwendigen Verfahren aufgebracht und waren ein Zeichen für die hochwertige Verarbeitung der Waffe.

In der militärischen Hierarchie des Kaiserreichs waren solche Degen wichtige Statussymbole. Sie unterschieden Offiziere von Mannschaften und Unteroffizieren und mussten bei offiziellen Anlässen, Paraden und in bestimmten Dienstsituationen getragen werden. Die spezifische Ausführung für die Königsjäger als berittene Jäger-Einheit machte diese Degen zu einem besonderen Typ innerhalb der Vielfalt preußischer Militärdegen.

Die Gesamtlänge von etwa 910 mm und die Klingenlänge von etwa 730 mm entsprechen den üblichen Maßen für Kavallerie-Offiziersdegen dieser Zeit. Diese Dimensionen waren ein Kompromiss zwischen praktischer Handhabbarkeit zu Pferd und ausreichender Reichweite im Gefecht.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. verloren solche Waffen ihre aktive militärische Bedeutung, blieben aber wichtige historische Artefakte. Sie dokumentieren die militärische Kultur des Kaiserreichs, die Handwerkskunst der Solinger Klingenschmiede und die komplexe Hierarchie und Symbolik der preußischen Armee.